Verschärfung der Düngeverordnung erzürnt Ostbeverns Landwirte
Landfrust entlädt sich auf der Straße

Brock/Ostbevern -

Die Verschärfung der Düngeverordnung bringt die Landwirte auch in Ostbevern auf die Palme. Diese führe völlig an der Realität vorbei, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, Paul Verenkotte. Am heutigen Donnerstag wollen die Landwirte in Münster dagegen protestieren.

Mittwoch, 03.04.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 20:42 Uhr
Die Bauern sorgen sich um ihre Existenz. Die neue Düngeverordnung soll helfen, die Nitratwerte im Grundwasser zu verbessern. Doch den Landwirten droht damit ein weiterer Ertragsverlust auf den Äckern.
Die Bauern sorgen sich um ihre Existenz. Die neue Düngeverordnung soll helfen, die Nitratwerte im Grundwasser zu verbessern. Doch den Landwirten droht damit ein weiterer Ertragsverlust auf den Äckern. Foto: Gunnar A. Pier

Wenn heute mehrere tausend Landwirte in Münster auf die Straße gehen – darunter auch zahlreiche aus Ostbevern –, dann hat das einen ganz konkreten Grund. „Nachdem es bereits im vergangenen Jahr eine Düngeverordnung gegeben hat, die wir mitgetragen haben, gibt es nun bereits die nächste. Der Unterschied: die neue, auf der ,alten‘ Verordnung aufbauende Regelung, wurde einzig von Politikern beschlossen und führt völlig an der Realität vorbei“, ist der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, Paul Verenkotte , erzürnt. „Wir wissen um die Bedeutung von sauberem Trinkwasser für Menschen wie für Tiere. Deswegen hatten wir die vorherige Verordnung, trotz diverser Nachteile für uns, mitgetragen.“

Aufgrund eines Streits zwischen Brüssel und Berlin wird die aktuelle Düngeverordnung, die vor allem für kleinere Bauernhöfe mit erheblichen Anpassungen und Kosten verbunden ist, wieder auf den Prüfstand gestellt. Die beabsichtigten Verschärfungen bedrohen demnach die gesamte Landwirtschaft – egal ob ökologisch oder konventionell, ob Gemüse-, Obst-, Ackerbauer oder Tierhalter, so der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband. „Für die Verbraucher könnte das bedeuten: keine regionalen Lebensmittel mehr frisch von unseren Feldern und Höfen auf dem Wochenmarkt, in Supermärkten und Hofläden, im Restaurant oder der Kantine“, sagt Verenkotte.

Warum? Weil die Reform der Reform die ohnehin schon reduzierten Düngemengen noch mal um 20 Prozent reduziert. Das Pflanzen aber Nährstoffe brauchen, um gut wachsen zu können, das würde zum Teil in der Verordnung regelrecht ausgeblendet, so die Kritik.

„Der Politik geht es vermeintlich um die Einhaltung der Wasserrahmenrichtlinie und das Vermeiden von hohen Strafzahlungen. Dabei wird aber völlig ignoriert, was bisher geschehen ist, und es ist nicht abzusehen, wie positiv sich die Reform des vergangenen Jahres auswirken wird“, so der Ostbeverner, der zu bedenken gibt, dass der Grundwasserkörper bis zu 25 Jahre benötige, um sich zu erneuern. „Aktionismus wird diesen Prozess nicht beschleunigen können.“

Ein Punkt, der die Landwirte aus Brock und Ostbevern massiv stört, ist die Regelung, dass – wenn eine Messestelle in einem Überwachungsgebiet Alarm schlägt –, dann darf mit einem Mal in der gesamten Überwachungsregion, der die Messstelle zugeordnet ist, kein Dünger mehr ausgebracht werden darf. „Das gilt dann immer gleich für den gesamten Grundwasserkörper. Da spielt es keine Rolle, wie die Vorkommen verteilt sind und wie sich die Wassermassen unter der Erde bewegen“, so Verenkotte. „Das ist einfach viel zu kurz gedacht.“ Zudem sei das Netz an Messstellen zu weitläufig. Es müsste viel engmaschiger sein, so der Bauer. Teilweise lägen die Punkte mehrere Kilometer von den Ackerflächen entfernt. Eine wirklichkeitsnahe Messung sei dadurch nicht gegeben.

„Wir brauchen am Ende ein verträgliches Handeln. Wir können die Pflanzen nicht mangelernähren und noch weniger aus den Flächen herausholen“, sagt Paul Verenkotte. „Dann kommen die Lebensmittel am Ende aus dem Ausland – wo wir keinen Einfluss auf den Anbau haben. Von umweltbelastenden Transportbilanz mal ganz abgesehen.

 

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