Schüler besichtigen Biogasanlage
Aus Gülle und Mais wird Strom

Ostbevern -

Wie die Wärme in die Biogas-Anlage kommt, und wie daraus Strom erzeugt wird, haben sich Mädchen und Jungen der Franz-von-Assisi-Grundschule von Stefan Große Hokamp genau erklären lassen. Die Exkursion war Teil der Projekttage zum Thema Nachhaltigkeit.

Dienstag, 16.04.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 17.04.2019, 14:42 Uhr
Landwirt Stephan Große Hokamp erklärte den Mädchen und Jungen von der Franz-von-Assisi-Grundschule, wie eine Biogas-Anlage funktioniert
Landwirt Stephan Große Hokamp erklärte den Mädchen und Jungen von der Franz-von-Assisi-Grundschule, wie eine Biogas-Anlage funktioniert Foto: Stricker

Der Aufbau des Nahwärme-Netzes zwischen Friedhof und Grevener Damm in Ostbevern schreitet voran. Nach Angaben von Biogas-Landwirt und Netzbetreiber Stephan Große Hokamp sind mittlerweile zwei Drittel aller unterirdischen Versorgungsleitungen gelegt und die ersten von insgesamt 90 Hausanschlüssen erfolgreich in Betrieb genommen worden. In Kürze sollen auch die Asphaltarbeiten abgeschlossen sein. Damit werden die Straßen im Bereich Amselweg, Drosselweg, Heideweg und Frieda-Schwarz-Weg bald wieder uneingeschränkt nutzbar. Die Fertigstellung des Nahwärme-Netzes ist im Sommer geplant.

Energie für 1250 Familien

Woher die Wärme kommt und wie sie erzeugt wird, haben sich kürzlich Kinder der Franz-von-Assisi-Grundschule einmal genauer angesehen. Die Exkursion zur Biogasanlage auf dem Hof Große Hokamp im Lehmbrock war Teil der Projekttage zum Thema Nachhaltigkeit.

Energiebauer Große Hokamp erklärte den von Projektgruppenleiter Stefan Volkery und Rektorin Martina Lamour begleiteten Erst- bis Viertklässlern dabei Aufbau und Funktionsweise seines 2011 errichteten Reaktors, der über eine elektrische Leistung von 500 Kilowatt pro Stunde verfügt. Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 3500 Kilowattstunden Strom. Die auf dem Hof Große Hokamp produzierte Strommenge reicht also rein rechnerisch aus, um den jährlichen Energiebedarf von ungefähr 1250 Familien in Ostbevern zu decken.

Schiffsmotoren

Der Landwirt führte die Schüler auf seiner Biogas-Anlage von Station zu Station: Erst zum sogenannten Fermenter – jenem runden, grünen, 1,3 Millionen Liter fassenden und mit einem dicken Betondeckel luftdicht verschlossenen Behälter, in dem Bakterien in monatelanger Arbeit ein braunes Gemisch aus Gülle, Silomais und Zuckerrüben zersetzen. Dann zum benachbarten Nachgärer und Gärrestlager, wo das von den Bakterien bei der „Verdauung“ ausgestoßene Biogas unter einer zipfelmützenartigen, grauen Haube gesammelt wird. Drittens in den angeschlossenen Maschinenraum mit den beiden Blockheizkraftwerken: Dort verbrennen schrankgroße Schiffsmotoren das Biogas und treiben so Generatoren an, die ihren Strom ins öffentliche Netz einspeisen.

Zuletzt führte Große Hokamp die Kinder auf eine große Baustelle hinter der Biogasanlage. Dort entsteht zurzeit mit Wasserspeicher und Steuerungshaus das Herzstück des neuen Nahwärme-Netzes, in dem die Hitze, die bei der Stromgewinnung aus Biogas entsteht, zum Heizen einer gegenüber liegenden Siedlung im Dorf genutzt wird.

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