Fynn Kock wird Landwirt
Tierisch Lust auf seinen Job

Ostbevern -

Der 17-jährige Fynn Kock macht eine Ausbildung zum Landwirt. Und weil ihm diese Arbeit so viel Spaß macht, fängt er heute schon an auf dem elterlichen Hof, seine Zukunft aufzubauen. Eine bunte Hühnerschar und zwei bunte Bentheimer Landschweine machen den Anfang.

Freitag, 19.04.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 22.04.2019, 13:20 Uhr
Fynn Kock macht eine Ausbildung zum Landwirt und hat seinen Beruf mittlerweile auch zum Hobby gemacht. Zuletzt hat er sich zwei „Bunte Bentheimer“ Landschweine angeschafft.
Fynn Kock macht eine Ausbildung zum Landwirt und hat seinen Beruf mittlerweile auch zum Hobby gemacht. Zuletzt hat er sich zwei „Bunte Bentheimer“ Landschweine angeschafft. Foto: Rohling

Es habe schon sehr früh festgestanden, dass Fynn Kock in die Fußstapfen seines Opas treten und den Beruf des Landwirtes ergreifen würde, erinnert sich Heike Reinhardt-Kock , seine Mutter. Mittlerweile steht Fynn kurz vor dem Abschluss des ersten Lehrjahres – und seine Begeisterung ist noch immer ungebrochen.

Hühner

Dass der junge Ostbeverner für seinen zukünftigen Beruf brennt, spüren auch seine Eltern und sein Bruder. So gibt es mittlerweile nicht nur wieder Hühner auf dem Hof, sondern seit rund vier Wochen auch zwei Bunte Bentheimer Landschweine. „In der Ausbildung hatte ich es bisher nur mit Rindern und Milchkühen zu tun. Als ich das Okay von meinen Eltern bekommen habe, dass ich nicht nur zwei Schweine halten darf, sondern dass sie mich soweit es geht auch dabei unterstützen, hat mich riesig gefreut“, erinnert sich Fynn, der auch nach seinem Feierabend noch Lust und Freude hat, sich mit landwirtschaftlichen Themen ausein­anderzusetzen. So kam es auch, dass er kurz nach der Zusage seiner Eltern angefangen hat, den alten und schon seit Jahrzehnten nicht mehr genutzten Schweinstall wieder herzurichten.

Wir haben die Schweine nie als Haustiere, sondern gezielt zur Aufzucht und Mästung gekauft.

Fynn Kock
Fynn Kock

Fynn Kock Foto: Sebastian Rohling

Dass es am Ende die Rasse der Bunten Bentheimer und nicht das „klassische“ Hausschwein wurde, hat einen einfachen Grund. „Wir wollten Tiere, die von sich aus schon einen gewissen Grad an Stressresistenz mitbringen. Und da sind die sogenannten alten Rassen einfach sehr viel robuster“, erklärt Heike Reinhardt-Kock, die diese Rasse zuvor auch schon einmal in einem Wildtierpark gesehen hatte.

Der Winter war entsprechend wuselig. Neben seiner Ausbildung baute Fynn den Schweinestall um und kümmerte sich gemeinsam mit seiner Mutter um einen geeigneten Züchter sowie um die Einhaltung und Einreichung der vielen Formulare und Regularien, die die Aufzucht von Schweinen mit sich bringt.

„Jauchi“ und „Porko“

All die Arbeit hat sich aber gelohnt und seit rund vier Wochen fühlen sich „Jauchi“ und „Porko“, so die Namen der beiden Geschwister, wortwörtlich sauwohl – obwohl sie genaugenommen Eber sind. „Wir wissen, dass man Tiere, die der Nahrungsmittelerzeugen dienen, eigentlich keine Namen geben soll“, so Fynn Kock, aber so sei nun mal der Lauf der Dinge. „Wir haben die Schweine nie als Haustiere, sondern gezielt zur Aufzucht und Mästung gekauft. Getreu dem Motto: Essen um zu retten.“ In einem Jahr, davon gehen Mutter und Sohn derzeit aus, werden sie wohl ihr Schlachtgewicht von 120 Kilo erreicht haben. „So schnell wie sie in den ersten Wochen wachsen, lernen wir auch dazu. So wissen wir mittlerweile, dass Möhren nicht so gerne bei ihnen im Trog gesehen sind. Dafür lieben sie unter anderem Kartoffeln.“ Aber auch frische Petersilie mögen die tierischen Geschwister. „Ich hatte ihnen neulich was in ihrem Spielzeug versteckt. Das fanden die richtig gut.“

Ausbildung abschließen

Wenn es alles so läuft, wie es sich der angehende Landwirt vorstellt, dann möchte er im nächsten Jahr vier bis fünf Schweine anschaffen. „Mal sehen, ob alles klappt. Zudem wollen wir selbst erstmal testen, wie das Fleisch schmeckt, bevor wir es dann gegebenenfalls vermarkten“, so Fynn Kock. Denn das Fleisch der Bunten Bentheimer würde sich von dem aus dem Supermarkt dann doch merklich unterscheiden.

Zudem sind die Schweine ja auch noch immer nur ein Hobby. Ob er sich nach seiner Ausbildung vorstellen könnte, einmal Schweine im großen Stil zu züchten und zu mästen? „Keine Ahnung. Erstmal die Ausbildung abschließen und dann weitersehen“, sagt der 17-Jährige, bevor er sich auf den Weg zu seiner Lerngruppe macht. Das Thema ist dabei aktuell die Pflanzenkunde.

Drei Fragen an Katrin Dorkewitz

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH e.V.) setzt sich seit 1981 dafür ein, die Vielfalt (der Haus- sowie Nutztieren) an Eigenschaften und Charakteren, Schönheiten und Genen zu erhalten und für die Nachwelt zu bewahren.Katrin Dorkewitz, Fachreferentin in der Geschäftsstelle, sprach mit Sebastian Rohling über die sogenannten Arche-Tiere.Was kennzeichnet eine gefährdete Rasse?Katrin Dorkewitz: Gefährdet, also vom Aussterben bedroht, sind vor allem alte, einheimische und lokal angepasste Nutztierrassen, die von wenigen hochleistenden Nutztierrassen überflügelt wurden, die entsprechend mehr Milch, Fleisch, Eier oder eine weichere Wolle liefern und meist weltweit zu finden sind. Auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen der GEH finden sich aktuell 171 Nutztierrassen, die nur noch in kleinen Beständen vorhanden sind. Je nachdem wie viele Tiere es noch gibt, wie der Trend in den letzten fünf Jahren war (steigende, gleichbleibende, sinkende Bestandszahlen), die Anzahl der Züchter und unter Berücksichtigung des Generationsintervalls wird eine Gefährdungskennzahl berechnet. Anhand derer lassen sich die einzelnen Nutztierrassen in vier Kategorien von „extrem gefährdet“ über „stark gefährdet“ und „gefährdet“ bis hin zur „Vorwarnstufe“ einordnen. Ihre Stärken haben sie vor allem in einer naturnahen und extensiven Haltung zu sehen, denn sie sind häufig robust und können auch mit weniger energiehaltigem Futter noch viel anfangen. Zudem handelt es sich um „Mehrnutzungsrassen“ bei denen beim Rind zum Beispiel Milchleistung und Fleischansatz gleichermaßen vorhanden sind oder die Hühner sich sowohl als Eierlieferanten, als auch für einen Braten eignen: Insgesamt ist die Leistung geringer, viele ethische Konflikte der modernen Nutztierrassen lassen sich hierdurch aber vermeiden.Warum sind diese Tiere aus dem öffentlichen Bewusstsein und auch aus der Nutztierhaltung verschwunden?Katrin Dorkewitz: Während 1949 ein Landwirt zehn Menschen ernähren konnte sind es heute rund 140. Dieser Strukturwandel führt dazu, dass viel weniger Menschen überhaupt noch einen Bezug zur Landwirtschaft und den Nutztieren haben. Im Zuge der Industrialisierung wurde es zunehmend wichtig, große Mengen mit gleichbleibender Qualität zu erzeugen, so dass sich einige wenige Rassen weltweit durchsetzen und deren Leistungsniveau züchterisch immer weiter gesteigert wurde. Auch das Kaufverhalten hat sich geändert, während nach Kriegsende zum Beispiel noch Schweinefleisch mit einem hohen Fettanteil gefragt war, wuchs mit zunehmendem Wohlstand der Wunsch nach magerem Fleisch, dem ebenfalls züchterisch begegnet wurde. Inzwischen haben sich die meisten Kunden an mageres Fleisch gewöhnt, damit gehen auch die Kenntnisse über die Zubereitung von fetthaltigerem Fleisch verloren. So ist zum einen die tierische Leistung der alten, einheimischen Nutztierrassen hinter den großen weltweit genutzten Rassen zurückgeblieben, während diese auch noch schneller an die veränderten Verbraucherwünsche angepasst werden konnten.Warum ist es wichtig, dass wir diese Tiere nicht verlieren?Katrin Dorkewitz: Die alten Rassen sind Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses, über Generationen und Jahrhunderte gezüchtet, und prägen ihr Verbreitungsgebiet in vielfältiger Weise. Sie sind damit ein zu schützendes Kulturgut, ähnlich wie Baudenkmäler, Kunstwerke oder ein alter Baum. Mit jeder verlorenen Rasse geht auch ein wertvolles genetisches Potenzial verloren und das Landschaftsbild verarmt. Gerade mit Blick auf den Klimawandel, mögliche neue Erkrankungen oder Tierseuchen und sich verändernde Verbraucherwünsche, kann nicht gesagt werden, welche der alten und regional angepassten Nutztierrassen in Zukunft besonders wichtig werden könnten. Daher sollte es das Ziel sein, eine möglichst breite Vielfalt zu erhalten.

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