Dr. Meinrad Aichner aus Ostbevern
Abschottung ist nicht die Lösung

Ostbevern -

Lange Jahre war Dr. Meinrad Aichner als Bundeswehroffizier an der Raketenschule in Fort Bliss unweit der mexikanischen Grenze im Einsatz. Noch heute hat er viele Kontakte nach Texas. Von Donald Trumps Plänen, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen, hält er gar nichts.

Dienstag, 11.06.2019, 20:00 Uhr
Lange Jahre war Dr. Meinrad Aichner an der Raketenschule in Fort Bliss unweit der mexikanischen Grenze im Einsatz.
Lange Jahre war Dr. Meinrad Aichner an der Raketenschule in Fort Bliss unweit der mexikanischen Grenze im Einsatz. Foto: Pohlkamp

Zu El Paso im Bundesstaat Texas, an der Grenze zu Mexiko am Rio Grande gelegen, hat der Ostbeverner Dr. Meinrad Aichner eine ganz besondere Beziehung. Als Angehöriger der Luftwaffe war er zwischen 1964 und 1994 mehrfach am Luftwaffenstützpunkt in El Paso im Einsatz: Er erhielt dort unter anderem die technische Ausbildung. Von 1984 bis 1987 lebte und arbeitete er ohne Unterbrechung in der texanischen Stadt. Insgesamt hat er sechs Jahre seines beruflichen Lebens in der Region verbracht. „El Paso ist zu meiner dritten Heimat geworden“, sagt Meinrad Aichner, der sich neben seinen beruflichen Tätigkeiten auch in der Stadt engagierte. Er organisierte Oktoberfeste sowie Volks- und Marathonläufe, unterstützte drei Waisenhäuser und studierte amerikanische Geschichte.

Aichner arbeitete mit vielen militärischen und zivilen Dienststellen zusammen, sorgte für die Sanierung der Infrastruktur in Fort Bliss und gab zum 20-jährigen Bestehen der Raketenschule in El Paso eine Broschüre heraus. Als Oberstleutnant der Raketenschule der Luftwaffe in El Paso war er auch verantwortlich für die Erstellung von Einsatzkonzepten von Raketensystemen wie Hawk, Nike und Patriot.

Aichner gab Seminare und bildete deutsche Soldaten aus. Zwischen 1984 und 1987 war er in El Paso sogar Präsident der einzigen Deutschen Fußball-Amateurmannschaft in den USA, die in der West Texas Soccer Liga spielte. Für seine hervorragenden Verdienste als deutscher Luftwaffenoffizier wurde Meinrad Aichner von der Stadt El Paso am 28. Mai 1987 mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet.

Kontakte zu seiner beruflichen Heimat pflegt er heute noch: Sein Sohn hat dort an der Universität das Abitur gemacht. 2016 flog er mit ihm zuletzt nach El Paso. Die Grenze zu Mexiko, die in El Paso entlang des Rio Grande verläuft, ist seit Jahrhunderten das beherrschende Thema – zuletzt durch den amerikanischen Präsidenten Trump mit der Absicht, dort eine etwa 3200 Kilometer lange Mauer zu errichten, neu aufgeflammt. „Seit 1964 verfolge ich die Entwicklung und frage mich: Wie kommen die Amerikaner mit dieser Migration zurecht? Allein die Ankündigung, eine Mauer zu bauen, verschärft nach Ansicht von Meinrad Aichner den illegalen Zuzug in die USA und lasse die Kriminalitätsrate ansteigen: „Abschottung ist nicht die Lösung, weil dadurch die illegale Migration verstärkt wird.“ Aichner glaubt nicht, dass die Mauer kommt. Viel wichtiger sei es, das Geld in die Entwicklungsarbeit in den mittelamerikanischen Staaten zu investieren, um den Zuzug einzudämmen. Bei seinem letzten Besuch habe er festgestellt, dass sich die Infrastruktur in der Stadt El Paso wesentlich verbessert habe. Die Stadt wachse sehr schnell. Mit der am südlichen Ufer des Rio Grande gelegenen mexikanischen Schwesterstadt Ciudad Juárez mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern leben hier rund zwei Millionen Menschen auf engstem Raum, getrennt durch den 3000 Kilometer langen „Großen Fluss“, der auf mexikanischer Seite Rio Bravo heißt. „Erfreut habe ich bei meinem letzten Besuch 2016 erlebt,“ so der langjährige Kommunalpolitiker, der für die FDP 15 Jahre lang im Gemeinderat in Ostbevern saß, „dass für die weitere positive Entwicklung der Stadt eine Ostumgehung des Flughafens „El Paso International Airport“ geschaffen wurde, die neue Gewerbe- und Industriegebiete ermögliche und so viele neue Arbeitsplätze für diese Grenzregion geschaffen wurden.“

Die Raketenschule in Fort Bliss wurde 2005 aufgelöst und nach Husum in Schleswig Holstein verlegt. Sehr zum Bedauern von Meinrad Aichner, da die Raketenschule neben ihren militärischen Aufgaben in der Zusammenarbeit mit dem NATO-Partner USA sehr zu konstruktiven Kontakten und zur Völkerverständigung mit US-Amerikanern und Mexikanern beigetragen habe. „Grenzmauern hätten sich doch in unserer Zeit erledigt“, dachte Aichner, als er nach seiner Schulzeit und den vielen Verwendungen in der „alten Bundesrepublik“ – in Forchheim, Essen, Daaden, Rendsburg, München, Freising, Heide, Pirmasens, Birkenfeld und einer NATO-Verwendung in Heidelberg – am 2. Oktober 1990 nach Weißenfels in Sachsen-Anhalt fuhr, um dort ab dem 3. Oktober 1990 ein NVA-Regiment als Kommandeur aufzulösen. „Offensichtlich ist dem heutzutage an der Grenze USA-Mexiko doch nicht so.“

Die Entwicklung an der Grenze zu Mexiko wird der aus Dingolfing in Niederbayern stammende Meinrad Aichner auch weiter intensiv verfolgen. Ein Flug dorthin ist jedenfalls in absehbarer Zeit fest eingeplant, da er seine „dritte Heimat“ nie aus den Augen verlieren möchte.

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