Großflächiges Vorkommen
Kleine Raupe – große Probleme

Ostbevern -

Der Eichenprozessionsspinner hat sich flächendeckend im gesamten Gemeindegebiet ausgebreitet. Das merken nicht nur die Fachfirmen, die mit der Beseitigung der Gespinste beauftragt worden sind, sondern auch die Kirche, die unter anderem ihr Fronleichnam-Programm angepasst hat.

Dienstag, 18.06.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 23.06.2019, 15:18 Uhr
In Brock wird aufgrund des massiven Auftretens der Raupe der Fronleichnams-Gottesdienst ausnahmsweise mal nicht draußen stattfinden.
In Brock wird aufgrund des massiven Auftretens der Raupe der Fronleichnams-Gottesdienst ausnahmsweise mal nicht draußen stattfinden. Foto: Sebastian Rohling

Eichenprozessionsspinner sind eine Gefahr für die Gesundheit. Die Brennhaare der Raupen brechen leicht ab, fallen auf Spaziergänger und Radler herab und lösen allergische Reaktionen aus.

Sie können sich als Ausschläge, leichte Schwellungen, starker Juckreiz und Brennen äußern. Aber auch stärkere Reaktionen sind bei manchen Menschen möglich, etwa die Bildung von Quaddeln. Werden die Haare, die leicht abbrechen und mit dem Wind umherfliegen, eingeatmet, kann das Bronchitis, schmerzhaften Husten und Asthma verursachen. Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung sind Begleiterscheinungen, in Einzelfällen sind sogar allergische Schockreaktionen möglich. Bei schweren Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

„Bei nur kleineren Reaktionen können Betroffene zum Beispiel Lotionen oder Gels auftragen, die auch bei Juckreiz nach Mückenstichen genutzt werden“, erklärt Apotheker Matthias Bröcker, der mit seinem Team in diesen Tagen vermehr Ostbeverner in seiner Apotheke stehen hat, die über entsprechende Symptome klagen. „Bei stärkeren Beschwerden sollte aber ein Arzt konsultiert werden.“

Allerdings lassen sich nicht alle Gespinste auf die Eichenprozessionsspinner zurückführen. Diese finden sich meist nur an Eichen. Handelt es sich um andere Gehölze, können das auch die Gebilde der harmlosen Gespinstmotte sein.

Die kleinen gefräßigen Raupen des Eichenprozessionsspinners breiten sich in Deutschland immer weiter aus. In diesem Jahr hat das Wetter dem Tier dabei besonders geholfen. „Im Frühjahr hatten die geschlüpften Raupen einen guten Start“, sagt der Insektenkundler, Thomas Sobczyk . Die Wärme sei dieses Jahr spät gekommen, aber genau zum richtigen Zeitpunkt für die Raupen. „So gibt es mehr Einzeltiere als im Vorjahr.“

So unter anderem auch in Brock, wo besonders viele Gespinste auf dem Kirchengelände zu finden sind. „Wir werden an Fronleichnam aus Sicherheitsgründen alle Feierlichkeiten in der Kirche stattfinden lassen“, kündigt in diesem Zusammenhang Pfarrer Marco Klein an. Eine Tatsache, die den direkten Nachbarn allerdings wenig hilft. Gegenüber den WN sagten sie, dass sie nicht mal mehr die Fenster aufmachen würden, aus Sorge, dass sonst die kleinen Brennhaare bis in die Wohnung geweht würden.

Die aktuelle Großwetterlage hat aber nicht nur für einen explosionsartigen Anstieg der Tiere gesorgt. Durch die lange warme Zeit im Frühjahr hätten viele überlebt und sich schnell entwickelt. „Etwa vom 10. bis 15. Juli rechnen wir schon mit dem Schlüpfen der Falter, zwei Wochen früher als sonst“, sagt Sobczyk.

In Ostbevern werden derweil noch immer von Fachfirmen Gespinste entfernt. Über 50 Befallsmeldungen sind in der Gemeinde schon eingegangen – flächendeckend in allen Bereichen. Die Gemeindeverwaltung betont, dass sie aber längst nicht alle Gespinste entfernen lassen könne. Unter anderem würden die Experten seit Wochen am Limit arbeiten und kaum noch Aufträge annehmen. Und wenn, dann werden diese nach Prioritäten abgearbeitet. So würden vor allem an Schulen, Kindergärten und anderen öffentlich viel frequentierten Plätzen primär Gespinste entfernt.

Die Kirchengemeinde hat derweil den Ernst der Lage in Brock erkannt und bemüht sich kurzfristig um eine Fachfirma, die die Gespinste in Brock entfernt. Zudem gibt es Überlegungen, inwieweit im kommenden Jahr Präventivmaßnahmen ergriffen werden können.

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