Jeder Euro zählt
Entwicklungshilfe? Ja, aber richtig!

Ostbevern -

In der Adventszeit ist das Buhlen um Spenden besonders intensiv. Ein Ostbeverner ist auch seit Jahren in Ruanda aktiv und sammelt für Projekte wie die „Clemensschwestern für Ruanda“ Spendengelder ein und kontrolliert deren Verwendung.

Sonntag, 01.12.2019, 06:00 Uhr
Bernd Tenckhoff ist durch sein berufliches wie auch privates Engagement viel in Ruanda rumgekommen und hat ein entsprechendes Netzwerk. Zuletzt sammelte er vor allem für die Clemensschwestern in Ruanda Spendengelder.
Bernd Tenckhoff ist durch sein berufliches wie auch privates Engagement viel in Ruanda rumgekommen und hat ein entsprechendes Netzwerk. Zuletzt sammelte er vor allem für die Clemensschwestern in Ruanda Spendengelder. Foto: Tenckhoff

Kurz vor Weihnachten , wenn der Herbst sich von seiner grauen und nassen Seite zeigt, beginnt für viele Vereine und Organisationen die große Zeit des Fundraising. Denn Vorweihnachtszeit ist auch immer die Zeit, in der die Menschen gerne und viel spenden. Das Problem: Viel hilft nicht immer viel. Und gut gemeint führt nur selten zum gewünschten Ziel.

Auch wenn es im ersten Moment zäh und kompliziert klingt, wer spenden will und sicher gehen möchte, dass sein Geld auch so genutzt wird wie erhofft, muss sich im Vorfeld informieren. „Es fängt damit an, dass Entwicklungshilfe auf unterschiedlichen Ebenen mit unterschiedlichen Zielen stattfindet“, erklärt Professor und Diplom-Ingenieur Bernhard Tenckhoff . „Generell wird unterschieden zwischen staatlicher Entwicklungshilfe, Nichtregierungsorganisationen – den NGOs , gemeinnützigen Organisationen und der privat organisierten Entwicklungshilfe.“ Dabei ist keine Vorgehensweise besser oder schlechter als die andere. Sie alle hätten ihre Daseinsberechtigung, so Tenckhoff, der nicht nur durch seine Arbeit bei der GIZ, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, viel in der Welt rumgekommen ist und zu dem Thema insgesamt eine klare Meinung hat: „Sagt mir jemand, er müsse das machen, da er ein ,Helfersyndrom‘ habe, so schicke ich ihn zum Psychiater – aber nicht vor Ort in die Entwicklungshilfe.“

Wer hilft wie und warum

ist ein Überbegriff für staatliche Programme, die die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Entwicklungsländern verbessern sollen. Die Entwicklungshilfe leistenden Staaten, auch Geberländer genannt. Sie alle versuchen akute Armut zu bekämpfen – die elementaren Grundbedürfnisse, wie Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung zu decken sowie dauerhaft die Unterentwicklung zu überwinden. Die erfolgt primär durch Bildung, infrastrukturelle Maßnahmen und die Etablierung bestimmter gesellschaftlicher Strukturen und Wirtschaftssysteme. (NRO beziehungsweise aus dem Englischen Non-governmental organization, NGO) oder auch nichtstaatliche Organisation genannt. Der englische Begriff wurde von den Vereinten Nationen (UNO) eingeführt, um Vertreter der Zivilgesellschaft, die sich an den politischen Prozessen der UNO beteiligen, von den staatlichen Vertretern abzugrenzen. Zu den bekanntesten und größten internationalen Organisationen zählen beispielsweise im Bereich Umweltschutz Greenpeace und World Wildlife Fund bei den Menschenrechten Amnesty International Human Rights Watch. Aber auch das Internationale Rote Kreuz und das internationale kirchliche Hilfswerk Missio. sind in Deutschland bei den Gerichten eingetragene Vereine, Körperschaften, die im Zusammenhang mit der Entwicklungshilfe humanitäre Aufgaben wahrnehmen. Dazu werden in der Regel private Personen ehrenamtlich für die Organisation tätig. Steuerrechtlich erhalten die Organisationen einen Sonderstatus. ist die überwiegend von Einzelpersonen oder Gruppen ausgehende Organisation und Durchführung von unterschiedlichster Hilfsprojekten. Ziel ist es dabei durch zum Beispiel Geld- oder Sachspenden unmittelbare Hilfe in den notleidenden Ländern zu leisten.

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„Es gibt ja immer wieder Kritik und Bedenken in der Öffentlichkeit, wenn es um das Thema Spenden geht. Das mag unter anderem daran liegen, dass es trotz der modernen und vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten noch zu Fehlern in der Koordination unter den unterschiedlichen Gruppierungen gibt“, erklärt er. „Das führt zu recht immer wieder zu Kritik. Manch eine Hilfe wird fehlgeleitet oder erfolgt mehrfach. Häufig ist auch eine gut gemeinte Aktion, die aus unserem Verständnis sehr sinnvoll ist, vor Ort keine nachhaltige Hilft.“ Bernhard Tenckhoff gibt folgendes Beispiel: Es wird eine kleine Solaranlage für einzelne Objekte, wie zum Beispiel eine ländliche Schule, gespendet. Die Anlage wird in der Regel aufwendig errichtet. Nach der meist festlichen Inbetriebnahme ziehen sich die Sponsoren in ihre Heimat zurück. Bei einer noch so kleinen Störung an der Anlage kann dann häufig keine Reparatur erfolgen, da dazu schlicht die Fachkräfte und Ersatzteile fehlen. Es muss deswegen unbedingt im Vorfeld geklärt werden, ob die Wartung, Reparatur und Pflege nachhaltig und vor Ort erfolgen kann. Ansonsten ist das gut angegangene Projekt schon recht schnell beendet. Die großen Hilfsorganisationen kennen das und haben dazu ihre Fachleute vor Ort. Deshalb ist es gerade für die privat organisierte Hilfe ratsam, Projekte mit den Organisationen wie dem Roten Kreuz vor Ort abzustimmen. Leider sind diese privaten Initiativen häufig zu sehr emotional motiviert und die Akteure beratungsresistent.

Dass Berhard Tenckhoff weiß wovon er spricht, spiegelt sich unter anderem in seiner über 25 Jahre zusammengetragenen Expertise in Asien, Lateinamerika und Afrika wieder. „Die Zeit und die Erfahrungen vor Ort haben mich gelehrt, dass Entwicklungshilfe sehr klar und konsequent durchgeführt werden muss. Ansonsten wird durch falsch verstandene Nächstenliebe oft Korruption gefördert. Wer plötzlich die Möglichkeit hat an viel Geld zu kommen, der greift zu. Dies gilt besonders für die Ärmsten dieser Welt.“

Wer plötzlich die Möglichkeit hat an viel Geld zu kommen, der greift zu.

Bernhard Tenckhoff

Die Herausforderung bei kleineren Initiativen sei, dass selbst vermeintlich seriöse Kontakte sich am Ende als Enttäuschung herausstellen können. So musste der in Ostbevern lebende und im Ruhestand befindliche Bernhard Tenckhoff auch die Erfahrung machen, das selbst Menschen von der Kirche bei Geld sich selbst und alles andere vergessen. „Ein junges Mädchen ist vor Jahren ins Hinterland von Ruanda gekommen, um dort über ein Jahr ein landwirtschaftliches Hilfsprojekt durchzuführen. Sie hatte in Deutschland einen evangelischen Priester kennengelernt. Er hat ihr angeboten, für ein Jahr in seine Gemeinde nach Kirinda zu kommen und in seinem Haus zu wohnen. Als sie das Elend der Bevölkerung vor Ort sah startete sie per Medien in der Heimat eine Spendenaktion“, berichtet Tenckhoff. „Es kamen in kurzer Zeit über 10 000 Euro zusammen. Ein Bekannter nahm das Geld von Deutschland aus mit und überbrachte es dem jungen Mädchen. Unmittelbar nach der Übergabe vertraute sie es dem Priester an. Am nächsten Morgen war der Priester mitsamt dem Geld verschwunden. Wir hörten später, dass er von Ruanda nach Tansania gegangen ist.“

Trotz größter Not und größtem Elend, dass sich gerade für Menschen aus dem gut situierten und gesitteten Europa nicht immer leicht begreifen lässt, muss Entwicklungshilfe vor Ort möglichst fern von Emotionen und mit Bedacht erfolgen. „Besonders wichtig ist es vor Ort wirklich vertrauenswürdige Personen zu haben, noch besser ein ganzes Netzwerk. Ich habe als Professor an der technischen Universität von Ruanda und dem staatlichen Energieversorger alleine in dem Land viele Erfahrungen gesammelt, die mir bei meinen privaten Hilfsaktionen für die Clemensschwestern noch heute dienlich sind“, ist der Ostbeverner glücklich, ein solches Netzwerk für sein Engagement im Rücken zu haben. Über viele Jahre und Besuche und Arbeitseinsätze vor Ort habe er nach und nach die Menschen in Ruanda richtig verstanden. „Ich habe aber auch viel Verständnis dafür das sie versuchen, wenn immer möglich an Geld zu kommen das ihnen ein besseres Leben breitet. Man sollte aber das Land und die Menschen kennen, um echte Hilfe leisten zu können.“

Die positiven Beispiele und Erfahrungen überwiegen bei weitem.

Bernhard Tenckhoff

Auch wenn es für Spender und Helfer nicht immer leicht und übersichtlich ist. Gut organisierte Hilfe ist unabdingbar in vielen Teilen der Welt. Sei es durch aktive Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel, wie es die großen Organisationen machen, Krisenintervention nach schweren Naturkatastrophen oder gezielte Arbeit vor Ort, organisiert im kleinen. „In Ostbevern gibt es Hilfsprojekte der Kirchengemeinde St. Ambrosius“, nennt er stellvertretend für die tausenden Projekte die alleine in Deutschland das Not in der Welt lindern und die Hilfe zur Selbsthilfe fördern sollen. „Da ist unter anderem das Ziegenprojekt für die Witwen des Genozids zu nennen. Adrienne, die vertraute vor Ort erwirbt auf dem Markt für um die 20 Euro eine Ziege. Diese Ziege erhält eine Witwe als sogenannten „Mini Kredit“. Bekommt die Ziege Nachwuchs geht des Erste Junge zurück und wird einer weiteren Witwe übergeben. Die erste Witwe hat damit ihren Kredit abgegolten und kann alle weiteren Jungen selber halten. So funktioniert nachhaltige Entwicklungshilfe, die weiterhin unterstützt werden sollte.“

Wer in den kommenden Tagen spenden möchte, kommt nach Ansicht von Bernd Tenckhoff nicht darum herum, sich im Vorfeld zu fragen, was ein jeder mit seiner Spende in der Welt bewirken möchte und wie transparent die jeweilige Organisation ist. Das aber viele Menschen in der Welt auf Spenden und die Unterstützung angewiesen sind, weiß er auch: „Niemand sollte sich von Negativbeispielen abschrecken lassen. Die positiven Beispiele und Erfahrungen überwiegen bei weitem.“

Spendensiegel

Es gilt wieder Notleidende in Krisengebieten, Menschen in Armut und Aufgaben im Tier oder im Umweltschutz finanziell zu unterstützen – denn Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Gerade in der Adventszeit gibt es unzählige Postwurfsendungen, es klingeln verschiedene Sammler an der Haustür und in Fußgängerzonen der großen Städte reihen sich die Infostände wie Perlenketten aneinander. Sie alle wollen dabei nur das Eine von uns: Geld. Und dafür appellieren sie nicht selten an unser schlechtes Gewissen und werben mit dramatischen Bildern. Doch neben den vielen Projekten, Organisationen und Vereinen, die transparent und seriös mit ihren Spendeneinnahmen umgehen, gibt es auch immer wieder schwarze Schafe.Um die wahren Wohltäter von unseriösen Trittbrettfahrern der Mildtätigkeit zu unterscheiden, bietet das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin Informationen und Auskünfte über eine Vielzahl an Hilfswerken. So sind derzeit mit Hilfe eines Spenden-Siegels mehr als 260 überwiegend soziale Organisationen als förderungswürdig anerkannt worden. Das Institut gibt aber selbst zu bedenken, dass nur Hilfswerke geprüft werden, die sich selbst beim DZI melden und auch die Kosten für die Prüfung übernehmen – und die liegen bei mindestens 500 Euro. Geld, das gerade kleinere und private Organisationen lieber sinnvoll „vor Ort“ investieren wollen. So betont das DZI auch, dass das Fehlen des Spendensiegel nicht zwangsläufig bedeuten müsse, dass eine Einrichtungen unseriös sei.Eine Liste mit Einrichtungen, die Unregelmäßigkeiten in ihren Büchern haben, finden Interessierte unter anderem auch auf der Homepage vom DZI. Trägt hingegen ein Spendenaufruf das DZI-Siegel, kann jeder Spendenwillige sicher sein, dass die Organisation eindeutig und sachlich wirbt, sparsam wirtschaftet und die Gelder nachprüfbar ausweist. Eine Liste mit allgemeinen Hinweisen zum Thema Spenden hat auch die Verbraucherzentrale NRW ins Internet gestellt.  

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