Schweine-Leasing
Wissen, was auf den Teller kommt

Ostbevern -

Das Konzept des „Schweine-Leasings“ wird es zukünftig auch in Ostbevern geben. Ein angehender Jungbauer will diese Form der gemeinsamen Tieraufzucht, bei der neben dem Landwirt auch der spätere Konsument eine große Rolle spielt, im kommenden Jahr anbieten.

Mittwoch, 04.12.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2019, 18:03 Uhr
Fynn Kock und seine Bunten Bentheimer Landschweine. Ab dem kommenden Jahr will er mit dieser Rasse das „Schweine-Leasing“ in Ostbevern etablieren.
Fynn Kock und seine Bunten Bentheimer Landschweine. Ab dem kommenden Jahr will er mit dieser Rasse das „Schweine-Leasing“ in Ostbevern etablieren. Foto: Sebastian Rohling

Nicht zuletzt die aktuellen Debatten, Demonstrationen und teils sehr kontrovers geführten Diskussionen zeigen auf, dass es weniger streitbare Jobs als den des Landwirts gibt. Und doch gibt es junge Menschen wie Fynn Kock , die genau in dieser Tätigkeit ihren Traumjob sehen. Im Falle des angehenden Junglandwirtes aus der Bauerschaft Brock geht es sogar soweit, dass er sich nach seinem Feierabend als Auszubildender um seine eigenen Tiere kümmert – und das werden immer mehr.

Zuletzt hat sich der im zweiten Lehrjahr befindende Landwirt drei Bunte Bentheimer Landschweine zugelegt. „Ich hatte bereits zwei Tiere dieser seltenen Arche-Rasse. Die sind aber vor geraumer Zeit geschlachtet worden“, so Kock. Ein Teil des Fleisches hat er Freunden und der Familie überlassen. „Auch wenn das Fleisch der Tiere fettiger als das ist, das wir in der Regel von der Theke kennen. Die Produkte kamen super an“, freut er sich über den Erfolg seiner Aufzucht.

Anknüpfend an den Erfolg der ersten Schlachtung will er das Fleisch der drei neuen Tiere im kleinen Maßstab vertreiben. „Das meiste ist schon noch für den Hausgebrauch. Aber irgendwie muss sich die Arbeit, das Futter und alles andere ja auch lohnen oder vielmehr rentieren.“

Das mit dem Schweine-Leasen hört sich ja etwas makaber an.

Fynn Kock

Zwei seiner aktuellen Tiere kommen aus Brochterbeck, eines aus Neuenkirchen. Und von dort hat er auch seine neueste Idee mitgebracht. Fynn Kock kümmert sich demnach um die Aufzucht der Tiere, die Kosten für die Anschaffung, die Mast und auch die Schlachtkosten teilen sich diejenigen, die die Tiere geleast haben. „Das mit dem Schweine-Leasen hört sich ja etwas makaber an. Aber wir Menschen müssen dazu kommen, bewusster mit unserem Fleischkonsum umzugehen. Hier weiß ich und auch mein Kunde, oder vielmehr der Leaser, genau, wie das Tier lebte, gehalten wurde, wo und wann es geschlachtet wurde und auf Wunsch sogar, welchen Namen es getragen hat und welche Eigenarten es hatte“, erklärt Kock. Denn wer bei ihm ein Schwein least, der kann es regelmäßig besuchen und bekommt ständig Updates über die sozialen Netzwerke. So weiß am Ende jeder, was er auf den Teller bekommt.

Die Idee habe ich Denis Puls [WN+], von dem ich auch mein drittes Schwein habe. Er hat mir auch Tipps gegeben“, beschreibt er, wie er auf die Idee gekommen ist. So schnell wie im Supermarkt geht’s dabei nicht vonstatten. Und so billig auch nicht. „Aber dafür besser und gesünder“, sagt der angehende Landwirt.

Tiere dürfen länger leben

Der Geschmack seines Schweinefleischs sei „einmalig“, ist Fynn Kock überzeugt. Das liege am fettdurchzogenen Fleisch seiner Bentheimer, der andersartigen Konsistenz des Fleisches, an der langsameren Fütterung der Tiere. Und daran, dass die Tiere länger leben dürfen als normale Mastschweine. „Unsere Schweine haben Platz zum Toben – draußen wie drinnen, bekommen viel Futter, Kartoffeln oder auch Eicheln.“

Ab März 2020 können bis zu drei Schweine bei dem Jungbauern geleast werden. 95 Euro für die Anschaffung sowie 50 Euro pro Monat. „Das sind pro Tier 445 Euro. Bei zu erwartenden 60 bis 70 Kilo je Tier, macht das einen Kilopreis von gut sieben Euro aus. Natürlich kann sich jeder auch ein Tier mit Nachbarn, Freunden oder sonst wem teilen.“ Kosten entstünden zudem, wenn die Tiere zum Schlachter Erpenbeck in Glandorf gebracht würden. „Wie viel das ist, steht und fällt aber damit, wie das Fleisch aufbereitet und veredelt werden soll“, rechnet Fynn Kock vor. Das Risiko mit dem Tierarzt bliebe aber bei ihm und würde nicht umgerechnet.  

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