Die Königin der Instrumente
Orgel ahmt Orchester nach

Ostbevern -

Burkhard Orthaus, Kirchenmusiker in St. Ambrosius, schätzt die Orgel sehr. Wenn er die Gottesdienstbesucher begleitet, ist es wichtig, Kontakt zu ihnen zu bekommen, herauszuhören wie stark sie sind.

Dienstag, 24.12.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 27.12.2019, 16:36 Uhr
Burkhard Orthaus, Kirchenmusiker in St. Ambrosius, schätzt die Orgel sehr. Wenn er die Gottesdienstbesucher begleitet, ist es wichtig, Kontakt zu ihnen zu bekommen, herauszuhören wie stark sie sind. Drei Manuale, knapp 40 Register und 2700 Pfeifen wurden 1965 auf 50 Quadratmetern eingebaut.
Burkhard Orthaus, Kirchenmusiker in St. Ambrosius, schätzt die Orgel sehr. Wenn er die Gottesdienstbesucher begleitet, ist es wichtig, Kontakt zu ihnen zu bekommen, herauszuhören wie stark sie sind. Drei Manuale, knapp 40 Register und 2700 Pfeifen wurden 1965 auf 50 Quadratmetern eingebaut. Foto: Reinker

Trompeten, Posaunen, Flöten und ab und zu auch ein Streichin­strument sind in nahezu jedem Gottesdienst in der St.-Ambrosius-Kirche zu hören. Hoch von der Empore über dem Haupteingang tönen sie und begleiten den Gesang der Chöre und Besucher. Doch es ist kein komplettes Orchester, das im Gotteshaus regelmäßig zu hören ist. Für die Musik sind in der Kirche nur zwei verantwortlich: Burkhard Orthaus und die Orgel.

Die Musik einer Orgel spiegelt Freude wider, aber auch Trauer und Melancholie. Der Erste, der dies dem Instrument in der Kirche entlockte, war Johannes Siemann . Damals als Kirchenmusiker für St. Ambrosius tätig, erinnert sich der heute 84-Jährige an den Einbau der Orgel im Jahr 1965. Diese wurde damals, hergestellt durch das Fachunternehmen Laukhoff in Baden-Württemberg und aufgebaut durch die Firma Fleiter in Münster, feierlich eingeweiht.

„Etwa 200 000 Deutsche Mark hat sie damals gekostet“, weiß Johannes Siemann noch zu berichten. Würde man heute eine Orgel in dieser Größe anschaffen, müsste man weit über eine Million Euro einplanen, schätzt er. Rund drei Jahre dauerte der Bau der Orgel, von der Bestellung bis zur Anlieferung. Drei Manuale, knapp 40 Register und 2700 Pfeifen auf einer Fläche von etwa 50 Quadratmetern sind die Eckdaten des Instruments. „Das zeitaufwendigste beim Bau war das Handwerk“, erklärte Siemann die lange Dauer. Das Zusammensetzen übernahm die Firma Fleiter. „Nach ungefähr einem Vierteljahr war sie fertig“, so Siemann. Für die Intonierung war wiederum ein spezialisiertes Unternehmen zuständig. „Für die ganze Kirchengemeinde war die Anschaffung damals etwas ganz Besonderes“, erinnerte sich der Ostbeverner.

Nach der Einweihung 1965 durch den Domorganisten spielte Siemann das Instrument über 30 Jahre lang, bis Burkhard Orthaus die Arbeit des Kirchenmusikers 1999 übernahm.

Er hat das elektrisch gesteuerte Instrument zu schätzen gelernt. „In den 60er Jahren hat man fast nur noch elektrisch gebaut“, erklärt Orthaus. Heute gingen die Orgelbauer wieder mehr zu den mechanischen Modellen über, aufgrund des „direkteren Kontakts“, wie der Kirchenmusiker sagt, den er während seiner früheren beruflichen Tätigkeit auch selbst kennengelernt hat. Das elektrisch arbeitende Instrument habe aber den einen Vorteil, dass es für die Hände deutlich einfacher zu spielen sei. „Das ist nicht so kraftaufwendig“, erläutert Orthaus. „Die Tasten lassen sich einfacher anschlagen.“

Blickt man von den Kirchenbänken hoch zur Empore, ist nur ein kleiner Teil der Orgelpfeifen zu sehen. Die größte von ihnen kommt an die 4,80 Meter heran. „Die Höhe der Pfeifen entscheidet auch über die Höhe des Tons“, erklärt Burkhard Orthaus, der auch Akkordeon und Klavier erlernte. „Das ist ähnlich wie bei Blockflöten“, sagt er.

Was eine Flöte allein aber nicht kann: 2700 unterschiedliche Töne, wie sie die hiesige Orgel erklingen lassen kann. Diese gewaltige Zahl kommt nur durch die vielen möglichen Kombinationen aus Tasten und Registern zusammen. Zur Erklärung: Ein Register einer Orgel bestimmt die Klangfarbe, also etwa den Klang einer Trompete oder Klarinette. Es kann durch Wippschalter ein- oder ausgeschaltet werden. Dadurch, dass ein Register üblicherweise über den gesamten Tastenumfang reicht, kann sich eine so hohe Anzahl an unterschiedlichen Tönen ergeben. Im Weiteren kann natürlich auch die Lautstärke angepasst werden.

Die Ostbeverner Orgel hat nicht nur Metallpfeifen, sondern auch drei aus Holz. Diese geben 29 Töne von sich, in einem besonders weichen Grundton. „Die Anschaffung hat Pfarrer Felix Schnetgöke 2003 möglich gemacht“, erinnert sich Burkhard Orthaus.

„Die Idee einer Orgel ist es, ein Orchester nachzuahmen“, erklärt der Ostbeverner den riesigen Tonumfang des Instruments. „Es ist also eine Sparmaßnahme, sonst müsste man 60 Musiker für die Gottesdienste engagieren“, sagt der 54-Jährige mit einem Schmunzeln. „Das würde die Kirchengemeinde ganz schön was kosten.“

Die Gottesdienstbesucher beim Gesang zu begleiten, heiße, Kontakt zu ihnen zu bekommen. „Ich muss hören, wie stark sie sind“, erläutert Orthaus. „Denn ich darf sie nicht plattmachen.“ Er betrachte die Gemeinde als großen Chor, „auch wenn viele meinen, sie könnten gar nicht singen.“

Neben liturgischen Stücken spiele er gerne „querbeet“, vor allem aber Filmmusiken, so der Instrumentalist. „Ich könnte mir aber auch Shantys auf der Orgel vorstellen“, meint er.

Welche Stücke er in den Gottesdiensten an den Feiertagen spielen wird, hängt auch von den Chören ab, die er begleiten wird. Fest steht aber, dass er sich über eine stimmgewaltige Gemeinde freuen würde, die er bei den Weihnachtsliedern begleiten darf.

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