Selbsthilfegruppe für Frauen mit Krebserkrankungen in Ostbevern
„Man weiß, dass man nicht alleine ist“

Ostbevern -

Vor zwei Jahren wurde die Selbsthilfegruppe für Frauen mit Krebserkrankungen von Monika Büst-Wiechmann gegründet. Sie wird mittlerweile von neun Teilnehmerinnen regelmäßig besucht. Alle Frauen haben eines gemeinsam: Sie erkrankten an Krebs und stärken sich nun gemeinsam den Rücken.

Mittwoch, 01.01.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 13:56 Uhr
Nicht nur Frauen mit Brustkrebserkrankung sind bei den Treffen der Selbsthilfegruppe willkommen.
Nicht nur Frauen mit Brustkrebserkrankung sind bei den Treffen der Selbsthilfegruppe willkommen. Foto: colourbox.de

Zusammen lachen und sich freuen, aber auch mal traurig sein und den anderen an seinen Gefühlen teilhaben lassen: In der Selbsthilfegruppe für Frauen mit Krebserkrankungen ist das oft der Fall. Vor zwei Jahren wurde sie von Monika Büst-Wiechmann gegründet und wird mittlerweile von neun Teilnehmerinnen regelmäßig besucht. Alle Frauen haben eines gemeinsam: Sie erkrankten an Krebs und stärken sich nun gemeinsam den Rücken. Und sie genießen das Leben bewusster denn je. Der WN-Mitarbeiterin Anne Reinker haben sie ein wenig von sich erzählt.

Der Krebs spielt bei den Stammtischtreffen der Frauen eine Rolle, aber nicht unbedingt die Größte: „Wir reden nicht den ganzen Abend über Krankheiten“, sagt eine der Besucherinnen, die wie einige der anderen Frauen nicht gerne darüber in der Öffentlichkeit spricht und dementsprechend auch nicht möchte, dass ihr Name an dieser Stelle genannt wird. „Manchmal hat man vielleicht auch etwas anderes auf dem Herzen“, erklärt sie. Hier reden die Frauen über vieles, denn sie wissen: Es bleibt in der Gruppe und nichts von dem Gehörten wird anderen zugetragen.

Zwei der Frauen sind an Eierstockkrebs, sieben an Brustkrebs erkrankt. Bei der einen ist die Diagnose schon vor fast 20 Jahren gestellt worden, bei anderen erst vor einigen Monaten. Und mal mit mehr oder weniger guten Prognosen.

Gruppeninitiatorin Monika Büst-Wiechmann traf es vor über drei Jahren wie ein Blitz. Ohne besondere Auffälligkeiten oder Beschwerden nutzte sie das Angebot der Vorsorge, ließ eine Mammografie durchführen und musste mit der Diagnose Brustkrebs wieder nach Hause gehen. Nach einer Operation und 28 Bestrahlungen geht es ihr nun gut. Erfahren hat sie in der Zeit seit der Diagnose, dass noch viele weitere Frauen eine ähnliche Geschichte haben wie sie. Das war der Auslöser für sie, die Gruppe ins Leben zu rufen. Ein Stammtisch, bei dem übrigens weitere ebenfalls betroffene Frauen jederzeit willkommen sind.

Das Interesse an der Vereinigung zeigte sich schnell, denn: „Solch eine Gruppe gibt es im ganzen Kreis Warendorf nicht“, erklärt Gisela Gödeke aus Telgte. Die Gemeinschaft mit ebenfalls Betroffenen hilft. „Man weiß, dass man nicht alleine ist“, sagt Agnes Linden und bekommt die Zustimmung der Frauen. Denn viele gesunde Menschen, auch wenn es Familienangehörige oder Freunde sind, „können nicht unbedingt damit umgehen“, sagt Susanne Kemper-Silge. Und da wird dann tatsächlich schon mal die Straßenseite gewechselt oder der Blickkontakt vermieden, wie eine der Frauen erzählt. Das kränkt und macht alles noch ein bisschen schlimmer. Denn die Krankheit ausgesucht, dass hat sich wahrlich keine der Frauen. Der Stammtisch hilft, man kann sich fallen lassen und fühlt sich aufgehoben.

Das Entdecken der Erkrankung stellt das gesamte Leben auf den Kopf, plötzlich wird es in einem anderen Zeitverständnis gesehen: vor und nach der Diagnose. Ab dem Zeitpunkt des Befundes erlebt man alles bewusster. „Man merkt, wie schnell alles vorbeigehen kann“, sagt Gisela Gödeke. „Wir wissen ja, man kann es jederzeit wiederbekommen“, fügt eine der anderen Besucherinnen hinzu, bei der bereits zwei Mal Krebs festgestellt wurde. Heute gilt sie als gesund.

Die Angst um die Gesundheit kann bleiben, auch nach der offiziell „krebsfreien“ Zeit, die fünf Jahre nach der Heilung beginnt. „Man kann mit dem Thema einfach nicht abschließen“, bedauert eine der Damen, bei der vor 18 Jahren Krebs diagnostiziert wurde und die vier Chemotherapien und 33 Bestrahlungen hinter sich bringen musste. Zahlen, die ihr immer im Gedächtnis bleiben.

Zu den Kontrollen gehe man immer mit Bauchschmerzen, erklärt eine der Frauen. Das Abtasten der Brust, übrigens allen Frauen dringend geraten, wird zum inneren Zwang. „Man fühlt schon mal so fest, dass die Brust alleine vom Drücken weh tut“, meint eine der Besucherinnen mit einem Schmunzeln. Auf das Ergebnis der Kontrolluntersuchung warten die Frauen nicht allein, auch die Gefährtinnen der Gruppe hoffen mit.

Gute Nachrichten hinterlassen durchaus zwiegespaltene Gefühle, wie eine Besucherin sagt: „Das, was positiv klingt, muss man auch glauben können.“ So groß ist die Besorgnis der Frau, bei der die Ärzte vor einem Jahr Eierstockkrebs feststellten. „Ich hoffe, dass die Angst irgendwann in die zweite oder dritte Reihe tritt.“ Meditationen helfen ihr, diese Gefühle möglichst klein zu halten.

Die Einstellung zum Leben verändert sich, dass sagen alle der Besucherinnen. Es werde ganz anders wahrgenommen als früher, das Bewusstsein habe sich gewandelt und manifestiert. Schöne Erlebnisse, auch wenn sie noch so klein sind, nehmen nun eine größere Rolle ein als vorher und bekommen eine neue Wertigkeit.

Aber auch das eigene Verhalten ändert sich. „Man wird egoistischer“, meint Monika Büst-Wiechmann, die sich ihre Mittagsruhe seitdem nicht mehr stören und das Telefon klingeln lässt. Ihr konnte die Familie helfen, allen voran das Enkelkind. Bei ihr und einigen anderen der Frauen war es auch der Wunsch, wieder arbeiten gehen zu können.

Wie wichtig die Vorsorgeuntersuchungen sind, ist wohl allen Frauen – ob erkrankt oder nicht – klar. Der Gedanke „Es passiert mir schon nicht“ kann von heute auf morgen der Gewissheit einer schweren Erkrankung weichen. Monika Büst-Wiechmann drängt daher darauf, den Anspruch auf regelmäßige Kontrollen wahrzunehmen. Bestimmt ein wichtiger Vorsatz für das neue Jahr – für Männer genauso wie für Frauen – in jeglicher Hinsicht auf die Gesundheit sorgfältig achtzugeben.

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