Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
100 Jahre für den Frieden engagiert

Ostbevern -

Seit 100 Jahren hält der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Erinnerung an die Opfer der Kriege aufrecht. Auch in Ostbevern gibt es sehr engagierte Mitstreiter.

Samstag, 01.02.2020, 13:15 Uhr aktualisiert: 02.02.2020, 13:38 Uhr
Dr. Meinrad Aichner (l.) und Eduard Silge engagieren sich ehrenamtlich seit vielen Jahren beim Volksbund.
Dr. Meinrad Aichner (l.) und Eduard Silge engagieren sich ehrenamtlich seit vielen Jahren beim Volksbund. Foto: Anne Reinker

Die Erinnerung an die Opfer der Kriege aufrechterhalten, dass ist der Sinn und Zweck des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge . Und das vor allem, um die Schrecken der Weltkriege nicht vergessen zu lassen und damit die Bedeutung und das Bewusstsein des friedlichen Miteinanders der Kulturen und Nationen zu fördern.

Dr. Meinrad Aichner und Eduard Silge gehören zu den Aktiven in der örtlichen Gruppe des Volksbundes. „Der Volksbund hat bis heute einen wesentlichen Anteil daran, dass sich das Bewusstsein für Recht und Unrecht in unserer Gesellschaft fortentwickelt“, sagt Meinrad Aichner. Dem hat sich die Vereinigung vor 100 Jahren verschrieben.

Am 16. Dezember 1919 wurde der Volksbund in Berlin gegründet, da die damalige Reichsregierung weder politisch noch wirtschaftlich in der Lage war, sich um die Gefallenen im Ausland zu kümmern. Die Sehnsucht der Hinterbliebenen war groß, zu wissen, wo und wie ihr Angehöriger bestattet wurde. Für sie sind die Kriegsgräber noch heute ein wichtiger Ort, um zu trauern und das Andenken hochzuhalten.

Mitglieder des Bundes sowie die Spender und Sponsoren tragen den größten Teil der jährlichen Kosten, damit die mittlerweile über 2,7 Millionen Gräber in 833 deutschen Kriegsgräberstätten in 46 Ländern erhalten und vor dem Vergessen bewahrt werden können. „Über 900 000 Kriegstote hat der Volksbund nach 1990 in den Ländern des ehemaligen Ostblocks geborgen und dort würdig bestattet“, erklärt Meinrad Aichner. Es sei aber noch kein Ende erreicht, denn auch für alle Toten, die nicht mehr zu finden seien, solle ein Ort geschaffen werden, an dem ihre Namen zu lesen sind. „Ihnen zum Gedenken, uns allen zur Mahnung“, betont der Ostbeverner.

In Ostbevern sei es in erster Linie Eduard Silge zu danken, dass der Gedanke des Volksbundes umgesetzt wird, wie Meinrad Aichner den Beginn der örtlichen Geschichte beschreibt. Seit 1984 habe Silge die Arbeit des Volksbundes als Ortsbeauftragter vorangetrieben und stand damals vor der großen Herausforderung, die Gemeinde für die Kriegsgräberarbeit zu aktivieren. Er fand einen kleinen Kreis aus Aktiven wie etwa den damaligen Rektor Winfried Mersch, Lehrer Heinz Eickholt, Bürgermeister Leo Kordewiner und Willi Holtkemper. „Diese Gruppe initiierte damals die erste Haus- und Straßensammlung und machte Ostbevern mobil für den Volksbund“, erinnert sich Meinrad Aichner. „Wichtig war für sie nicht nur das Finanzielle, sondern im Besonderen die friedens- und völkerverbindende Arbeit.“ Mit der Zeit gewann man Gleichgesinnte: die Reservisten der Bundeswehr, die Hauptschüler sowie Jugendliche des Kinder- und Jugendwerk. „Die intensive Jugendarbeit ist ein fester und wichtiger Bestandteil der schulischen Friedenserziehung“, meint Aichner.

Einige alte Exponate des Volksbundes hat Eduard Silge in seinem Bestand, darunter etwa Sondermarken zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung, Unterlagen sowie eine historische Sammeldose. Erinnerungsstücke, die einen hohen ideellen Stellenwert einnehmen und auf die Bemühungen für den Frieden in den vergangenen Jahrzehnten hinweisen.

Ostbeverns Alter Friedhof hat für viele Bürger einen hohen Stellenwert. Sie kommen auch aus der Umgebung, wie die Besuche der Familie Theisen aus Gütersloh zeigen. Sie nimmt seit vielen Jahren am Volkstrauertag teil, um des im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vaters zu gedenken.

„Dass dieser Ort zu einer Gedenkstätte geworden ist, ist sowohl dem Volksbund, aber ganz besonders auch den vielen Engagierten und finanziellen Förderern zu verdanken“, erklärt Meinrad Aichner im Weiteren. Die Einfassung mit der Buchenhecke, das Anlegen eines Gräberfeldes und besonders die Bereicherung durch die Erneuerung des Christus Corpus sowie der Gedächtnisstele und des Eingangstores waren Meilensteine bei der Renovierung der vergangenen etwa 20 Jahre. „Heute ist der Friedhof ein Aushängeschild Ostbeverns, in dem Gedenken, Erinnerung und Mahnung mitten im Ortskern einen würdevollen Ort gefunden haben“, freut sich Aichner. Die Entwicklung des Alten Friedhofs zur heutigen Gedenkstätte hat den Verantwortlichen in der ersten Reihe große Einsatzbereitschaft abverlangt, wurde aber von Aktiven jeden Alters mitgetragen.

Die nachfolgenden Generationen mitzunehmen auf den Weg der Mahnung für den Frieden, hat für die Aktiven des Bunde höchste Priorität.

Stattgefunden haben dafür schon mehrmals Fahrten zu Gedenkstätten im Ausland, etwa nach Ysselsteyn/Niederlande. „Das war prägend für die Kinder“, erinnert sich Eduard Silge an die deutlich bewegten Mädchen und Jungen, die die Kriegsgräber dort besuchten.

Der weitere Weg der Friedensarbeit geht nur über den Einbezug der Jüngeren, sind sich Aichner und Silge einig. „Der Volksbund will den Gedanken in die Schulen bringen“, betont Eduard Silge. Mit der damaligen Hauptschule habe man alle vier Jahre themenbezogene Ausstellungen veranstaltet, erklärt er. „Wir müssen nach vorne sehen und die Jugendlichen in der Arbeit für den Frieden mitnehmen.“

Der Volksbund sei „die größte ehrenamtliche Frieden stiftende Organisation in Europa“, so Silge. Er würde sich wünschen, dass die Bereitwilligkeit zur Mithilfe in der Bevergemeinde wächst. „Da dürfen sich auch gerne Vereine oder Organisationen beteiligen“, hofft er auf Verstärkung.

Das gelte auch für die Sammelaktionen, für die Anfang des Jahres Gruppen des Jugendcafés sowie der Reservistenkameradschaft von Haus zu Haus ziehen, um um Spenden zu bitten. „Wir freuen uns über die tolle Unterstützung der Bevölkerung“, bedanken sich Eduard Silge und Meinrad Aichner bei den Spendern.

Den Auftakt für die kommende Spendensammlung wollen die Verantwortlichen Anfang des Jahres mit einer Aktion auf dem Wochenmarkt bilden. Bei einem Imbiss wollen sie mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen, um zu informieren und zu sensibilisieren.

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