Flamour Sokoli hat sich freigeboxt
Vom Schüler zum Trainer

Ostbevern -

Flamur Sokoli war in seiner Jugend schwierig. Aber mit Hilfe des „Boxlernstalles“ hat er ein fast unglaubliche Entwicklung gemacht.

Freitag, 07.02.2020, 18:12 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 12:18 Uhr
Flamur Sokoli (linkes Bild, Mitte) als Schüler vor acht Jahren und heute als Trainer im Boxlernstall.
Flamur Sokoli (linkes Bild, Mitte) als Schüler vor acht Jahren und heute als Trainer im Boxlernstall. Foto: Anne Reinker

Wortwörtlich freigeboxt hat sich Flamur Sokoli . Der Ostbeverner, nach eigenen Worten in der Kinder- und Jugendzeit ein „wilder Kerl“, hat mit Hilfe des Boxlernstalls eine starke Entwicklung gemacht: vom Nachhilfeschüler bis hin zur rechten Hand des Trainers. Für die erlangte Unterstützung in der örtlichen Einrichtung, die Lernen und Boxen vereint, ist er mehr als dankbar. „Ich weiß nicht, was mit mir passiert wäre, wenn es den Boxlernstall nicht gegeben hätte“, sagt er.

Die Wurzeln von Flamur Sokoli reichen bis in den Kosovo, er selber wurde hier geboren. Nach der Zeit an der Franz-von-Assisi-Schule wechselte er auf den Hauptschulzweig der Josef-Annegarn-Schule. Die Zensuren waren katastrophal, wie der heute 21-Jährige zugibt. In Mathematik sei er durchschnittlich gewesen, in Deutsch und Englisch dagegen ungenügend. „Ich konnte mich einfach nicht vernünftig ausdrücken“, erinnert er sich.

Als das damals neue Projekt „Boxlernstall“ des Vereins „Startbahn“ in der Aula der Josef-Annegarn-Schule vorgestellt wurde, lernte Flamur Sokoli die Verantwortlichen der Vereinigung kennen. Einem von ihnen ist er ganz besonders dankbar: „Manfred Läkamp hat mir den Arsch gerettet“, sagt Flamur Sokoli mit einem Schmunzeln im Gesicht. „Er hat mir die Chance gegeben, mitzumachen“, freut er sich noch heute. „Es war eine Wertschätzung, dass ich das machen durfte. So etwas kriegt man ja sonst nicht geschenkt“, meint er. „Ich bin seit Tag eins hier.“

Das war 2011. „Man hat mich hier an die Hand genommen“, erklärt Sokoli. Zwei Mal die Woche, für zwei Stunden Nachhilfe und zwei Stunden Boxen, ging es für ihn dorthin. Die auch für weitere Schülerinnen und Schüler erfolgreiche Kombination machte sich bei ihm schnell bemerkbar. Seine schulischen Leistungen wurden besser, sogar so gut, dass „der Unterricht leicht wurde für mich“, sagt er und gibt zu „nicht nur dumm, sondern einfach nur faul gewesen“ zu sein.

Daran erinnert sich auch noch Manfred Läkamp. „Er war ein sehr auffälliger junger Mann“, erzählt der Startbahn-Vorsitzende. „Aber wir konnten ihn vor dem Sitzenbleiben retten.“

Flamur Sokoli bestätigt das. „Die Lehrer hier im Boxlernstall haben mir sehr viel unter die Arme gegriffen“, lobt er die Nachhilfe, allen voran damals die Lehrerin Jutta Wonnemann. Bis dahin war er ein „explosiver Kerl gewesen“, so der Ostbeveraner, „wurde ich jetzt ruhiger und ausgeglichener.“

Von da an ging es aufwärts. Als er die neunte Klasse erreicht hatte, geschah das bis dahin für ihn Unglaubliche: Er konnte in den Realschulzweig wechseln. „Heute gucke ich sogar das englische Fernsehprogramm“, erzählt er stolz von seinen sprachlichen Fähigkeiten. Drei Jahre besuchte er insgesamt den Boxlernstall und wurde nicht nur schulisch, sondern auch körperlich fit.

Nach der Mittleren Reife ging er zum Berufskolleg in Warendorf, hier erreichte er die Fachhochschulreife. Seiner Ausbildung zum Großhandelskaufmann, die er zurzeit in Münster macht, will er Weiterbildungen folgen lassen, um noch weiterzukommen.

Nach einer vierjährigen Pause, „während der mir hier immer die Tür offenstand“, geht er nun wieder regelmäßig in die Einrichtung am Lienener Damm. Doch jetzt nicht als Schüler, sondern als Trainer. Er steht Matthias Tebbe zur Seite und trainiert die Jugendlichen, die den Boxlernstall besuchen. „Ich weiß noch, wie schwer es früher für mich war, Anweisungen zu folgen“, erklärt er, warum er sich in die Schülerinnen und Schüler gut hineinversetzen kann. „Jetzt kann ich das vermitteln, was mir früher auch vermittelt wurde.“ Ein weiterer Vorteil sei für ihn, selber körperlich fit zu bleiben. „Das Know-how als Trainer habe ich“, weiß er. Bestätigt wird ihm das vom Boxtrainer Matthias Tebbe. „Er ist eine tolle Bereicherung für mich“, lobt er. „Das Niveau als Trainer hat er bereits erlangt, einer Ausbildung zum Trainer steht nichts im Weg“, meint Tebbe. „Er kann den Kindern jede Menge beibringen, weil er selbst so eine tolle persönliche Entwicklung gemacht hat.“

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