Entspannte Stimmung
Übertrieben oder angebracht?

Ostbevern -

Ruhig und besonnen geben sich die Ostbeverner in Sachen Corona-Virus. Von einer panischen Stimmung war auf dem Wochenmarkt der Gemeinde beispielsweise nichts zu spüren. Vielmehr kamen Fragen auf, ob die zahlreichen Maßnahmen die zur Zeit ergriffen werden übertrieben oder angebracht sind.

Freitag, 13.03.2020, 07:22 Uhr aktualisiert: 13.03.2020, 14:06 Uhr
Besucher des Wochenmarktes gaben sich überwiegend besonnen und gingen ihrem normalen Alltag nach – von Hamsterkäufen keine Spur.
Besucher des Wochenmarktes gaben sich überwiegend besonnen und gingen ihrem normalen Alltag nach – von Hamsterkäufen keine Spur. Foto: Anne Reinker

Abgesagte Veranstaltungen, Tipps zu hygienischen Maßnahmen und teils leere Regale in den Supermärkten: Das Corona-Virus beschäftigt die Menschen. Das geht auch an den Ostbevernern nicht vorüber. Wie verfolgen sie das Ganze? Auf dem Wochenmarkt ging WN-Mitarbeiterin Anne Reinker auf Meinungsfang.

„Insgesamt ist man vorsichtiger geworden“, sagt Heike Riggers . Besondere Aufmerksamkeit widme man etwa dem Händewaschen und der richtigen Reaktion beim Husten oder Niesen – nämlich in die Ellenbeuge. Mit Interesse verfolge sie das Thema in den Westfälischen Nachrichten , um sich zu informieren. In ihrem Geschäft, der Schneiderei Nadel & Faden, habe sie seitens der Kundschaft noch keine Änderungen der Verhaltensweisen bemerkt. Insgesamt müsse man versuchen, „irgendwie damit umzugehen“, so Riggers. Als sie von leeren Regalen in der Drogerie hörte, „dachte ich erst, das ist ein Witz“. Diese ganze Panikmache finde sie ganz schrecklich.

Veranstaltungsabsage ist richtig

Dieser Meinung ist auch Kerstin Holtmann. Dennoch: „Veranstaltungen mit einer hohen Personenzahl abzusagen, ist schon gut.“ Vor allem für die Risikogruppen befindet sie das als wichtig.

Zu solch einer gehört Uwe Stöcker , der an Morbus-Wegener erkrankt ist. Aufgrund dieser Autoimmunkrankheit müsse er „höllisch aufpassen“. Und das nicht erst seit der Gefahr durch den Corona-Virus. Eher auf Abstand zu den Mitmenschen bleiben oder besonders sorgfältig die Hände zu waschen, dass gehört für ihn schon seit langem zum Alltag. „Das mache ich sowieso immer“, erklärt Stöcker. So habe er sein Verhalten nicht sonderlich ändern müssen. Beruflich hat sich der Leiter des Jugendzentrums in Borgholzhausen mit dem Thema aber auch auseinandersetzt. „Auch wir haben Veranstaltungen absagen müssen“, erklärt der Ostbeverner.

Man schwanke in seinem Meinungsbild, ob die ganzen Maßnahmen übertrieben sind, überlegt Stöcker laut: „Ich denke, aber nicht.“ So habe er Verständnis dafür, wenn nicht nur große, sondern auch kleinere Veranstaltungen abgesagt werden. Hamsterkäufe dagegen findet er nicht notwendig, sondern geht im Ernstfall von einem gut funktionierenden Netzwerk mit Familie und Freunden aus.

Vor allem aufgrund der Kinder setze sie sich mit dem Thema sehr auseinander, sagte Wilma Haase. Viele Veranstaltungen waren in den nächsten Wochen terminiert und wurden nun abgesagt. „Das ist schon richtig“, findet die Mutter. „Da sollte man einen Cut machen.“

Einschränkungen im Miteinander

Als eine Gefahr sieht auch Margarete Niehoff-Lott das Corona-Virus, vor allem für die ältere Generation. Und sie rechnet „mit Einschränkungen im Miteinander“. Glücklicherweise gebe es über die sozialen Netzwerke viele Möglichkeiten, sich austauschen und auf dem laufenden zu sein. Hamsterkäufe? Hat sie nicht getätigt, doch bei ihrem Fünf-Personen-Haushalt habe sie schon auf einen etwas größeren Vorrat an Toilettenpapier geachtet. Gedanken, die sie sehr beschäftigen, drehen sich um die bevorstehende Urlaubsreise nach Norderney. „Die steht auf der Kippe“, bedauerte sie.

Was Margarete Niehoff-Lott ihrer Gesprächspartnerin wünscht? „Bleiben Sie gesund“, sagt sie zum Abschied. Ein Satz, den man in den nächsten Wochen wohl noch häufiger hören wird.

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