Ostbeverner Lions unterstützen Nora Ludwig und die „Global Brigades“
Corona-Virus verhindert Hilfseinsatz

Ostbevern -

In das Flüchtlingscamp „Ritsona“ sollte es am Wochenende für die Ostbevernerin Nora Ludwig gehen. Dort wollte sich die Medizinstudentin zusammen mit 21 weiteren Studenten aus Münster in einer Klinik engagieren. Doch das Corona-Virus machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Montag, 23.03.2020, 19:19 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 19:24 Uhr
In das Flüchtlingscamp „Ritsona“ sollte es am Wochenende für die Ostbevernerin Nora Ludwig gehen. Lange hatte sie gehofft, dass sie fliegen kann, dann aber hat ihr das Corona-Virus einen Strich durch de Rechnung gemacht.
In das Flüchtlingscamp „Ritsona“ sollte es am Wochenende für die Ostbevernerin Nora Ludwig gehen. Lange hatte sie gehofft, dass sie fliegen kann, dann aber hat ihr das Corona-Virus einen Strich durch de Rechnung gemacht. Foto: Global Brigades

„Ich bin so traurig“, sagt Nora Ludwig . Noch in der vergangenen Woche war die junge Frau aus Ostbevern voller Enthusiasmus und Hoffnung. Am Wochenende sollte es für sie mit der münsterschen Hochschulgruppe der „Global Brigades“ nach Griechenland gehen. Dort wollte die Medizinstudentin sich zusammen mit 21 weiteren Studenten aus Münster in der Klinik im Flüchtlingslager „Ritsona“ nördlich von Athen engagieren.

Doch daraus wird nichts, denn auch bei diesem Projekt zeigen sich die Auswirkungen der Ausbreitung des Corona-Virus. „Es ist alles abgesagt und die Organisation zieht sich komplett aus den Flüchtlingslagern zurück“, sagt Ludwig und mit jedem Satz ist ihr anzumerken, wie sehr es die junge Frau mitnimmt. „Ich hab die ganze Zeit gedacht: ‚Das wird schon klappen‘. Vielleicht war das auch ein bisschen naiv. Aber ich habe es einfach so sehr gehofft“, erzählt Ludwig.

Wie es jetzt genau weitergeht? Das weiß sie auch noch nicht so recht. „Wir wollen versuchen, die Sachspenden irgendwie ins Camp zu schicken“, hoffte die Ostbevernerin zumindest etwas tun zu können. Denn sie hat schon im Vorfeld viel Herzblut in das Projekt gesteckt. „Ich hoffe, dass ich dort viel machen kann“, sagte sie noch in der vergangenen Woche mit großer Vorfreude auf die geplante Woche im Flüchtlingscamp.

Die 30-Jährige studiert Medizin im neunten Semester an der Universität in Münster und ist Teil der dortigen „Global Brigades“. Dabei handelt es sich um eine studentische Hilfsorganisation, die 2004 in den USA gegründet wurde und die es seit 2010 auch in Deutschland gibt. Die „Global Brigades“ setzen sich dafür ein, vorrangig in Lateinamerika und Afrika die Lebenssituation der Menschen in den ländlichen Gebieten nachhaltig zu verbessern. Dabei steht unter anderem die medizinische Versorgung im Fokus. Auch in Griechenland ist die Organisation inzwischen aktiv.

Bereits im Vorfeld ihres medizinischen Einsatzes galt es für Nora Ludwig, sich für das Projekt zu engagieren. „Wir mussten pro Person 950 Euro an Spendengeldern sammeln“, sagt die Ostbevernerin. Zusammen mit den Mitstreitern ihrer Hochschulgruppe wären das rund 21 000 Euro gewesen. „Das Spendenziel haben wir allerdings mit über 23 000 Euro deutlich überschritten“, freut sich die Studentin. Unterstützung gab es auch aus Ostbevern. 1000 Euro gab es vom Lions-Club für Nora Ludwig und ihr Projekt, ebenso wie Sachspenden. Denn die werden im Flüchtlingscamp dingend benötigt.

Was die Ostbevernerin in Griechenland erwartet hätte, wusste sie im Vorfeld nicht genau. Die Zahlen der Menschen im Camp würden von Woche zu Woche schwanken. Aktuell handle es sich um circa 3000, sagt die Studentin und fügt hinzu: „Für mögliche Coronafälle im Camp gibt es bisher keinen Krisenplan.“ Und obwohl die Organisation aktuell keinen Zutritt zu den Camps hat, hofft Nora Ludwig darauf, in den nächsten Semesterferien ihren Einsatz durchführen zu können. Die medizinische Arbeit umfasse zahlreiche Bereiche bis hin zu kleinen operativen Eingriffen. Problematisch sei jedoch die Kommunikation – vor allem, wenn es vor Ort keinen Dolmetscher gebe. „Wir haben uns sogenannte ‚Medical Guides‘ bestellt“, sagt Nora Ludwig. Auf denen sind Symptome mit Bildern gezeigt, über die man sich dann verständigen könne. „An der Stelle ist für uns dann das Labor ganz wichtig“, sagt die angehende Medizinerin. Denn „das Labor spricht jede Sprache“.

Neben der medizinischen Arbeit wollte Ludwig zusammen mit einer Gruppe ihrer Mitstreiter „abends nach Feierabend“ einen Workshop anbieten. „Die Idee dazu stammt von Janine Frönd“, so die 30-jährige. Unter dem Titel „Womens health care“ wollte sie den Frauen im Camp zeigen, wie sich aus alten Stoffen Damenbinden nähen lassen. „Wir haben sogar eine Nähmaschine gespendet bekommen. Aber notfalls lassen sich die Einlagen auch mit der Hand nähen“, sagt Ludwig. Ob sie diesen Plan zu einem späteren Zeitpunkt umsetzen kann, steht noch nicht fest.

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