Geistlicher Impuls der Kirchengemeinde St. Ambrosius
Täglich neue Herausforderungen

Ostbevern -

Die Westfälischen Nachrichten möchten ihre Leser zusammen mit dem Team der Kirchengemeinde St. Ambrosius in der von der Corona-Krise bestimmten Zeit mit einem geistlichen Impuls ins Wochenende schicken. Diakon Wolfgang Rensinghoff hat einige Gedanken formuliert.

Freitag, 27.03.2020, 18:23 Uhr aktualisiert: 29.03.2020, 08:14 Uhr
Auch wenn kein Gottesdienst stattfinden, so findet dieser dennoch statt. Denn Dienst am Menschen, wie er in vielen Facetten aktuell sichtbar wird, ist Gottesdienst.
Auch wenn kein Gottesdienst stattfinden, so findet dieser dennoch statt. Denn Dienst am Menschen, wie er in vielen Facetten aktuell sichtbar wird, ist Gottesdienst. Foto: Daniela Allendorf

Wie an fast allen Stellen, so liegt auch in Ostbevern das kirchliche Leben nahezu lahm. Keine öffentlichen Gottesdienste, Gedenkfeiern oder ähnliches. Deswegen wollen die Westfälischen Nachrichten zusammen mit dem Team der Kirchengemeinde St. Ambrosius die Leser in der von der Corona-Krise bestimmten Zeit mit einem geistlichen Impuls ins Wochenende schicken und so auch ohne die öffentlichen Angebote Kirche zu den Menschen bringen. Denn auch auf diesem Wege ist „Gott dir näher als du denkst“:

„Seit fast drei Wochen bestimmt das Corona-Virus das öffentliche und private Leben in unserem Land. Die Medizin, die Politik und alle Bürgerinnen und Bürger stehen täglich vor neuen Herausforderungen.

Auch in deutschen Kirchen herrscht Ausnahmezustand. Zwar sind die meisten Gotteshäuser noch für das persönliche Gebet geöffnet, doch öffentliche Feiern finden nicht mehr statt. Gottesdienste hinter verschlossenen Türen, in denen die Priester die Anliegen ihrer Gemeindemitglieder vor Gott tragen, gibt es in vielen Gemeinden. Fernsehgottesdienste oder der Livestream im Netz ermöglichen den Menschen ein wenig Halt in einer so nie dagewesenen Zeit.

Doch vielen fehlt die Gemeinschaft, fehlt die Gemeinde – oft auch eine neue Erfahrung. Wie schmerzhaft mag sie für die Menschen am offenen Grab sein, die gerade dort die Nähe und die Gemeinschaft als Hilfe und Halt vermissen?

Ja, es stimmt, öffentliche Gottesdienste finden in den Kirchen in Ostbevern nicht statt, und doch erfahre ich in diesen Tagen und Wochen, dass sich andere Wege des Gottesdienstes auftun. Denn Gottesdienst ist in besonderer Weise auch Menschendienst. Dienst am Menschen, so wie Jesus ihn vorgelebt und uns aufgetragen hat. Im biblischen Gleichnis vom Himmelreich sagt er unmissverständlich: Sich um Menschen zu kümmern, die alt, krank, unfrei und heimatlos sind oder sich in einer Notlage befinden, ist zentrale Aufgabe der Christen. Ja, er geht so weit, dass er mit dem Satz endet: Was ihr dem Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! (Matthäusevangelium Kapitel 25, Vers 40 )

Das heißt: Dienst am Menschen ist Gottesdienst. Und so ist dieser Text vielleicht in diesem Moment das (Bibel-) Wort zum Sonntag, das mehr gelebt wird als die Sonntagsevangelien in „normalen“ Zeiten. Unzählige Menschen – auch in Ostbevern – werden kreativ, suchen und finden Wege zum Gottesdienst als Menschendienst:

Da gibt es Dinge, die öffentlich wahrgenommen werden und die wiederum andere motivieren: Einkaufshilfen für besonders Gefährdete, Nachbarschaftshilfen in vielerlei Form, das „Offene Ohr“ der Pfarrgemeinde.

Die Nutzung moderner Kommunikationsmittel schafft in Zeiten eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten neue Optionen. So etwa chatten und skypen Enkelkinder mit ihren Großeltern, um in Verbindung zu bleiben.

Da gibt es aber auch – oft unbemerkt – Eltern, die zu Lehrern und Erziehern werden, die sich täglich neu um die Alltagsgestaltung ihrer Kinder bemühen. Pflegende Angehörige, die trotz der eigenen Belastungen Rücksicht nehmen auf alte und kranke Familienangehörige.

Ich weiß, diese Liste kann nur unvollständig sein, aber vielleicht ermutigt sie die Menschen in Ostbevern, in Leserbriefen über ihre eigenen Erfahrungen von Hilfsbereitschaft und Unterstützung zu berichten.

Und dann sind da noch diejenigen, die den Laden – im wahrsten Sinne des Wortes – am Laufen halten:

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Lebensmittelhandel, die neben den Sorgen um die eigene Gesundheit und die ihrer Familien nicht immer auf geduldige Kunden treffen. Sie tun es für uns alle!

Die Beschäftigten im medizinischen Bereich, in Arztpraxen, Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegediensten. Sie gehen für die ihnen anvertrauten Menschen bis an die Grenzen ihrer eigenen Kräfte.

So erleben wir in dieser besonderen Zeit Menschen, die – bewusst oder unbewusst – dem Bibelwort des Sonntags „Was ihr dem geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ Hand und Fuß geben.

In Köln öffnen Menschen abends ihre Fenster und applaudieren für all die Menschen, die im Moment für uns alle besondere Belastungen auf sich nehmen. Sicherlich hilft ihnen ihre rheinische Mentalität dabei. Wir Westfalen tun uns mit solchen öffentlichen Bekundungen eher schwerer. Aber vielleicht könnte ein Wort für uns alle mehr in den Vordergrund rücken. Ein Wort, als Antwort auf kleine und große Taten der Nächstenliebe. Das Wort „Danke“. Machen wir es zu dem „Wort der Coronakrise“.

Bleiben Sie achtsam und gesund und vielleicht drängt sich ja in der kommenden Woche ein anderes (Bibel-) Wort der Woche für uns alle auf.“ Ihr/Euer

Wolfgang Rensinghoff, Diakon

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7346183?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F129%2F
Nachrichten-Ticker