Winterquartier in Ostbevern
Schafe auf Wanderschaft

Ostbevern -

Über 1200 Schafe sind derzeit in Ostbevern „zu Gast“.

Sonntag, 29.03.2020, 14:09 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 14:22 Uhr
900 Schafe und geschätzt 350 Lämmer sind noch bis Anfang April rund um Ostbevern und Brock unterwegs.
900 Schafe und geschätzt 350 Lämmer sind noch bis Anfang April rund um Ostbevern und Brock unterwegs. Foto: Daniela Allendorf

Seit vielen Jahren ist die Familie Thiele aus Beelen im Winter mit ihren Schafen rund um Ostbevern unterwegs. Aktuell sind die 900 erwachsenen Tiere zusammen mit geschätzt 350 Lämmern in der Nähe des Bahnhofes in Brock zu bestaunen.

Besonders eindrucksvoll ist es, wenn Schäfer Xaver Thiele vorwegmarschiert und sämtliche Schafe und Lämmer ihm folgen. Der Senior ist noch viel mit den Tieren unterwegs, obwohl inzwischen seine Söhne den Betrieb übernommen haben.

„Für das Winterfutter kommen wir mit den Schafen gerne nach Ostbevern“, sagt Christian Thiele . Der 30-jährige ist Schäfer mit Leib und Seele. „Das muss man schon von klein auf mitmachen und kennenlernen“, sagt er. Bei Null als Schäfer zu starten, das mache heutzutage niemand mehr. Nicht nur, dass man bei Wind und Wetter draußen unterwegs sei, nein, es sei auch ein sehr zeitintensiver Job. „Wenn ich meine Überstunden zählen würde, würde ich den Beruf sicher nicht ausüben“, sagt der 30-Jährige.

Dank seines Vaters kann er auf eine jahrelange gute Kooperationen mit den Landwirten der Bevergemeinde bauen. „Wir stellen den Bauern die Samen für die Zwischenfrüchte zur Verfügung“, erläutert Thiele. Dann seien die Felder auch im Winter grün, und für die Schafe gebe es so genügend Nahrung bis im April die Aussaat mit Mais oder anderen Feldfrüchten erfolge. Insgesamt stehen dem Schäfer aus Beelen im Winter so 200 Hektar Ackerflächen für seine Tiere zur Verfügung.

Jeden Tag ziehen die Vierbeiner weiter und müssen jedes Mal neu eingezäunt werden. Damit alle Tiere zusammenbleiben haben die Thieles mindestens zwei Hunde im Einsatz. Die sind allerdings nur dazu da, die Schafe in der Gruppe zusammenzuhalten. „Sie treiben die Schafe nicht. Die werden gerufen, und wir haben einige Leitschafe, die reagieren. Alle anderen folgen diesen Tieren“, erklärt Christian Thiele. Die erhielten entsprechende Kommandos und seien so gut ausgebildet, dass sie oftmals sogar ohne Zuruf die Schafe auf den richtigen Weg schicken könnten. Ohne die Hunde sei die Arbeit nicht möglich, sagt Thiele.

Im Sommer steht für die ganze Herde dann der jährliche Umzug ins Haus. Die warmen Monate bis in den Herbst hinein verbringen die Schafe nämlich in Stade auf dem Deich. „Die sind dort nötig, um das Ganze festzutreten“, sagt Christian Thiele, der im Norden ein gefragter Mann ist. Denn „immer weniger Schäfer machen das“. Doch nicht nur die Schafe ziehen um. Auch für die Familie Thiele geht es im Sommer in den Norden. „Wir haben dort eine Wohnung“, sagt der 30-Jährige. Schließlich müsse man jeden Tag nach den Schafen gucken und die Gesundheit der Tiere kontrollieren.

Was der Schäfer nicht mehr selber macht ist das Scheren. Dafür komme immer eine Kolonne Profis. „Die können das einfach besser als wir“, sagt Thiele. Und fügt hinzu: „Bei der Wolle muss man auch froh sein, wenn man sie los wird. Das ist nämlich heutzutage nur noch ein Abfallprodukt.“ Lediglich das Fleisch sei zu verwerten. Dabei seien die Lämmer im Winter eher schlachtreif. Das hänge damit zusammen, dass die Jungtiere im warmen Sommer schlechter fressen und so erst nach rund acht Monaten das passende Gewicht hätten. Im Winter sind die Lämmer mitunter nach fünf bis sechs Monaten schlachtreif.

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