Margret Dieckmann-Nardmann vom Frauenmissionswerk
Die Lebensumstände sind unvorstellbar

Sonntag, 24.05.2020, 18:27 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 18:14 Uhr
Als Präsidentin des Frauenmissionswerks (PMF) ist die Ostbevernerin Margret Dieckmann-Nardmann regelmäßig in den verschiedenen Projektländern zu Gast.
Als Präsidentin des Frauenmissionswerks (PMF) ist die Ostbevernerin Margret Dieckmann-Nardmann regelmäßig in den verschiedenen Projektländern zu Gast. Foto: Frauenmissionswerk

Maismehl, Bohnen, Reis, Seife – Corona sorgt dafür, dass es den Ärmsten der Armen erst recht an Grundlegendem fehlt. „Die Umstände, in denen unsere Projektpartner vor Ort – etwa in Ruanda – leben, ist für uns unvorstellbar“, sagt die Ostbevernerin Margret Dieckmann-Nardmann . Sie ist seit mehr als zwölf Jahren die Präsidentin des Frauenmissionswerks mit Sitz im rheinland-pfälzischen Koblenz.

„Hygiene-Standards sind nur schwer umzusetzen. Wer zu Hause bleibt, hat nichts auf dem Teller“, weiß die 61-Jährige. Immer wieder wagt sie – wie auch etwa Dr. Dorothea Sattler aus Telgte, Professorin für Ökumenische Theologie und Dogmatik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Direktorin des Ökumenischen Instituts, die zugleich Diözesanleiterin für das Frauenmissionswerk Münster ist – einen Blick über den eigenen Tellerrand hin zu denen, die hierzulande keine Stimme haben und viel zu oft vergessen werden, insbesondere in diesen besonderen Corona-Zeiten, in denen die Menschen umso mehr auf Soforthilfemaßnahmen angewiesen sind.

Die Pandemie hat die Menschen in den südlichen Ländern vollkommen überrollt.

Margret Dieckmann-Nardmann

„Natürlich ist die Pandemie auch für uns hier in Deutschland eine Herausforderung“, räumt Dieckmann-Nardmann ein: „Menschen verlieren ihre Jobs, haben Angst vor einer möglichen Infektion, bangen um ihren Lebensunterhalt.“ Dennoch sei es wichtig, findet die Theologin, auch die nicht aus den Augen zu verlieren, bei denen Corona die ohnehin schon großen Schwierigkeiten zusätzlich verschärft. „Mit unseren Projekten unterstützen wir zum Beispiel Witwen und auch die so genannten Teenagermothers – junge alleinstehende Frauen, die normalerweise Obst auf dem Markt verkaufen, was jetzt coronabedingt nicht möglich ist“, sagt die Theologin: „Die Pandemie hat die Menschen in den südlichen Ländern vollkommen überrollt, ein normaler Alltag ist vielerorts nicht (mehr) möglich. Schnell steht die Existenz ganzer Familien auf dem Spiel. Viele kommen ohne den täglichen Verkauf von Trinkwasser, Brot oder Mais nicht aus. Vielerorts setzen Frauen für ihre Kinder das eigene Leben aufs Spiel.“

Das Desaster ist um ein Vielfaches größer als andernorts.

Margret Dieckmann-Nardmann

Über langjährige persönliche Kontakte direkt zu den Menschen in den Projekten schickt das Frauenmissionswerk, dem sich auch viele Menschen im Münsteraner Raum als Mitglieder verbunden fühlen, kurzfristig und unbürokratisch Gelder zu den Betroffenen, sorgt dafür, dass Grundnahrungsmittel vor Ort verteilt werden und Menschen überleben können. „Das Desaster, das Corona in diesen Ländern anrichtet“, erklärt Margret Dieckmann-Nardmann, „ist um ein Vielfaches größer als andernorts, da die Gesundheitssysteme (noch) nicht hinreichend ausgestattet sind und die Regierung meist nicht auf der Seite der Armen steht.“

Regelmäßig bekommt die Präsidentin des Hilfswerks Rückmeldung von den Projektpartnern vor Ort: „Die Menschen sind unglaublich dankbar für jede Unterstützung“, weiß sie. Dabei denkt sie an Frauen wie Laetitia und Anita, die jetzt dank Spenden aus Deutschland Lebensmittel sowie Mund-Nasen-Masken an 40 junge Mütter verteilen konnten.

Menschen sind verängstigt

Projektpartner aus Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo, berichten von verängstigten Menschen, die nicht wissen, wie sie die Corona-Pandemie überleben sollen. „Die Leute haben schlichtweg Angst zu verhungern“, erzählt Serge, der dort lebt: „In Vierteln ohne fließend Wasser und Elektrizität, in denen Leben bislang ohnehin schon provisorisch stattfand, haben die Menschen ohne Hilfe von außen keine Chance“, berichtet er.

Umso glücklicher ist Margret Dieckmann-Nardmann, dass die Hilfe schnell dort ankommt, wo sie so dringend gebraucht wird. „Über jede einzelne Nachricht unserer Projektpartner, in der deutlich wird, dass die Soforthilfe sinnvoll eingesetzt wird, Lebensnotwendiges unter den Bedürftigen verteilt werden konnte, bin ich froh und weiß zugleich: Es muss weitergehen – Corona ist noch lange nicht überstanden, und auch über diese Ausnahmezeit hinaus dürfen wir nicht wegschauen.“

Frauenmissionswerk

 

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