Bioinspirierter „Schattenkrampf“
Aus dem „Heiligen Feuer“ entstanden

Ostbevern -

Aus der Inspiration Mutterkorn sind im Rahmen des Projekts Ostbevern bioinspirativ zahlreiche „Schattenkrämpfe“ entstanden. Die Kunstwerke sind noch bis in das kommende Jahr hinein unter anderem an der Ambrosiuskirche sowie auf der Wiese neben dem Kunstpavillon La Folie zu sehen.

Sonntag, 04.10.2020, 17:14 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 17:48 Uhr
Entstanden sind die „Schattenkrämpfe“ im Juli vergangenen Jahres auf dem Hof Verenkotte im Rahmen des Projektes Ostbevern bioinspirativ. Das Ergebnis ist jetzt zu sehen.
Entstanden sind die „Schattenkrämpfe“ im Juli vergangenen Jahres auf dem Hof Verenkotte im Rahmen des Projektes Ostbevern bioinspirativ. Das Ergebnis ist jetzt zu sehen. Foto: Gemeinde Ostbevern

Seit dem Wochenende sind auf der Wiese zwischen La Folie und dem Blauen Tor elf schwarze Schattenrisse zu sehen. Diese wurden in Gemeinschaftsarbeit zwischen Ostbeverner Bürgern, WissenschaftlerInnen und Studierenden der Uni Münster unter der Leitung von Künstlerin Martina Lückener angefertigt. Die Kunstwerke reihen sich in eine Kette ein, die schon im Mittelalter mit dem Isenheimer Altar, Hieronymus Boschs Weltgerichtstriptychon oder dem Xantener Antoniusaltar beginnt.

Was all diese Werke gemeinsam haben, ist, dass ihre Künstler Inspiration durch Mutterkorn fanden. Mutterkorn ist ein Pilz, der vor allem Roggen befällt und beim Menschen tödliche Symptome verursacht: Muskelkrämpfe, absterbende Gliedmaße und höllische Halluzinationen. Mutterkorn findet man in fast allen Roggenfeldern, aber heutzutage weiß man, dass man die schwarzen Körner, die sich zwischen den gesunden Roggenkörnern einnisten, keinesfalls zu Brot weiterverarbeiten darf. Im Mittelalter war der Zusammenhang zwischen Mutterkorn und Vergiftungserscheinungen noch unbekannt und so kam es immer wieder zu epidemieartigen Ausbrüchen, die sich die Menschen damals nur durch übernatürliche Kräfte erklären konnten. So erhielt die Krankheit den Namen Heiliges Feuer oder Antoniusfeuer.

Denn man suchte auch die Heilung im Übernatürlichen und der Heilige Antonius entwickelte sich zum Schutzheiligen der Mutterkornerkrankten. Er ist einer der beliebtesten Heiligen des Münsterlandes und ist auch in der St.-Ambrosius-Kirche in Ostbevern zu finden. Man erkennt ihn leicht an seinem Stab mit Taukreuz in der rechten Hand, dem Buch in der linken und dem Schwein zu seinen Füßen. Vorübergehend ziert nun einer der Schattenrisse auch die Kirchenwand neben der Antoniusstatue.

Entstanden sind die „Schattenkrämpfe“ im Juli vergangenen Jahres auf dem Hof Verenkotte im Rahmen des Projektes Ostbevern bioinspirativ. Nach einer Exkursion ins Roggenfeld, einigen wissenschaftlichen Erläuterungen zur Botanik, Medizin und Kunstgeschichte und vielen Gesprächen haben sich die Teilnehmenden künstlerisch mit der Thematik befasst: Vor Lichtquellen haben sie das Krankheitsbild nachgestellt und an die Scheunenwand projiziert. Dort wurden die Schatten auf Papier nachgezeichnet und schließlich aus Kunststoffplatten in ihrer jetzigen Form gefräst.

Die Ausstellung wird bis ins kommende Jahr auf der Wiese bleiben und in einen Thementag am 17. Januar 2021 in der Ambrosiuskirche münden, der zusammen mit Pfarrer Marco Klein organisiert wird.

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