Bröckerin Helgard Hansen ist sauer auf die Deutsche Bahn
Odyssee statt entspanntem Reisen

Ostbevern-Brock -

„Die Deutsche Bahn bringt sie sicher und entspannt ans Ziel“ – so zumindest das Versprechen des Unternehmens. Dass dieses mitunter nicht erfüllt wird, musste die Bröckerin Helgard Hansen am eigenen Leib erfahren. Ihre Rückreise von der Nordsee war alles andere als entspannt und entwickelte sich zu einer wahren Odyssee.

Samstag, 17.10.2020, 12:00 Uhr
Eine wahre Odyssee hat Helgard Hansen mit der Bahn hinter sich.
Eine wahre Odyssee hat Helgard Hansen mit der Bahn hinter sich. Foto: dpa

Als auf dem Bahnsteig in Münster die Lautsprecherdurchsache erklang: „Die Deutsche Bahn bringt sie sicher und entspannt ans Ziel“, da konnte die Bröckerin Helgard Hansen schon längst nicht mehr darüber lachen. „Das ist mir schon lange vorher vergangenen“, sagt die Ostbevernerin, die eine lange und vor allem chaotische Bahnfahrt hinter sich hat.

Doch nicht nur aufgrund von Verspätungen und Fehlinformationen war Hansen sichtlich genervt, sondern auch von uneinsichtigen Zeitgenossen in den Zügen und auf den Bahnsteigen, die keine Masken trugen und keinen Abstand hielten. Zudem hätten Bahnmitarbeiter trotz Hinweise ihrerseits nicht eingegriffen, sondern kapituliert. Grund genug für die Bröckerin, einen Beschwerdebrief an die Bahn und den zuständigen Zweckverband zu schreiben.

Eine lange Kette von Problemen

Doch von Anfang an: Am vergangenen Montag hatte Helgard Hansen nach einem Norderney-Besuch eine Bahnfahrt von Norddeich-Mole nach Ostbevern gebucht. Doch kaum hatte sie das Schiff verlassen, begann eine lange Kette von Problemen. „Ich erhielt einen Anruf meiner Tochter, die von Problemen auf der von mir gebuchten Strecke gehört hatte“, sagt die Bröckerin. Und wirklich: Ein Zug mit der Aufschrift „Bitte nicht einsteigen“ stand auf dem Gleis.

Hansen wandte sich an die Information. „Die Bedienstete erklärte mir, meine Züge fielen alle aus, stempelte mein Ticket und erklärte mir, ich könne jeden Zug wählen, zum Beispiel erstmal bis Bremen fahren und dann weiterschauen.“

Was ich anklage ist die mangelnde und völlig chao­tische Information sowie die Verletzung der Fürsorgepflicht gegenüber den Reisenden.

Helgard Hansen

Die Reisende stieg ein, doch kurz vor Emden kam die Durchsage, die Strecken seien wieder frei. „Ich beschloss daraufhin, in Emden auszusteigen, um in den planmäßigen IC nach Münster zu wechseln“, erzählt die Bröckerin. Doch entgegen der Ansage erklärte ein Bahnmitarbeiter wenig später, es seien gar keine Züge nach Emden gekommen, es könnten also auch keine abfahren.

Letztlich blieb Hansen im Waggon nach Bremen. Kurz vor Leer kam ein Schaffner und erklärte, sie könne dort in den RE 15 nach Münster steigen, das wäre schneller als die Strecke über Bremen. In Leer das nächste Problem: Im Infozentrum erklärte man der Reisenden, ihr Zug würde erst in 45 Minuten kommen und gab ihr zu verstehen, „es wäre besser gewesen, man hätte mich nach Bremen weiterreisen lassen“.

Fassungslos gemacht hat Helgard Hansen aber vor allem das Bild auf dem Bahnhof in Leer: Jugendliche ohne Maske, rauchend und bewusst ohne Abstand. Als sie auf dem Vorplatz einen Bahnmitarbeiter darauf ansprach, habe dieser erklärt, „die Jugendlichen würden doch nicht auf ihn hören“.

Maskenpflicht im Zug wird nicht umgesetzt

Als die Regionalbahn nach Münster kam, befand sich das gebuchte Abteil nicht an der Spitze, sondern am Ende des Zuges. „Als ich mich endlich setzen wollte, hatte sich dort eine libanesische Großfamilie breitgemacht, alle ohne Maske. „Auf meine Bitte, diese aufzusetzen, folgten die Mädchen und Frauen widerwillig und behielten sie zumindest zeitweise auf. Die beiden jungen Männer taten es nicht, einer lief sogar ohne Maske durch den Zug“, berichtet die Bröckerin.

Als der Zug in Rheine eintraf folgte das nächste Malheur. Es gab eine Durchsage, dass er ausnahmsweise hier ende und nicht nach Münster weiterfahre. Weitere 40 Minuten Wartezeit waren die Folge. „Auf dem Bahnsteig wieder ein ähnliches Bild: Junge Männer rauchend und ohne Maske“, berichtet die Reisende. Zwei Bundespolizisten seien zwar vorbeigegangen, hätten aber nichts unternommen.

Doch damit hatte die Odyssee noch kein Ende. „Endlich in Münster angekommen, musste ich nochmals 40 Minuten Verspätung der Teutobahn hinnehmen“, erzählt Helgard Hansen.

„Dass es zu technischen Störungen kommen kann, ist mir klar. Was ich aber anklage, ist die mangelnde und völlig chaotische Information sowie die Verletzung der Fürsorgepflicht gegenüber den Reisenden, die sich an Regeln halten und um die Erhaltung ihrer Gesundheit besorgt sind“, sagt die Bröckerin im Gespräch.

Eigentlich hätten ihr Mann und sie vorgehabt, sich eine Bahncard zuzulegen. „Davon werden wir nach diesen Erfahrungen aber wohl Abstand nehmen.“

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