Noch-Bürgermeister Wolfgang Annen im Gespräch
Eine gut aufgestellte Gemeinde

Ostbevern -

Der Abschied fällt Wolfgang Annen sichtlich schwer. Noch immer wirkt er nach der verlorenen Wahl deutlich geknickt. Dennoch blickt er auch mit ein wenig stolz auf das zurück, was in den vergangenen sechs Jahren in der Bevergemeinde bewegt werden konnte und sieht die Gemeinde gut gerüstet für die Zukunft.

Freitag, 23.10.2020, 06:02 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 11:23 Uhr
Ob Glasfaserausbau, Klimaschutz, Kindergärten oder der Bahnhof in Brock – die Themen, die dem scheidenden Bürgermeister Wolfgang Annen am Herzen lagen, waren vielfältig. Bei einer Übung von DRK und Feuerwehr stellte er sich gerne als „Opfer“ zur Verfügung.
Ob Glasfaserausbau, Klimaschutz, Kindergärten oder der Bahnhof in Brock – die Themen, die dem scheidenden Bürgermeister Wolfgang Annen am Herzen lagen, waren vielfältig. Bei einer Übung von DRK und Feuerwehr stellte er sich gerne als „Opfer“ zur Verfügung. Foto: Archiv

„Vieles“, sagt Wolfgang Annen mit erstickter Stimme und sichtlich bewegt auf die Frage, was ihm im Hinblick auf seine Zeit in Ostbevern künftig fehlen wird. „Lieb gewonnene Freunde“, fügt er noch an, bevor die Stimme erneut erstickt. Dass ihm der Abschied aus der Bevergemeinde richtig schwer fällt, ist dem Verwaltungsmann, der sonst immer sehr gefasst und gerade heraus ist, deutlich anzumerken. Noch immer ist der nun scheidende Bürgermeister sichtlich geknickt über das Wahlergebnis. „Ich hatte fest für die nächsten Jahre geplant“, sagt Annen. „Das Herz hängt einfach hier dran“, fügt er hinzu und wirft noch einmal einen Blick auf die vergangenen sechs Jahre.

Das Herz hängt einfach hier dran.

Wolfgang Annen

„Ich wollte die Gemeinde immer nach vorne bringen, das ist mein Job“, sagt der 51-Jährige, der in der nächsten Zeit erst einmal – so sieht es auch das nordrhein-westfälische Recht vor – seinen Ruhestand auskosten möchte. Dieses Versprechen habe er vor der Wahl 2014 gegeben und „das ist mir auch gelungen“, ist er überzeugt. Dabei sei es ihm nie darum gegangen zu sagen „das ist das Monument des Bürgermeister Annen“. Nein, viel mehr sei es ihm um die Sache gegangen und nicht um irgendwelche Eitelkeiten.

Eine Herzensangelegenheit

Eine besondere Herzensangelegenheit von Wolfgang Annen in den vergangenen Jahren war die Förderung der Region durch das Vital.NRW-Programm. 2016 war er Mitbegründer des Vereins „8Plus-VITAL.NRW im Kreis Warendorf“. Mit diesem Förderprogramm sei es gelungen, mehrere Millionen Euro in die Region zu holen, von denen auch Ostbevern profitiere. Unter anderem gab es aus dem Topf Unterstützung für den „Bewegungsparcours“ auf der Obstbaumwiese, neue Banden für den Jugendfußball, neue Holzhütten für Veranstaltungen der Ostbevern Touristik oder anderer Vereine sowie das jüngste Projekt, bei dem die Kolpingsfamilie neue Sitzbänke schafft.

Doch es habe auch nicht so leichte Aufgaben gegeben. „Ich habe ein neues Rathaus versprochen“, sagt Annen und dies schließlich auch umgesetzt. Über 20 Jahre sei das Rathaus in der Diskussion gewesen. Wäre es ihm nicht so wichtig gewesen, adäquate Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter zu schaffen, hätte es auch weiter in der Diskussion bleiben können. „Aber es war nun einmal notwendig“, sagt der scheidende Verwaltungschef. Deswegen habe er sich trotz aller Widrigkeiten dieser Herausforderung gestellt und dafür gekämpft.

Wir sind eine gut aufgestellte Gemeinde.

Wolfgang Annen

Auch der Bahnhof in Brock sei ihm immer ein Anliegen gewesen, auch wenn sich die Zusammenarbeit mit der Bahn nicht immer als ganz einfach erwies. „Die Bahn wird aber jetzt tätig“, kann Annen in seinen letzten Arbeitstagen vermelden. Auch wenn sich der Ausbau voraussichtlich noch bis 2014 hinziehen wird.

Geebnet hat Annen zuletzt noch den Weg für einen neuen Schulstandort in der Gemeinde. „Was da jetzt kommen soll oder wird, muss der neue Rat entscheiden“, sagt Annen. Überhaupt sieht er die Gemeinde auf einem sehr guten Weg. Ob das nun die Neuausstattung der Feuerwehr betrifft, den sozialen Wohnungsbau, die Sanierung der Kulturwerkstatt, der exzellente Klimaschutz, der in der Gemeinde seit Jahren forciert wird und schon zu zahlreichen Auszeichnungen geführt habe oder die Unterstützung der Vereine: „Wir sind eine gut aufgestellte Gemeinde“, ist Wolfgang Annen überzeugt.

Wenn der 51-Jährige die Gemeinde in den nächsten Wochen verlässt, möchte er erst einmal etwas Abstand gewinnen. Nachdem der Verwaltungsmann seit 1994 im politischen Geschehen an verschiedenen Stellen mitgewirkt hat, will er sich in den nächsten Wochen und Monaten in dieser Hinsicht nicht engagieren. „Ich möchte viel Sport machen und lesen“, sagt er.

Aber auch seine Kinder stünden natürlich an erster Stelle. Ob sie darüber immer so froh sein werden, ließ er mit einem Schmunzeln offen: „Ich bin ja jetzt auch mittags immer zu Hause und werde mit ihnen Hausarbeiten machen.“

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