Ratsfrau Mathilde Breuer hört auf
Brock brauchte unbedingt eine Frau

Ostbevern/Brock -

30 Jahre hat die Bröckerin Mathilde Breuer im politischen Geschehen in der Bevergemeinde mitgewirkt. Sie war Mitglied des Rates für die CDU und hatte zwei Legislaturperioden das Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin inne. Sie blickt auf spannende und lustige Erlebnisse dieser Zeit zurück und freut sich nun auf ein Leben nach der Politik.

Samstag, 24.10.2020, 06:33 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 11:20 Uhr
An ihrem Schreibtisch im heimischen Büro hat Mathilde Breuer viele Stunden verbracht und Rats- wie Ausschusssitzungen vorbereitet.
An ihrem Schreibtisch im heimischen Büro hat Mathilde Breuer viele Stunden verbracht und Rats- wie Ausschusssitzungen vorbereitet. Foto: Daniela Allendorf

„Natürlich muss man sich erst daran gewöhnen“, sagt Mathilde Breuer . Was sie damit meint: Die Zeit nach der Arbeit in der lokalen Politik. 30 Jahre war die Bröckerin für die CDU – erst als sachkundige Bürgerin, dann schnell als Ratsmitglied – aktiv. „30 Jahre – dann ist es aber auch gut“, sagt die Kommunalpolitikerin. Schließlich sei es besser, wenn die Kollegen sagen würden, es sei schade, dass man gehe, als wenn es hieße: „Die ist über.“ Außerdem habe man mit Jannik Reinker einen guten Nachfolger für Brock gefunden.

Brock lag Mathilde Breuer immer am Herzen

Brock, genau das ist es auch, was Mathilde Breuer am Herzen liegt. „Wir brauchen unbedingt eine Frau in Brock“, hieß es 1988 als sie sich bereiterklärte, in das politische Geschehen einzusteigen. „Ich wusste auch gar nicht, was da auf mich zukommt“, erinnert sie sich heute. Nachdem sie einige Jahre als sachkundige Bürgerin im Kulturausschuss mitwirkte, trat Breuer 1992 die Nachfolge von Hans-Georg Averbeck an und „rutschte so in den Umwelt- und Planungsausschuss“. „Eigentlich hat mich das vorher gar nicht interessiert“, gibt die Bröckerin unumwunden zu. Doch das Interesse wuchs, und schnell waren ihr Baupläne und alle weiteren Belange dieses Gremiums nicht mehr fremd. Überhaupt habe sie in all den Jahren Kommunalpolitik unwahrscheinlich viel gelernt, sagt Breuer. Klar habe es früher immer geheißen: „Entscheidungen werden an der Theke gefällt.“ „Das war bei uns aber nicht so“, sagt die Christdemokratin entschieden und erinnert sich an eine Sitzung, bei der es um die Stromversorgung und um Konzessionsabgaben ging. Da habe man bis weit nach Mitternacht getagt und diskutiert. „Da haben wir die Schnittchen einfach in einer Pause zwischendurch gegessen“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Klare Meinung zur Frauenquote

Eine klare Meinung hat Mathilde Breuer in Sachen Frauenquote: „Ich bin dagegen“, sagt sie. „Da werde ich gewählt, weil ich eine Frau bin – das ist doch keine Gleichberechtigung“, ist die Bröckerin überzeugt. Was sie aber in all den Jahren Lokalpolitik festgestellt habe, ist, dass bei Frauen Politik einfach oftmals nicht das Thema sei. „Vielfach ist das Interesse einfach nicht da.“ Dennoch hält sie Frauen in der Politik für wichtig: „Manche Punkte sieht man als Frau einfach anders“, sagt sie und möchte Frauen animieren, sich zu beteiligen.

Besonders engagiert hat sich Mathilde Breuer immer führ „ihren“ Ortsteil. „Ostbevern hat nun einmal einen Ortsteil und Brock hat eine Stimme verdient“, sagt die seit Jahrzehnten überzeugte Bröckerin, die gebürtig aus Münster kommt. Das bedeute allerdings nicht, dass sie sich für Brock irgendwelche Sonderrechte wünsche, aber man solle Brock auch nicht stiefmütterlich behandeln. Seit dem ersten Entwurf zum Dorfentwicklungskonzept ist sie mit Feuereifer für Brock dabei. Sie erinnert sich: „Von den Plänen zum Speicher und zum Dorfplatz waren viele überhaupt nicht begeistert.“ Es sei mitunter sogar so gewesen, dass ihr Mann mit ihr nirgendwo mehr habe hingehen wollen, weil aus irgendeiner Ecke immer ein Contra kam. „Wir wussten ja auch nicht, dass es mit dem Speicher so ein Erfolg wird“, sagt sie heute dazu und freut sich, dass der Erfolg den Initiatoren an dieser Stelle recht gegeben hat.

Von den Plänen zum Speicher und zum Dorfplatz waren viele überhaupt nicht begeistert.

Mathilde Breuer

Gerne erinnert sie sich auch an ihre Zeit als stellvertretende Bürgermeisterin. In der Legislaturperiode von Joachim Schindler hatte sie den „zweiten Posten“ inne, in der Amtszeit von Wolfgang Annen tauschte sie die Positionen mit Karin Läkamp und wurde erste stellvertretende Bürgermeisterin. „Ich habe selber viele Jahre meine Schwiegereltern gepflegt“, sagt sie. Deswegen sei das Verständnis für pflegende Angehörige ein anderes und sie hätte gerne auch bei erkrankten älteren Menschen die Geburtstagsbesuch übernommen. Auch bei Vereinsversammlungen sei sie immer gerne Gast gewesen. „Auch da lernt man einfach unglaublich viel“, freut sich Breuer über die zahlreichen Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke, die sie im Laufe der Zeit gewinnen konnte. Lachen muss sie, als sie an ein Schützenfest der Ambrosiusschützen zurückdenkt. „Da durfte ich den ersten Schuss machen.“ Danach habe sie sich noch ein wenig in die Nesseln gesetzt und die „falsche“ Bezeichnung „alte Könige“ gewählt. „Das hat mich was gekostet“, lacht Breuer, aber das sei überhaupt nicht schlimm gewesen, sondern ein richtig toller Nachmittag.

Was für sie nach der Politik kommt? „Wenn man sich beschäftigen will, dann findet man auch noch etwas neben Haus und Hof.“

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