Ruanda benötigt weiterhin Hilfe
25 000 Euro gehen nach Afrika

Ostbevern -

„Der Hunger ist schlimmer als Corona“, sagt Adrienne Mukamitali aus Ruanda. Sie steht in regelmäßigem Austausch mit den Mitgliedern der Partnerschaft Nyundo-Ostbevern und berichtet über die Corona-Situation in dem afrikanischen Land. 25 000 Euro hat die St. Ambrosius-Gemeinde jetzt zur Unterstützung geschickt.

Donnerstag, 05.11.2020, 06:10 Uhr
Adrienne Mukamitali ist hier mit einer Mutter und ihren Kindern zu sehen.
Adrienne Mukamitali ist hier mit einer Mutter und ihren Kindern zu sehen. Foto: privat

Nachdem die Kirchengemeinde St. Ambrosius bereits im Mai und Juli finanzielle Soforthilfen überweisen konnte ( WN berichteten), wurde jetzt noch ein Betrag von 25 000 Euro zur Unterstützung der Ärmsten der Armen in den Bergen von Ruanda zum Kauf von Lebensmitteln und Hygieneartikeln zur Verfügung gestellt, teilt Ewald Brünen, einer der Aktiven der Partnerschaft zwischen der ruandischen Diözese Nyundo und der hiesigen Kirchengemeinde St. Ambrosius mit.

In einem Telefonat mit Adrienne Mukamitali schilderte sie die derzeitige Situation in dem afrikanischen Land.

Schulen und Kindergärten bleiben in Ruanda bis auf Weiteres geschlossen. Wahrscheinlich werden sie erst nach Weihnachten wieder geöffnet, wenn das neue Schuljahr im Januar beginnt. Das bedeutet für die Schülerinnen und Schüler, dass ihnen das tägliche Schulessen seit Beginn der Pandemie fehlt. Für die meisten Kinder, die aus ärmlichen Verhältnissen stammen und die die „public schools“ besuchen, fällt somit die einzige warme Mahlzeit am Tag seit Beginn der Pandemie weg.

Deshalb unterstützt Adrienne zurzeit die Familien in den Bergen und dabei in erster Linie die alleinerziehenden Frauen und deren Kinder ausschließlich mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Für die Familien, die aufgrund der schwierigen Situation nur wenig Einkommen durch Gemüse- und Früchteverkauf auf den Märkten haben und somit unter anderem auch ihre Krankenversicherung nicht bezahlen können, finanziert sie diese mit einem Jahresbeitrag, der aktuell bei etwa sechs Euro pro Familie liegt.

Ihre langjährigen Projekte wie der Bau von Häusern für Witwen oder die Vermittlung von Mikrokrediten an Bedürftige zum Ankauf von Saatgut, Pflanzen, Ziegen und Hühnern ist zurzeit in den Hintergrund getreten, da ein Großteil der armen Bevölkerung einfach nur hungert. Und „der Hunger ist schlimmer als Corona“, sagt Adrienne Mukamitali.

Aktuell sind in Ruanda laut Johns-Hopkins-Universität 35 Personen durch Corona verstorben. 5162 Personen haben sich bisher infiziert. 4930 davon sind genesen. 197 sind aktuell erkrankt.

Von daher glaubt der Förderkreis der Kirchengemeinde, dass es richtig ist, zurzeit alles zu tun, was dem Hunger und möglichen Krankheiten abhilft, schreibt Ewald Brünen weiter.

Adrienne Mukamitali berichtet, dass auch die Universitäten zuletzt noch geschlossen waren. Sie sollten aber zeitnah wieder öffnen, da ein Online-Unterricht wie hierzulande für die wenigsten Studenten möglich sei. In öffentlichen Gebäuden und Plätzen herrsche Maskenpflicht. In Krankenhäusern und Gesundheitszentren sind Besucher ungern gesehen, lediglich ein bis zwei Personen der engsten Familie sind erlaubt.

Manche Kirchen bieten wieder Gottesdienste an, doch einige sind weiterhin geschlossen. Die Kirchen, die wieder geöffnet haben, müssen auf zwei Meter Abstand zwischen den Sitzplätzen achten, was für ruandische Verhältnisse sicherlich schwierig ist, da am Sonntag normalerweise oft weit über 1000 Teilnehmer in den Kirchen sind.

Es gibt auch weiterhin eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr, und der öffentliche Verkehr, Busse und Taxis, dürfen nicht von Kigali in die Provinzen fahren. Private Fahrten mit dem eigenen Fahrzeug sind aber erlaubt. Diese Regelungen sollen aber alsbald gelockert werden, heißt es weiter.

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