Situation in den Kindergärten im Lockdown
„Die Eltern ziehen gut mit“

Ostbevern -

Schwammige Aussagen der Politik. Keine geregelten Zuständigkeiten. „Das ist alles sehr schwierig im Moment“, sagt Petra Ohlbrock, Leiterin der Kita Zauberburg. Die Eltern seien verunsichert, unter welchen Bedingungen sie die Kita nutzen können. Als Einrichtung sitze man da zwischen den Stühlen. Trotzdem mach Ohlbrock deutlich, dass es die Entscheidung der Eltern ist, ob ein Kind in die Kita geht, oder nicht.

Mittwoch, 13.01.2021, 06:58 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 14:05 Uhr
Die Ostbeverner Kindertageseinrichtungen freuen sich, dass die Eltern so gut mitziehen und viele ihre Kinder zu Hause betreuen und nicht in die Kindergärten bringen.
Die Ostbeverner Kindertageseinrichtungen freuen sich, dass die Eltern so gut mitziehen und viele ihre Kinder zu Hause betreuen und nicht in die Kindergärten bringen. Foto: colourbox

Seit Montag ist die wöchentliche Betreuungszeit für Kinder in Kindertagesstätten um zehn Stunden reduziert – aber sie bleiben im Gegensatz zu den Schulen geöffnet. Vom Grundsatz sollen die Steppkes nach Möglichkeit zu Hause betreut werden. Wer dennoch Bedarf hat, darf die Kleinen in die Kita schicken. Doch wann haben Eltern einen triftigen Grund, die Kinder loszuschicken, wann müssen sie selber die Betreuung übernehmen?

„Es ist unglaublich schwierig zur Zeit“, sagt Petra Ohlbrock von der Kita Zauberburg. Die Formulierungen der Politik seien so schwammig, dass die Eltern vielfach verunsichert seien. „Ob die Kinder kommen oder zu Hause bleiben, liegt einzig und allein im Ermessen der Eltern“, sagt Ohlbrock. Das gestalte sich nicht in allen Fällen immer ganz einfach, musste sich Ohlbrock schon mit allerlei Fragen dieser Art auseinandersetzen. Aber dennoch sagt sie: „Die Eltern machen das gut.“

Da stimmen ihr auch die Kolleginnen aus anderen Einrichtungen zu. „Bei uns klappt das sehr gut“, lobt auch Henrietta Harmann vom Kindergarten St. Josef. Gerade einmal neun von 70 Kindern sind am Dienstag in ihrer Einrichtung zugegen. Ebenso gering ist der Anteil der Kinder in der Outlaw-Kita an der Bahnhofstraße. Mal seien es nur 15 Kinder, dann könnten es aber auch mal 25 oder 30 sein, berichtet Leiterin Maria Jäger. Ebenso wie in den anderen Einrichtungen versuche man, den Eltern möglichst flexible Angebote zu machen. „Wenn die Eltern ihre Kinder bringen möchten, dann können sie das tun, und ich frage auch nicht nach“, sagt Jäger.

Auch Petra Ohlbrock handhabt das so. „Ich habe den Eindruck, dass die Politik solche Entscheidungen auf die Kita-Leitungen abwälzen will“, sagt sie und diese Entscheidung könne und wolle sie einfach nicht treffen. Dabei sei es ganz bemerkenswert, wie viele Familien ihre Kinder zu Hause betreuen würden. „Auch wenn wir die Kleinen natürlich gerne sehen würden“, sagt Maria Jäger. Gerade und besonders, wenn es um Kindeswohlgefährdungen gehe. Aber auch an dieser Stelle sei man mit der Sozialarbeiterin der Einrichtung gut aufgestellt und mit den Eltern im Kontakt.

Wie sich die Betreuungssituation in den kommenden drei Wochen bis zum Monatsende oder vielleicht noch darüber hinaus entwickeln werde, könne man jedoch jetzt noch nicht abschätzen. Da waren sich die Einrichtungsleitungen sicher. Für Petra Ohlbrock ist jedoch klar: „Wenn am Ende doch wieder alle Kinder in die Einrichtung kommen, dann werde ich das beim Jugendamt entsprechend rückmelden.“ Denn genau das kollidiere mit den Vorgaben, soziale Kontakte zu verringern. „Wir sitzen da auch einfach zwischen den Stühlen“, so Ohlbrock. Denn je mehr Kinder in die Einrichtung kämen, desto höher sei auch das Infektionsrisiko. „Da sind wir froh und dankbar, dass die Eltern so gut mitziehen“, sagt Henrietta Harmann. Denn gerade bei der Arbeit fühle man sich oftmals zwangsläufig sehr ungeschützt.

Um das Risiko zu minimieren, tragen im Kindergarten St. Josef alle Erzieher eine Maske – im Frühjahr dank einer Elternspende sogar FFP2-Masken. Jetzt habe man zwar auch Masken vom Land zur Verfügung gestellt bekommen, aber sie sei sich nicht sicher, ob es sich tatsächlich um FFP2-Masken handle, da keine Kennzeichnung vorhanden sei. „Das muss ich noch einmal überprüfen.“

In der Zauberburg waren bis gestern noch keine Masken angekommen. „Auch eine Info gab es dazu bisher nicht“, so die Leiterin. Trotzdem tragen auch in der Zauberburg die Erzieher Masken, zumindest, wenn sie die Gruppen verlassen. „Bei der Arbeit mit den Kindern verzichten wir darauf“, sagt Ohlbrock. Gleiches gilt auch für die Kita Outlaw an der Bahnhofstraße. Dort wurden die Mitarbeiter bereits im November von der AWO als Träger mit FFP2-Masken ausgestattet.

Darüber hinaus achtet man in allen Einrichtungen darauf, auch im Kindergarten Kontakte möglichst zu minimieren. Die Kinder werden an unterschiedlichen Eingängen von den Eltern abgegeben und bleiben anschließend in ihren Gruppen. „Wir achten darauf, alles zu desinfizieren und waschen mit den Kindern regelmäßig die Hände. Bei ganz engen Kontakten, wie zu Beispiel beim Wickeln oder Basteln am Tisch, würden zum Teil sogar die Kinder in der Einrichtung Masken tragen, heißt es aus dem Kindergarten St. Josef. „Aber nur, wenn wie Kinder das auch möchten“, sagt Henrietta Harmann. Ansonsten versuche man, möglichst viel zu lüften und an die frische Luft zu gehen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7764348?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F129%2F
Nachrichten-Ticker