Weitere Heidefläche in der Bauerschaft Schirl geplant
Der Ausgleich muss her

Ostbevern -

Wird es in der Bauerschaft Schirl eine weitere Heidefläche geben? Zumindest die Verwaltung würde das befürworten. Denn mit einer solchen Fläche könnten die meisten „Ökopunkte“ erwirtschaftet werden. In der Politik ist man sich indes noch nicht einig, ob das die richtige Lösung ist.

Donnerstag, 28.01.2021, 06:22 Uhr aktualisiert: 28.01.2021, 06:30 Uhr
In der Nachbarschaft der Schirlheide soll auf dem Gebiet „Blanke Wasser“ eine weitere Heidefläche entstehen.
In der Nachbarschaft der Schirlheide soll auf dem Gebiet „Blanke Wasser“ eine weitere Heidefläche entstehen. Foto: Sebastian Rohling

„Es ist ein gewisses Dilemma“, sagt Bürgermeister Karl Piochowiak . Denn für bereits verbrauchte Flächen, wie beispielsweise das Baugebiet Kohkamp III, müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden. Dafür werden dann sogenannte „Ökopunkte“ vergeben. Das Konto der „Ökopunkte“ ist in der Bevergemeinde aber nicht mehr so gut gefüllt, um diese Maßnahme ausgleichen zu können. Das bedeutet, weitere Ausgleichsflächen müssen her, um eben diese Punkte nicht teuer einkaufen zu müssen. Das wiederum wirft Probleme bei der angespannten Haushaltslage auf.

Bereits Anfang Dezember beschäftigte sich die Politik mit der Ausgleichsfläche „Blanke Wasser“ in der Bauerschaft Schirl. Den Planungen der Gemeinde zufolge, ist dort das Konzept der Heidelandschaft unter ökonomischen Gesichtspunkte die zu favorisierende Planung. Denn die Anzahl der „Ökopunkte“, die man damit erreichen könne, sei so am größten. Außerdem seien die Kosten sowie der Flächenverbrauch pro „Ökopunkt“ am geringsten, erläutert Hans-Heinrich Witt .

Ist ein Mischwald eine Alternative?

Zu den Ideen, an dieser Stelle einen Mischwald anzupflanzen, sagte der Fachbereichsleiter: „Die Maßnahme ist gar nicht mal günstiger.“ So liegen nach ersten vorsichtigen Berechnungen die Kosten bei der Errichtung einer Heidelandschaft bei 13,71 Euro pro „Ökopunkt und einer Gesamtsumme von rund 728 000 Euro. Dem gegenüber steht der Mischwald mit 21,63 Euro pro Punkt und 776 000 Euro Gesamtkosten. Die teuersten „Ökopunkte“ sind bei der Anlage einer Ackerbrache zu verzeichnen. 24,70 Euro würde die Gemeinde bei dieser Maßnahme ein Punkt kosten, und das obwohl die Gesamtsumme der Ackerbrache bei rund 548 000 Euro liegt. Das wiederum erklärt sich durch eine niedrigere Bewertung über das sogenannte Warendorfer Modell. Danach bemessen sich die Eingriffsregelungen nach dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Baugesetzbuch. Der Kreis Warendorf kalkuliert danach im Kreisgebiet mit durchschnittlichen Herstellungskosten von rund 18 Euro pro „Ökopunkt“.

Wir schätzen den Pflegeaufwand wesentlich geringer ein, als noch in anderen Projekten.

Hans-Heinrich Witt

Kritikpunkte aus den Reihen des Umwelt- und Planungsausschusses, unter anderem, dass die Fläche in den nächsten Jahrzehnten zu unterhalten sei, wollte Hans-Heinrich Witt nicht so recht gelten lassen. Bei der Anlage der Schirler Heide sei viel mit Versuch und Irrtum gearbeitet worden. „Es ist auch viel falsch gemacht worden“, räumt er an der Stelle ein. Aber man habe daraus gelernt und „wir schätzen den Pflegeaufwand wesentlich geringer ein, als noch bei anderen Projekten“, so Witt. Weiterer Pluspunkt für die Gemeinde zur Schaffung einer Heidefläche ist die nur 500 Meter Luftlinie entfernte Schirlheide. Denn je dichter solche Biotope zusammen liegen, umso größer ist der biologische Austausch, so dass sich unterschiedliche Arten möglichst bald selbstständig einfinden können.

Flächen für den Bürgerwald sind Mangelware

Trotz aller Pluspunkte für die Anlage einer Heidefläche, war es Philipp von Beverfoerde daran gelegen, noch einmal auf die Vorteile des Waldes einzugehen. Auch er sah das vom Bürgermeister angesprochene Dilemma. „Wir haben zwei Notstände. Einmal im Haushalt und dann den Klimanotstand.“ Bei den Maßnahmen gegen den Klimawandel solle die Gemeinde eine Vorreiterrolle übernehmen und mehr Bäume pflanzen – beispielsweise über das schon angestoßene Projekt des Bürgerwaldes. Denn für diesen sei es mit der Zeit immer schwieriger Flächen zu finden.

„Ostbevern ist die waldreichste Gemeinde im Kreis Warendorf“, reagierte Witt auf den Vorstoß. Wald sei selbstverständlich etwas Tolles, so Witt weiter. Aber es gelte an dieser Stelle, nun einmal möglichst viele Punkte durch eine Fläche zu erwirtschaften. „Es geht einfach um einen Ausgleich für einen Eingriff, den wir schon gemacht haben“, so Witt.

Da es sich bei den Zahlen, die die Verwaltung bisher vorlegen konnte, lediglich um Schätzungen handelte, entschieden sich die Mitglieder im Umwelt- und Planungsausschuss dazu, einen detaillierten Kostenplan, der verbindlich die Maßnahmen Mischwald und Heidefläche gegenüberstellt, einzufordern.

Osterwald

Um das Jahr 1850 waren noch rund 80 Prozent des heute als Osterwald bekannten Gebietes von Heide be-deckt. Nun ist diese Landschaft nicht natürlich, sondern durch menschlichen Einfluss entstanden. Dennoch haben sich Tier- und Pflanzenarten, die an diese spezielle Landschaft angepasst sind, dort entwickelt und verbreitet.

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