Hobbykünstler Johannes Siemann verarbeitete Holz der alten Ostbeverner Mühle
Außergewöhnlich und einzigartig

Ostbevern -

Vom Knauf am Garagentor über die Toilettenbrille samt Deckel bis hin zu ganz außergewöhnlichen Türen, Vitrinen, Wandverzierungen, kompletten Schrankwänden und viele Stücke mehr entstanden aus dem alten Mühlenholz im Hobbykeller von Johannes Siemann. Dabei wusste der Ostbeverner zu Beginn gar nichts mit dem alten Holz anzufangen.

Samstag, 30.01.2021, 06:06 Uhr aktualisiert: 30.01.2021, 06:11 Uhr
Eine solche Küchentür ist einmalig.
Eine solche Küchentür ist einmalig. Foto: Anne Reinker

Dass hinter der Haustür von Nummer zwölf an der Bahnhofstraße ein ganz außergewöhnlicher Hobbykünstler lebt, wird schon von draußen sichtbar: Ein Paradiesvogel am Garagentor, der metallene Eingang mit Glasintarsien und das auffallende Schild mit der Hausnummer sind schon einige Hinweise dafür, dass auch im Inneren des Gebäudes keine 08/15-Einrichtung zu erwarten ist. Etliche Jahre hat sich Johannes Siemann mit viel handwerklichem Geschick vorrangig dem Material Holz – aber auch dem Metall – gewidmet. Das besondere dabei: Die Werkstoffe des gesamten selbstgebauten Interieurs kommen aus der Bevergemeinde.

Holz aus der alten Mühle

Aus dem Abbruchholz der alten Mühle in der Dorfbauerschaft ( WN berichteten) sowie der alten Kirche von St. Ambrosius fertigte der Organist mit großer Liebe zum Detail und immensem Können unzählige Exponate für sein Eigenheim und das seiner Frau Helene.

Nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern als Passion und Leidenschaft kann man die Arbeiten von Johannes Siemann bezeichnen. So mancher Kunsttischler dürfte ob so großem Talent des heute 85-Jährigen große Augen machen. Siemann selbst gibt sich dabei ganz bescheiden: „Das war eigentlich immer nur mein Hobby“, sagt er zu seiner langjährigen Arbeit im Werkraum seines Kellers. Und so entstand seine Begeisterung für das Kunsthandwerk.

Zwei große Anhänger mit Abbruchholz von der alten Mühle in der Dorfbauerschaft habe ich bekommen.

Johannes Siemann

„Zwei große Anhänger mit Abbruchholz von der alten Mühle in der Dorfbauerschaft habe ich bekommen“, erzählt der Ostbeverner. „Früher wollte keiner so etwas haben, heute muss man so etwas teuer bezahlen.“ Etwa 25 Jahre alt sei er gewesen und wusste damals noch gar nicht, was er mit der Menge Holz machen sollte. „Vielleicht zum Verbrennen im Kamin“, so sein Ansinnen früher.

Eine Hälfte bekam er zu sich nach Hause, der andere Teil ging direkt in das Sägewerk Termühlen. Dessen Arbeit war nicht einfach, denn in den Hölzern steckten jede Menge Nägel. „Für jeden hatte ich fünf Mark zu bezahlen“, erinnert sich der Senior. Denn gelangte ein Nagel in die Säge, musste sie jedes Mal wieder geschliffen werden. Letztendlich hat sich das gelohnt, denn das Holz schmückt nun – nach aufwendiger Bearbeitung – unter anderem als Sichtbalken die Räumlichkeiten. „Meine Millionen kann man sehen“, kommentiert der Rentner mit einem Schmunzeln die zahlreichen zierenden Hammerschläge am Gebälk.

Den Mittelstamm der alten Mühle funktionierte Siemann als Basis für die Wendeltreppe um. Unterstützung in seinem Schaffen bekam er von seiner Frau Helene beim Aufstellen der fertigen Teile und den bunten Verzierungen.

Mit den Augen gestohlen

Als erstes Mobiliar entschied er sich, einen großen Esstisch für die Familie zu bauen. Das war der Auftakt für die kommenden Arbeiten, die sich durch das ganze Haus ziehen. Schon mit dem zweiten Teil zeigte sich der begabte Autodidakt detailverliebt. Den Korb für die Frühstückseier ziert ein großes buntes Huhn und wird von Küken getragen, ein Küchenregal für Kochbücher und Untersetzer kamen dazu. Wahrlich Schmuckstücke, die auf außergewöhnlich viel Kreativität schließen lassen.

Woher Siemann, der gemeinsam mit seiner Frau sechs Kinder, 13 Enkel und einen Urenkel hat, seine Ideen bezog? Das kann der rüstige Rentner gar nicht so genau sagen. „Ich habe manchmal mit den Augen gestohlen“, sagt er. „Das darf man ja.“ Und hat dann seine eigenen Ideen miteingebracht und weiterentwickelt. Zudem, vermutet Siemann, ein künstlerisches Gen von seinem Großvater geerbt zu haben. Dieser sei ebenfalls recht kreativ gewesen. Ein großer Kellerraum wurde irgendwann zur Werkstatt, in der er von da an viel Zeit verbrachte.

Ein Selbstporträt von mir.

Johannes Siemann

Unzählige Stunden müssen es gewesen sein: Vom Knauf am Garagentor über die Toilettenbrille samt Deckel bis hin zu ganz außergewöhnlichen Türen, Vitrinen, Wandverzierungen, kompletten Schrankwänden und vielen Stücken mehr entstanden aus dem alten Mühlenholz in der Zeit bis zur Jahrtausendwende im Hobbykeller. Alles neben seiner Tätigkeit als Organist der Kirchengemeinde St. Ambrosius und Dirigent des Cäcilienchors. Die Werke dokumentierte Siemann in mehreren Fotoalben.

Seinen Beruf brachte Johannes Siemann mit einem Augenzwinkern hier und da in seine Holzarbeiten ein. Einen Balken, der sich über etwa sechs Meter entlang einer Anrichte bis hin zum Türeingang zieht, verzierte er mit zahlreichen Figuren. Darunter auch er selbst als Dirigent sowie als Esel an der Orgel. „Ein Selbstporträt von mir“, sagt er mit einem Lachen.

Ebenfalls ein Kuriosum ist der Toilettendeckel, dessen Deckel eine zweiköpfige Schlange ziert. „Darauf wollen die Kinder immer gerne sitzen“, erzählt Johannes Siemann.

Altes Metall aus der Ambrosiuskirche

Nicht nur mit Holz, auch mit Metall arbeitete der kreative Kopf. Auch dieses zum größten Teil aus einem örtlichen Gebäude, der Ambrosiuskirche. Alten defekten Glockenklöppeln und Beschlägen aus der damals abgerissenen großen Kirche verschaffte er eine neue Wirkung und Funktion, auch im Garten. Und auch die Haustür ist aus Metall, für die Johannes Siemann alle Kupfernägel selber machte.

Bis auf eine Ausnahme arbeitete der Kreative immer nur für das Eigenheim. Für die Klosterkirche in Marienfeld, in der sein Bruder als Pastor tätig war, erschuf er einmal eine Verzierung für die Chororgel.

Vor gut 20 Jahren legte Johannes Siemann das große Handwerk nieder und fasst Hammer, Hobel und Säge seitdem nur noch für kleinere Arbeiten an. Stolz auf das Geschaffte darf er aber immer noch sein, sind seine Werke doch außergewöhnlich und einzigartig.

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