Gastronomie- und Hotelbranche leidet
Fördergelder fließen langsam

Ostbevern -

Gastronomie- und Hotellerie sind von der Corona-Pandemie stark betroffen. Um die Auswirkungen der Schließungen abzufedern, wurde ein großes Hilfspaket geschnürt. Die heimischen Gastwirte berichten jedoch unterschiedlich, denn die Hilfe kommt nur mit Verzögerung an.

Montag, 01.02.2021, 06:12 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 06:21 Uhr
Hübsch eingedeckte Tische im Restaurant Kaseinwerk – Gäste dürfen hier aber aktuell noch nicht wieder bewirtet werden.
Hübsch eingedeckte Tische im Restaurant Kaseinwerk – Gäste dürfen hier aber aktuell noch nicht wieder bewirtet werden. Foto: Kai Pohlkamp

Die Gastronomie- und Hotelbranche ist in besonderer Weise von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Die Schließungsbeschlüsse der Bundesregierung stellen das Gastgewerbe vor enorme Belastungen. Die neue Coronaschutzverordnung gilt zunächst bis zum 14. Februar. Bis zu diesem Zeitpunkt bleiben Gaststätten und Hotels geschlossen. Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gastronomie und Hotellerie abzufedern, wurde von der Bundesregierung ein großes Hilfspaket geschnürt. Dazu gehören neben der Starthilfe im März auch drei Überbrückungshilfen des Bundes. „Die Beantragung werde einfacher, die Förderung großzügiger“, verkünden Politiker. Doch vor Ort herrscht ein anderes Bild. Die heimischen Gastwirte und Hoteliers berichten unterschiedlich, denn die finanzielle Hilfe kommt nur mit Verzögerung an.

Gastwirt Michael Mersbäumer hat von den zugesagten Fördermitteln erst einen Teilbetrag erhalten. „Dabei sind Einnahmen für die nachhaltige Existenz des Unternehmens so überlebenswichtig“, mahnt Michael Mersbäumer die finanziellen Hilfen an. Er kritisiert auch die Vorgehensweise der Regierung, den Gastronomie- und Hotelbereich so schlecht zu behandeln. „Wir haben keine Lobby und fühlen uns als Buhmänner der Nation,“ zeigt sich Mersbäumer enttäuscht. „Wir haben alles getan, um die Hygiene- und Abstandsregeln umzusetzen.“

In den Worten von Michael Mersbäumer klingt allerdings auch Zuversicht mit. Die Zeit der Stilllegung nutzt die Familie, um den Gaststätten- und Hotelbereich sowie die Küche zu erneuern. Bei den handwerklichen Arbeiten packen auch die Angestellten mit an. Michael Mersbäumer ist glücklich, keinen Mitarbeiter entlassen zu haben. „Mit der Kurzarbeit konnten wir unser Projekt umso leichter umsetzen. Wenn die Krise Ostern überstanden sein sollte, haben wir wieder eine Perspektive.“ Für das zweite Halbjahr ist das Haus Mersbäumer bereits gut gebucht. „Wir warten jetzt nur noch auf ein Signal und auf ein Zeichen zum Neuanfang.“

Andrea Bergenroth, Inhaberin des Hotel Restaurant Alte Post, konnte die Novemberhilfe erst im Januar beantragen. Eine Abschlagszahlung habe sie inzwischen erhalten. Bedauerlich sei, dass nicht eindeutig kommuniziert werde, ob oder wann Hilfsgelder zurückgezahlt werden müssen oder ob es noch mehr Unterstützungsgelder geben werde. Die im Hotel-Restaurant festangestellten Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit. „Wir haben zwischen den beiden Lockdowns gut gearbeitet und konnten uns ein kleines finanzielles Polster aufbauen, so dass wir uns zur Zeit einigermaßen über die Runden retten.“

Erfreut zeigt sich Bergenroth über die vielen Solidaritätsbekundungen. Sie sei sehr glücklich und dankbar darüber, dass der kontaktlose Essensverkauf auch jetzt im zweiten Lockdown so gut laufe. Vereinzelt erhält sie Anfragen und Termine. „Da noch keiner genau weiß, wie und ob es weitergeht, bleibt unser Kalender doch noch sehr leer. Ich hoffe, wir können noch vor Ostern wieder starten.“

Marcel Kock , Inhaber der Gaststätte Marjestics, bezeichnet den zweiten Lockdown als eine harte und ungewisse Zeit. Fördergelder hat er beantragt und auch staatliche Hilfen erhalten. „Gerade in Zeiten des Lockdowns wäre ein Überleben des Betriebes mit den weiterhin monatlich laufenden Kosten sonst nicht möglich.“ Insgesamt zeigt sich Kock mit der Förderung sehr zufrieden. Er ist froh, dass es in Deutschland solche Hilfen gibt. Während die Gaststätte geschlossen bleibt, ist Marcel Kock mit seinem Imbisswagen an mehreren Tagen in der Woche unterwegs.

Ralf Dieckmann ist Inhaber des Restaurants Anno 1905. Er kritisiert vor allem die zähe Informations- und Auszahlungspolitik der angekündigten Finanzhilfen.

Schnell wurden im vergangenen Frühjahr die Zahlungen der Soforthilfe überwiesen. „Die Abrechnungsgrundlagen und der Abrechnungszeitraum für die Überbrückungshilfen sind jedoch nicht klar definiert. Niemand weiß, ob oder wenn doch, was er zurückzahlen muss“, beklagt Dieckmann. Er befürchtet, dass das große Erwachen in der Gastronomie komme, wenn jeder erfahre, was er von den erhaltenen Zuschüssen wieder zurückzahlen muss.

Positiv bewertet er die Zusage des Bundes, die von den Corona-Schließungen erfassten Betriebe im November und auch Dezember mit bis zu 75 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes aus den Vergleichsmonaten 2019 zu fördern. Doch Geld sei bislang nicht geflossen.

Johannes Kampherm, Geschäftsführer des Beverland-Resort, ist mit der finanziellen Unterstützung des Landes zufrieden: „Obwohl diese uns nur das Überleben sichern.“ Die Jahre 2020 und wahrscheinlich auch noch 2021 seien verlustbringend. „Wir reden in unserem Fall von etwa 80 Prozent Umsatzeinbruch allein in 2020.“ Allerdings zeigt sich Johannes Kampherm auch optimistisch: „Hätten wir nicht vorher nachhaltig gewirtschaftet und einige Rücklagen aufgebaut, die für eine andere Investition gedacht waren, dann wären wir jetzt bereits an einer existenzbedrohenden Grenze angekommen.“

Als erschwerend bezeichnet er, dass der Beantragungsprozess für die Hilfsprogramme sehr bürokratisch sowie zeit- und kostenintensiv sei. „Aufgrund ständiger Änderung der Rahmenbedingungen für die Hilfsprogramme, müssen wir genau aufpassen, dass wir stets richtig handeln und alle wichtigen Informationen auf dem Schirm haben.“ Alle nicht überlebensnotwendigen Arbeiten wurden eingestellt und die betreffenden Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit.

Das Beverland-Gruppen-Resort kann derzeit nur Übernachtungen für Geschäftsreisende anbieten. Einige Handwerker arbeiten durch, um die Immobilie zu pflegen und weiterzuentwickeln – für die Zeit nach der Krise.

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