Bürgermeister Karl Piochowiak ist 100 Tage im Amt
Viel mehr als nur der Grußonkel

Ostbevern -

100 Tage ist Bürgermeister Karl Piochowiak nun im Amt. Jetzt zieht er ein erstes Fazit.

Dienstag, 09.02.2021, 06:23 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 06:30 Uhr
Seit genau 100 Tagen ist Karl Piochowiak
Seit genau 100 Tagen ist Karl Piochowiak Foto: Daniela Allendorf

„Etwas Anspannung war dabei“, sagt Bürgermeister Karl Piochowiak über sein Gefühl vor dem ersten Arbeitstag im Rathaus. Aber die sei schnell verflogen, denn als er am 2. November vergangenen Jahres morgens um 8 Uhr das Rathaus betreten habe, hätten ihn nur lächelnde und strahlende Gesichter begrüßt. „Ich bin von der ersten Minute an sehr gut aufgenommen worden“, freut er sich auch jetzt noch, denn eine Kommunalbehörde habe ihren ganz eigenen Charakter. Und auch wenn er viele Mitarbeiter bereits privat gekannt habe, so sei das im Dienstalltag doch noch einmal etwas ganz anderes.

Inzwischen hat er 100 Tage im Amt hinter sich. Voll des Lobes ist er für „seine“ Verwaltung aber nach wie vor. Das habe sich von der ersten Minute an gezeigt. An seinem ersten Tag habe er gerade einmal eine halbe Stunde gehabt, um sich auf die Telefonkonferenz der Bürgermeister im Kreis Warendorf mit dem Landrat vorzubereiten. Es ging um die neue Corona-Schutzverordnung. „Die Kollegen aus dem Ordnungsamt hatten das Wochenende dafür durchgearbeitet und haben mich innerhalb von einer halben Stunde auf Stand gebracht“, sagt Piochowiak. „Das war einfach super vorbereitet.“

Und das habe sich in den folgenden Tagen durchgezogen. Denn direkt mit dem Start stand für den Ostbeverner nicht nur das Krisenmanagement in Sachen Corona auf dem Programm, auch die Ereignisse im Rahmen des Baus der Kita „Biberbande“ überschlugen sich in diesen Tagen. „Da mussten einfach ganz viele Fragen in wenigen Tagen beantwortet werden“, resümiert der Bürgermeister. Daneben galt es, die konstituierende Ratssitzung vorzubereiten. „Die ersten vier Tage waren einfach nicht entspannt – für niemanden“, sagt er. Trotzdem lautet sein erstes Fazit: „Ich fühlte mich super getragen.“ Und auch wenn Behörden vielleicht manchmal den Ruf hätten, etwas behäbig zu sein, so hätte sich in dieser Zeit gezeigt, wie das tolle Team im Rathaus schnell und ungeplant sehr gut reagieren kann. „Das sind Momente, in denen sich Behörden beweisen“, fügt er hinzu.

Auch in der Folgezeit seien ihm immer wieder Dinge erklärt worden, die er so noch nicht habe wissen können. „Manchmal sei dann auch gesagt worden: ‚Wir brauchen jetzt eine Entscheidung vom Bürgermeister‘“, erzählt Karl Piochowiak. Aber auch da sei er nie allein gelassen worden. Deswegen gehe er jeden Morgen froh gelaunt ins Rathaus.

Was ihm gefehlt hat in den ersten 100 Tagen im Amt? „Alles das, was in persönlichen Kontakten sonst passiert“, sagt er. Natürlich sei das meiste auch online möglich, aber das sei eben nicht dasselbe. „Das ist wirklich das, was fehlt“, wiederholt er. Denn durch Online-Zusammenkünfte entstehe nicht die gleiche Vernetzung, als wenn man zusammen an einem Tisch sitzen würde.

Für sich persönlich hat Karl Piochowiak klare Vorstellungen: „Ich versuche, mich nicht zu verbiegen, nur, weil ich das Bürgermeisteramt habe. Ich bin so wie ich bin“, sagt er. Damit einher geht seine Vorstellung, wie man leitet. Das könne sich natürlich von anderen unterscheiden. Deswegen müsse er jetzt schauen, inwieweit die Menschen da mitgehen können. Das könne sich auch nicht binnen der ersten 100 Tage zeigen, das brauche schon ein Jahr.

Auch auf die Zusammenarbeit mit der Politik war Piochowiak gespannt. „Es waren ja quasi zwei Lager.“ An der Stelle würde schnell von Gewinnern und Verlierern gesprochen. „Aber das ist nicht meine Art“, sagt er. Trotzdem sei es gefühlt eine Gemengelage gewesen. „Was erwarten die Unterstützer von mir? Wie ist die Sichtweise der Partei, die ihren Kandidaten nicht durchbringen konnte? Fragen die sich vielleicht: ‚Was kann man mit dem anfangen‘“, berichtet Piochowiak über eine gewisse Anspannung. Bestätigt hat sich die auch in diesem Fall nicht. Es gab keinen Druck, und inzwischen – wegen Corona mussten einige Treffen mehrfach verschoben – haben Treffen zum gegenseitigen Kennenlernen stattgefunden. Erst kürzlich habe er zum wiederholten Mal aus den Reihen der Politik den Satz „Wir lassen Sie erst einmal reinkommen“ gehört. Das täte überaus gut, so entspannt und offen empfangen zu werden.

Insgesamt fühlt er sich in der Mitte eines „magischen Dreiecks“ – zwischen Verwaltung, Bürger und Politik. „Da hält man sich einfach in verschiedenen Bereichen auf. Das ist meine Welt“, sagt Karl Piochowiak und fügt hinzu: „Ich möchte nicht nur der Grußonkel sein.“

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