Zwei Männer aus Lienen verurteilt
Cannabis-Pflanzen am Paradiesweg

Lienen/Ostbevern -

Über einen Zufallsfund kam die Polizei zwei Männern auf die Schliche. In Lienen bauten die beiden ebenso Marihuana an, wie in Ostbevern.

Mittwoch, 24.02.2021, 18:10 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 14:59 Uhr
An zwei Standorten in Lienen und Ostbevern hatten die Angeklagten ihre Cannabispflanzen angebaut.
An zwei Standorten in Lienen und Ostbevern hatten die Angeklagten ihre Cannabispflanzen angebaut. Foto: Oliver Berg

Ein Zufallsfund brachte die Polizei auf die Spur zweier Männer aus Lienen, die am Mittwoch vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Ibbenbüren für den Besitz und Anbau von Cannabis in nicht geringem Umfang angeklagt waren.

Da staunten die Beamten nicht schlecht, als sie Anfang September 2019 zu einem Zufallsfund in den Paradiesweg in Lienen gerufen wurden. Gut, aber eben nicht gut genug versteckt, konnten sie dort in einem Waldstück 25 Töpfe mit Marihuana-Pflanzen sicherstellen. Die Pflanzen wiesen eine Höhe von bis zu einem Meter auf. Das Trockengewicht lag knapp über 900 Gramm , der THC-Gehalt bei 4,3 Gramm. Damit handelte es sich bei dem Fund um eine nach dem Gesetz „nicht geringe Menge“. Paragraf 29a des Betäubungsmittelgesetzes sieht dafür eigentlich eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr vor.

Im Zuge der weiteren polizeilichen Ermittlungen machten die Beamten zwei Männer, 52 und 31 Jahre alt, als tatverdächtig aus. Eine Hausdurchsuchung förderte weitere Erkenntnisse zu Tage. Die Liste der Asservate liest sich wie die Einkaufsliste eines Gartencenters. Dort ist von Blumenerde, Dünger, Aussaatschalen, Saatgut und diversen Gartenwerkzeugen die Rede. Sogar ein Brutkasten und Pflanzenschutzmittel wurden bei der Durchsuchung sichergestellt.

Die Auswertung der Handys der beiden Männer führte die Polizei zu einer weiteren Plantage in der Nähe von Ostbevern. Die beiden „Gärtner“ hatten sich per Chatverlauf nicht nur darüber verständigt, wer wann gießt und düngt, sie posteten sich auch stolz Fotos über die Entwicklung ihrer „Schützlinge“. Auch fand sich auf den Handys eine detaillierte Wegbeschreibung, die die Polizei sicher zu der Anpflanzung mit 14 Töpfen in Ostbevern führte.

Gleich zu Beginn der Verhandlung legten die Angeklagten vollumfängliche Geständnisse ab. Durch ihre Verteidiger ließen sie allerdings erklären, keine weiteren Angaben zur Sache machen zu wollen. Aufgrund der Geständnisse und der erdrückenden Beweislast konnte die Beweisaufnahme schnell geschlossen werden.

Die Staatsanwältin blieb trotz der nicht geringen Menge an Drogen in ihrem Plädoyer mit acht Monaten unter der Grenze von einem Jahr, da sie von einem minderschweren Fall ausging. Die Verteidiger versuchten für ihre Mandanten eine Gefängnisstrafe zu verhindern, indem sie die beiden als unbescholtene Ersttäter darstellten, die lediglich dilettantisch versucht hätten, für den Eigenkonsum Cannabis anzubauen.

Dem mochte das Schöffengericht nicht folgen und verurteilte die Lienener zu Gefängnisstrafen von je acht Monaten auf Bewährung. Der Vorsitzende Richter hob in seiner Urteilsbegründung das planvolle und akribische Handeln der Männer hervor: „Man kann schon von erheblicher krimineller Energie sprechen. Da reicht eine Geldstrafe nicht mehr aus, um auf die Angeklagten einzuwirken.“ Die Drogenanbauer müssen zudem 120 Sozialstunden leisten und tragen die Kosten des Verfahrens. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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