Bezirksregierung lehnt Vierzügigkeit an der JAS ab
Dreizügigkeit nicht akzeptieren

Ostbevern -

82 Schüler werden im kommenden Schuljahr die fünften Klassen der Josef-Annegarn-Schule besuchen – in drei Parallelklassen. Eine Vierzügigkeit wurde von der Bezirksregierung jüngst abgelehnt. Und das, obwohl insgesamt sieben Schüler mit Förderbedarf darunter sind. Das wollen weder Politik noch Verwaltung so hinnehmen.

Dienstag, 04.05.2021, 05:04 Uhr aktualisiert: 04.05.2021, 05:10 Uhr
Verwaltung, Schule und Politik wollen gemeinsam für eine Vierzügigkeit an der JAS kämpfen.
Verwaltung, Schule und Politik wollen gemeinsam für eine Vierzügigkeit an der JAS kämpfen. Foto: Daniela Allendorf

Die Entrüstung war durch alle Fraktionen in der Sitzung des Bildungs-, Generationen- und Sozialausschusses (BGSA) deutlich zu spüren. Und auch die Verwaltung ist mit der Entscheidung der Bezirksregierung alles andere als glücklich.

Bereits in der Sitzung des Rates im Dezember hatte man sich einstimmig dafür ausgesprochen, dass an der Josef-Annegarn-Schule grundsätzlich eine Dauerhafte Vierzügigkeit bei den Eingangsklassen eingerichtet werden solle. Das wurde jüngst von der Bezirksregierung abgelehnt. Ebenso abgelehnt wurde die Einrichtung von vier Eingangsklassen – durch eine sogenannte Überhangklasse – im kommenden Schuljahr. Damit würden sich bei den bislang erfolgten 82 Anmeldungen Klassenstärken von 27 beziehungsweise 28 Schülern ergeben.

Ein Umstand, den die Mitglieder BGSA schon für sich nicht tolerieren wollten. Erschwerend kommt hinzu, dass sieben der angemeldeten Schüler eine sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Neben vier Kindern mit dem Förderschwerpunkt Lernen wird die JAS einen Schüler mit dem Förderschwerpunkt „Hören und Kommunikation“, einen Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (Down-Syndrom) und erstmalig auch ein blindes Kind mit dem Förderschwerpunkt „Sehen“ aufnehmen.

„Nach Ansicht der Verwaltung sollten alle Anstrengungen zu einer pädagogisch notwendigen zusätzlichen Klassenbildung unternommen werden“, hieß es in der Sitzungsvorlage. Schwierig scheint jedoch die Umsetzung. „Verwaltungsseitig hätten wir nur die Möglichkeit zu klagen“, sagte Hubertus Stegemann. Und Andreas Behnen unterstrich: „Es ist formal völlig korrekt drei Eingangsklassen zu bilden. Aber das ist ein Stück weit schon sehr, sehr konsequentes Verwaltungshandeln, und ich bin fassungslos, dass es nicht möglich ist, vier Klassen zu bilden.“

Akzeptanz für die Entscheidung der Bezirksregierung suchte man in der Ausschusssitzung nicht nur bei der Schulleitung vergebens. Auch Bürgermeister Karl Piochowiak war überaus unglücklich: Man müsse der Bezirksregierung gegenüber unbequem werden, lautete sein Vorschlag. „Da sind Kinder dabei, die brauchen kleine Klassen“, sagte Ulrich Lunkebein (Grüne), der neben einer weiteren Ratsentscheidung und entschlossenem Verwaltungshandeln anregte, die Eltern mit ins Boot zu holen. Ein Vorschlag, den Ausschussmitglied Thomas Große Stetzkamp direkt aufnahm. Er ist Elternvertreter an der JAS und versprach, sich darum zu kümmern und die betroffenen Eltern mit Hilfe der Schule zu kontaktieren.

„Politisch gibt es da auch von uns die volle Unterstützung“, sagte Wolfgang Weglage (CDU). In Ostbevern werde seit Jahrzehnten Inklusion vorbildlich gelebt, deswegen solle es in dieser Angelegenheit eine Resolution des Rates geben, so sein Vorschlag. Und der hat gleich Eingang in die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung, die am 11. Mai stattfinden wird, gefunden.

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