Sassenberg
Dubiose Schreiben unterwegs

Mittwoch, 22.12.2010, 00:12 Uhr

Sassenberg - In diesen Tagen ist bei einigen Sassenberger Selbstständigen Post ins Haus geflattert. Ein Schreiben von der Gewerbeauskunft-Zentrale, das auf den ersten Blick aussieht, wie ein offizielles Schreiben. Und es trägt im Untertitel die irreführende Bezeichnung „Erfassung gewerblicher Einträge“. Doch dieser offizielle Eindruck trügt gewaltig, denn wer den Bogen leichtfertig ausfüllt und zurückschickt, hat plötzlich einen Vertrag unterschrieben. „Ich warne ganz dringend vor diesem Schreiben. Es sieht aus, als käme es vom Finanzamt“, sagt Elly Piepmeyer . Die Sassenbergerin ist selbstständige Buchhalterin. „Es sind auch schon einige Sassenberger darauf hereingefallen.“ Wer das Kleingedruckte liest, findet unter der Überschrift Leistungsübersicht/Eintragungsdarstellung ganz nebenbei den Hinweis, dass ein „Marketingbeitrag“ von monatlich 39,85 Euro zuzüglich Umsatzsteuer zu entrichten ist. Die Summe ist dazu auch noch jährlich im Voraus zu entrichten, und der Vertrag hat eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren. „Man bekommt sofort eine Rechnung und auch ganz schnell eine Mahnung“, weiß Elly Piepmeyer. Dabei ist die gebotene Leistung - ein Eintrag in ein Internetportal - absolut überschaubar. Das Unternehmen „Gewerbeauskunft-Zentrale“ ist deutschlandweit aktiv und damit auch in den Fokus des Deutschen Schutzverbandes gegen Wirtschaftskriminalität (DWS) gerückt. „Wir haben das Unternehmen bereits abgemahnt, aber ohne Erfolg. Es läuft nun ein Verfahren vor dem Landgericht in Düsseldorf , aber es gibt noch kein Urteil“, teilt Peter Solf , Mitglied der Geschäftsführung der DWS mit. „Die sind schon eine ganze Weile aktiv, und das in einem Maße, wie wir es lange nicht festgestellt haben. Die Quantität ist in dieser Form neu“, ergänzt Solf. Auch der Verbraucherschutzzentrale in Ahlen ist das Unternehmen bekannt. „Solche Briefe tauchen immer wieder auf. Die Preisangaben sind sehr klein gedruckt. Die Gefahr, dass es im Alltag übersehen wird, ist groß“, weiß Gisela Daniels von der Verbraucherzentrale . Es würden speziell kleinere Betriebe mit wenig Erfahrung angeschrieben. „Aber wir können keine Auskünfte geben, da wir nur Privatleute beraten. Aber wir warnen davor. Man sollte alles genau lesen.“ Gisela Daniels macht dabei noch auf eine Besonderheit aufmerksam. Denn im Gegensatz zu Privatleuten hätten Gewerbetreibende in der Regel kein Widerspruchsrecht. „Außerdem stellt sich wirklich die Frage , in welchem Verhältnis hier die Leistung zum Beitrag steht.“ Manfred Nienhaus, Prokurist bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (gfw) im Kreis Warendorf, kennt ähnlich gelagerte Fälle zur Genüge. „In regelmäßigen Abständen kommen solche dubiosen Schreiben. Es gibt Leute, die verwechseln das mit einer statistischen Erfassung, aber das sind reine Privatunternehmen.“ Manfred Nienhaus sind in den letzten fünf Jahren sechs oder sieben solcher Unternehmen aufgefallen. Er empfiehlt, grundsätzlich zu recherchieren, welche Leistung angeboten wird. „Selbst in großen Unternehmen kommt das vor. Das Schreiben läuft dann über irgendwelche Schreibtische und wird weggeschickt.“ Wer ein solches Schreiben erhält, der sollte es ignorieren, oder „damit zur Polizei gehen und Strafanzeige stellen“, sagt Peter Solf. Aber was ist, wenn der Selbstständige bereits unterschrieben hat? „Wer sich hier getäuscht fühlt, sollte den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten und abwarten, ob er wirklich verklagt wird“, empfiehlt Peter Solf. Denn es sei schließlich zu überprüfen, ob der Betroffene überhaupt erkennen kann, dass er einen Vertrag abschließt, und ob zu erkennen ist, mit welchen Kosten das Ganze verbunden ist. Sollte es Sassenberger geben, die bereits zu den Opfern der Gewerbeauskunft-Zentrale gehören und gegen die ein Verfahren anhängig ist, wäre Peter Solf daran interessiert, über diese Vorgänge informiert zu werden.

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