Sassenberg
Zeitreise in Heinis traurige Kindheit

Montag, 31.01.2011, 06:01 Uhr

Sassenberg - Auf eine kleine Zeitreise begaben sich am Freitagabend die Gäste einer Autorenlesung im Kaminzimmer des Hotels Börding. Eingeladen hatten der Kulturverein sowie die Katholische Öffentliche Bücherei. Hierfür konnten die Verantwortlichen Heinrich von der Haar gewinnen, der Passagen aus seinem Roman „Mein Himmel brennt“ vorlas. Von der Haar nahm die Zuhörer hierbei mit in das Münsterland der 1950er Jahre.

Geschildert wird hierbei die Kindheit eines Jungen namens Heini, der auf einem kleinen Bauernhof aufwächst. Ort des Geschehens ist das fiktive Dorf Steinhop. Heinis Kindheit ist besonders von der harten Erziehung durch seinen Vater geprägt. In den Zeiten der Währungsreform und des wirtschaftlichen Aufschwungs der jungen Bundesrepublik kämpfen die Kleinbauern um ihre Existenzgrundlage, so auch seine Eltern. In dieser schwierigen Zeit kurz nach den Schrecken der NS-Diktatur kann Heini nicht einfach Kind sein. Früh macht der Junge die Erfahrung, dass Ungehorsam schnell in der körperlichen Züchtigung durch den eigenen Vater endet. Mit dem Besuch der Schule beginnt die nächste schwierige Phase im Leben des Kindes. Von gleichaltrigen Mitschülern wird er gehänselt, da er in seinen Holzschuhen und des Hochdeutschen nicht mächtig, sonderbar erscheint. Die Existenzängste seines Vaters vor Augen, möchte Heini mutiger auftreten. Doch sein neuer Lehrer Mauser vertritt genau jene fragwürdigen Werte, wie er sie bereits von seinem Vater kennt. Wegen nicht gemachter Hausaufgaben und einiger frecher Aussagen des Viertklässlers bezieht Heini heftige Prügel von seinem Vater. Diese ständigen Prügelorgien verändern den kleinen Jungen, der bis zu diesem Zeitpunkt stets auf Ablehnung und Unverständnis stößt.

Auf die Hilfe seiner Mutter kann er hierbei nicht zählen. Diese ist mit der Situation überfordert und ordnet sich dem Familienoberhaupt völlig unter. Zum Hass auf seinen Vater tragen neben der Prügel auch Aussagen wie „Hätt´s Mama bei der Geburt doch in´n Graben gehalten“ bei.

Von zentraler Bedeutung sind im Leben Heinis eigentlich nur zwei Begriffe. Der Spruch „ora et labora“, bete und arbeite, wird zur Standartanweisung. Wenige Jahre nach dem Holocaust und dem Weltkrieg geben sich die Erwachsenen betont gläubig und korrekt. Seine kindliche Neugier ist jedoch in Zeiten des Verdrängens nicht gefragt. Zur sehr lieblosen Erziehung und den brutalen Erfahrungen in der Schule passt auch eine der größten Ängste Heinis. Die kinderreiche Familie ist sehr arm, so dass Heini stets damit rechnet, an seine Tante weggeben zu werden.

Irgendwann möchte der Protagonist jedoch raus aus dieser Welt. Die scheinheilige Frömmigkeit, der triste Alltag und die perspektivlose Zukunft hindern ihn nicht daran, eine kleine Hoffnung auf ein besseres Leben in sich zu bewahren. Seine Entscheidung, im Alter von 15 Jahren das dörfliche Steinhop zu verlassen.

Die Schilderungen des traurigen Alltags eines Jungen im Münsterland der 50er und 60er spiegelt die Kindheit vieler Deutscher dieser Zeit wider. Während viele Deutsche die Zeit des Wirtschaftswunders genießen konnten und der Wohlstand beständig anstieg, steht Heini für die Schattenseiten dieser Zeit. Von der Haar schildert in seinem Roman sämtliche Facetten dieser Zeit des Wandels- vom Verdrängen der Vergangenheit, über patriarchale Strukturen, Zukunftsängste und beleuchtet hierbei in gewisser Weise auch das Selbstverständnis vieler Menschen dieser Zeit.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/257658?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F130%2F703094%2F703229%2F
Weniger Staus als im Vorjahr
Der Verkehr staut sich.
Nachrichten-Ticker