Senioren erinnern sich an ihre Kartoffelferien
Für jeden Korb gab‘s Kirmesgeld

Sassenberg -

Herbstzeit ist Erntezeit, aber auch Zeit für die Ferien. Während sich die heutigen Schüler über 14 freie Tage freuen, war das in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ganz anders. Denn die Herbstferien hießen früher „Kartoffelferien“, und das hatte einen Grund. „Es ging auf den Acker. Wir haben mit den Händen gesucht und Kartoffeln ausgebuddelt“, erinnert sich Maria Vormann.

Samstag, 26.10.2013, 10:10 Uhr

In einer munteren Runde im Altenzentrum fällt den Senioren so einiges zur damaligen Zeit ein. „Ich war mit 15 Jahren auf dem Feld. Im Notfall waren die Kinder aber zwischen zehn und zwölf Jahre alt“, berichtet Elisabeth Hüwe . „Das war auch schon während des Krieges so, da sind wir auch schon auf die Felder gegangen“, sagt Bernhard Quabbendieker, der einzige Mann in der Seniorenrunde.

Gute Kartoffelernten waren während des Krieges und in der Nachkriegszeit für die Familien überlebensnotwendig, deshalb war es wichtig, die kostbaren Knollen rechtzeitig aus dem Boden zu holen. Da viele Männer im Krieg waren oder dort auch gefallen waren, mussten die Kinder bei der Ernte ordentlich anpacken. „Wir haben das nicht als Arbeit empfunden. Es war auch nicht anstrengend“, versichert Rita Jordan und erhält Bestätigung von Elisabeth Hüwe: „Das Roggen binden war schlimmer.“

Zumal es auch sehr schöne Momente bei der Kartoffelernte gab. Denn nach getaner Arbeit loderten weithin sichtbare große Kartoffelfeuer. „Wir haben die Kartoffel auf einen Stock gesetzt und im Feuer gebraten. Es hatte immer jemand Salz dabei, das war sehr lecker“, schwärmt Maria Vormann . „Wir haben ja auch zwischendurch Pausen gemacht und Brote gegessen. Hände waschen konnten wir ja nicht, aber Sand reinigt ja den Magen“, schmunzelt Maria Vormann.

Wenn die Körbe voll waren, wurden sie von einem kräftigen Mann abgeholt. „Die Körbe waren für uns zu schwer, die konnten wir nicht tragen“, sagt Rita Jordan. Aber pro Korb gab es bei einigen Senioren damals auch eine Extra-Belohnung. „Wir haben Kirmesgeld bekommen. Das waren zehn Pfennig pro Korb“, erinnert sich Maria Vormann. Bei Bernhard Quabbendieker war die Währung noch eine andere. „Bei uns gab es für jeden Nachmittag auf dem Feld sechs Reichsmark“, sagt der Rentner. Eine Umrechnung fällt da heute schwer.

Während heute Maschinen die Erdäpfel automatisch aus dem Boden holen, gab es damals neben den Händen nur ein einziges Hilfsmittel. „Ich habe die Kartoffeln mit einer Forke aus dem Boden geholt“, sagt Elisabeth Böckenholt.

Schlechtes Wetter war übrigens kein Grund, um nicht aufs Feld zu gehen. Egal, ob die Sonne brannte, oder Herbststürme übers Land zogen, die Kartoffeln mussten geerntet werden. „Dann gab es ein paar Handschuhe und wir mussten ran. Wir hatten ja nur 14 Tage, um die Kartoffeln zu       ernten“, sagt Elisabeth Böckenholt. Bis in die 60er Jahre wurden so per Hand die Erdäpfel eingesammelt, erst dann hielten langsam Kartoffelroder Einzug, die von Pferdegespannen gezogen wurden.

Aber die Ernte mit der Hand hatte auch ihre Vorteile. „Besonders schön Kartoffeln, zum Beispiel in Herzchenform , haben wir uns aufbewahrt“, berichtet Rita Jordan. Übrigens mussten die damaligen Kinder auch schon viel früher ran, um die gefährlichen Kartoffelkäfer abzusammeln. Die fraßen nämlich mit Vorliebe das frische Grün der Kartoffeln auf.

Die Senioren blicken jedenfalls gerne auf die Zeit zurück. „Wir waren ja bei vielen Dingen im Einsatz, aber geschadet hat es uns nicht“, versichert Elisabeth Hüwe. Für die heutigen Schüler kaum vorstellbar. Sie können noch eine Woche ihre Ferien genießen.

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