Vortrag zu Josef Picker
Auf den Spuren einer Künstlerseele

Füchtorf -

Mit einem Vortrag beendete der Heimatverein Füchtorf jetzt den Aktionsreigen rund um die Josef-Picker-Ausstellung. Professor Gerhard Lohmeier nahm die Zuhörer mit auf eine Reise zu den Ursprüngen des in Twillingen geborenen Künstlers und schilderte dessen Werdegang.

Freitag, 15.08.2014, 06:08 Uhr

Groß war das Interesse der Füchtorfer an dem Vortrag über den in Twillingen geborenen Bildhauer Josef Picker.
Groß war das Interesse der Füchtorfer an dem Vortrag über den in Twillingen geborenen Bildhauer Josef Picker. Foto: Irmler

Nach intensiven Vorbereitungen eröffnete der Heimatverein am vergangenen Sonntag die Josef- Picker-Ausstellung im Heimathaus (die WN berichteten). Am Dienstagabend luden die Initiatoren zu einem begleitenden Vortrag in den Saal der Gaststätte Artkamp-Möllers ein. Es referierte Prof. Gerhard Lohmeier , der zuvor großen Anteil an der Realisierung der Ausstellung hatte.

„Ich habe bereits gesagt, dass Prof. Lohmeier ein großer Glücksfall für diese Ausstellung sei, und ich bleibe dabei: Herzlichen Dank für Ihren Einsatz!“, begrüßte ihn der Vorsitzende des Heimatvereins Gregor Krützkamp. Die Replik Prof. Lohmeiers ließ nicht lange auf sich warten: „ Josef Picker war ein Bildhauer aus der Region für die Region. Ich möchte mich bedanken, dass ich an dieser Ausstellung mitwirken durfte.“

Es folgte ein rund einstündiger Vortrag über das Leben, Wirken und die Bedeutung Josef Pickers für Füchtorf und die Region. Zum Auftakt nahm der Professor seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise: „Wir schreiben das Jahr 1909. Josef Picker ist eines von elf Kindern, die Familie lebt auf einem kleinen Bauernhof, und sein Lehrer in der Dorfschule rät ihm, eine Ausbildung zum Bildhauer zu machen. Das stelle man sich einmal vor. Er war der erste im gesamten Dorf, der diesen Beruf erlernen sollte!“

Nur durch die finanzielle Unterstützung eines Bruders konnte Picker seiner Passion nachgehen. Kurz nach dem Abschluss seiner Ausbildung brach der Erste Weltkrieg aus, auch Picker wurde eingezogen und erlitt eine Gasvergiftung. „An dieser Stelle trat ein Wendepunkt in seinem Leben ein“, ist sich Prof. Lohmeier sicher. Laut Pickers Nichte habe dieser ein Gelübde abgelegt: Sollte er den Krieg überleben, werde er sich der Schaffung religiöser Werke widmen.

In der jungen Weimarer Republik stand nur wenigen Menschen der Sinn nach Kunst. Zu präsent waren die Auswirkungen des Krieges. Im Juni 1925 nahm Picker an der vom Gesellenverein ausgerichteten Romfahrt teil. „Ich glaube, er hat in Rom eine ganz besondere Prägung bekommen“, so Prof. Lohmeier. Zurück in Westfalen fertigte Picker ein Hofkreuz für das kleine elterliche Gehöft an. „Picker schuf Glaubenszeugnisse. Keine andere Gemeinde in der Umgebung hat eine so große Dichte an Hof- und Wegkreuzen wie Füchtorf“, ordnete Prof. Lohmeier das Schaffen Pickers ein.

Von großer Bedeutung sei hierbei das von ihm angefertigte Friedhofskreuz gewesen. „Er wollte – auch aus seinen Kriegserfahrungen heraus – ein Zeichen für den lebenden Christus König setzen.“ Nachdem 1952 ein Sturm jenes Kreuz umriss, wurde es bis ins Jahr 1977 auf dem Kirchboden gelagert, ehe es in Familienbesitz überging. Ein Umstand, der Picker sehr getroffen haben dürfte, mutmaßt Prof. Lohmeier. „Es muss alles Menschenmögliche getan werden, dass dieses Kreuz nicht wieder auf einem Dachboden landet, sondern einen würdigen Platz findet“, forderte Prof. Lohmeier und erntete hierfür spontanen Beifall.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte Prof. Franz Guntermann den in Twillingen geborenen Picker, 1948 erfolgte die Bescheinigung seiner künstlerischen Reife. War Picker zuvor als handwerklicher Bildhauer in Erscheinung getreten, machte diese zweite Ausbildung aus ihm einen künstlerischen Bildhauer. Das Vinnenberger Gnadenbild war eines seiner bedeutendsten Arbeiten aus dieser Zeit. „Die 1950er waren für ihn die glücklichsten, produktivsten und vielfältigsten Jahre seines Lebens“ fasst Prof. Lohmeier jenen Lebensabschnitt Pickers zusammen. Nicht einmal die Gestaltung seines eigenen Grabsteins überließ Picker dem Zufall. Diesen fertigte der in Lichtenau Begrabene viele Jahre vor seinem Tod an und beließ ihn zunächst im heimischen Garten.

Zum Dank für sein Engagement rund um die Ausstellung und die fachliche Einordnung des Wirkens Josef Pickers erhielt Prof. Lohmeier eine von Johann Fugel geschaffene Ikone.

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