Flüchtlinge in Sassenberg
„Schlimme Schicksale“

Sassenberg -

Die hohe Zahl der Flüchtlinge aufgrund der zahlreichen Krisenherde in Nordafrika sowie im Mittleren und Nahen Osten ist auch für die Stadt Sassenberg eine logistische Herausforderung. Doch Amtsleiter Helmut Helfers kann auf seine Mitarbeiter zählen.

Samstag, 11.10.2014, 10:10 Uhr

Die neue Entwicklung kommt für Helmut Helfers von der Stadt Sassenberg nicht überraschend. Dennoch arbeitet sein Amt an der Belastungsgrenze.
Die neue Entwicklung kommt für Helmut Helfers von der Stadt Sassenberg nicht überraschend. Dennoch arbeitet sein Amt an der Belastungsgrenze. Foto: Irmler

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge insgesamt 127 000 Asylanträge. Die Statistik bis zum August dieses Jahres weist bereits fast 100 000 Erstanträge aus- hinzu kamen 16 000 Folgeanträge. Entsprechend groß ist die Herausforderung für die einzelnen Kommunen.

Auch Helmut Helfers , Leiter des Amtes für soziale Angelegenheiten der Stadt Sassenberg , erkennt hierin einen Trend. „Die Zahlen sind eindeutig gestiegen. Über viele Jahre hatten wir überhaupt keine Zuweisungen dieser Art, dann in etwa im Abstand von 14 Tagen, dann wöchentlich.“

Aktuell würden der Stadt zwei Flüchtlinge pro Woche zugewiesen. Überrascht hat Helfers diese Entwicklung keineswegs: „Das ist natürlich vor allem den politischen Entwicklungen in Nordafrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten geschuldet.“

Dennoch arbeitet das Amt für soziale Angelegenheiten an der Belastungsgrenze. „Die Verwaltung stößt hier an ihre personellen Kapazitätsgrenzen. Dass wir unserem Auftrag in diesem Umfang nachkommen können, ist aktuell nur dem hohen Engagement der Mitarbeiter zu verdanken“, betont Helfers.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre mussten für die Spätaussiedler entsprechende Unterkünfte geschaffen werden. Ab dem Jahr 2000 jedoch verzeichneten die Behörden einen starken Rückgang, es entstanden Überkapazitäten. Infolge dessen veräußerte die Stadt Gebäude oder wandelte sie in Sozialwohnungen um. Jene Kapazitäten fehlen nun oder müssen erst für ihre neue Bestimmung vorbereitet werden. Dies betrifft vor allem ein Gebäude an der Sensenstraße in Füchtorf. In dem Achtfamilienhaus müssen nun sechs Mietparteien ausziehen. „Die Stadt tritt hierbei wie ein gewöhnlicher Vermieter auf und meldet Eigenbedarf an. Dabei müssen wir uns natürlich an die gesetzlichen Kündigungsfristen halten“, erläutert Helfers.

Aktuell betreut man drei Familien und viele Einzelpersonen. Insgesamt werden rund 70 Menschen in Sassenberg und Füchtorf untergebracht. „Für die Zeit des Asylverfahrens sind sie verpflichtet, sich in Sassenberg einen Wohnsitz zu nehmen. Die Stadt ist ihrerseits verpflichtet, diese Menschen unterzubringen und ihnen zu helfen.“

Wie schnell ein Asylantrag bearbeitet und in Folge dessen bewilligt oder abgelehnt wird, liegt nicht in der Hand der Stadtverwaltung. Hierüber befindet das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge. „Wir befassen uns nicht mit dem eigentlichen Antrag“, erklärt Helfers die Zuständigkeiten. Die entsprechenden Verfahren können schnell abgeschlossen werden – aber manchmal auch über ein Jahr andauern. Aktuell wird die Mehrheit der Anträge abgewiesen.

Die Vorstellung mancher Mitbürger, bei den Antragstellern handle es sich um Menschen, die nur auf Kosten der hiesigen Bevölkerung entspannt leben wollten, kann Helfers nicht nachvollziehen. „Diese Menschen haben viel erlebt und schlimme Schicksale. Das sollten wir nie vergessen. Es ist sehr wichtig, diese Menschen zu verstehen.“ Daher freuen ihn ehrenamtliche Initiativen – wie etwa die Deutschkurse für Asylbewerber von Georg Burholt.

Grundsätzlich freue man sich auf Seiten der Stadt über verständnisvolle Nachbarn im Umfeld der für die Asylbewerber bereitgestellten Wohnungen. „Natürlich gibt es auch Probleme. Wenn relativ viele Menschen auf engem Raum zusammenleben kann das natürlich vorkommen. Wir sind sehr dankbar über den Austausch mit den Nachbarn. So können auftretende Probleme direkt angesprochen und gelöst werden.“ Insgesamt sei die Akzeptanz von Seiten der Bevölkerung jedoch groß, ist sich Helfers sicher.

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