Doppelkonzert auf Haus Harkotten
Musik zum Zunge schnalzen

Füchtorf -

Es war zum Zunge schnalzen: Am Donnerstagabend gastierten auf Haus Harkotten im Rahmen von „Summerwinds“ gleich zwei Musikensembles: das Leitzinger Bassoon-Quartett und das Duo Piotr Lato und Tomasz Zawierucha.

Samstag, 03.09.2016, 15:09 Uhr

Ein erstklassiger Genuss, David Petersen, Karl Ventulett, Teodor Naumov und Domink Schulz bei ihrem Konzert im Wappensaal von Schloss Harkotten zu zuhören.
Ein erstklassiger Genuss, David Petersen, Karl Ventulett, Teodor Naumov und Domink Schulz bei ihrem Konzert im Wappensaal von Schloss Harkotten zu zuhören. Foto: Hartleb

Es war das erste Mal, dass das Europäische Holzbläserfestival im Münsterland Station auf der Doppelschlossanlage in Füchtorf machte. Mit dem Anlass verbanden Myriam und Ferdinand von Korff die Hoffnung, den Adelssitz der beiden Familien von Korff und von Ketteler als Ausflugs- und Veranstaltungsort noch bekannter zu machen. In diesem Sinn äußerte sich auch Dr. Peter Paziorek als Vorsitzender des im Dezember 2015 gegründeten Fördervereins „Freunde und Förderer des Denkmals Harkotten e.V.“, als er das beispielhafte Engagement der Eigentümerfamilien lobte, die gesamte Anlage erhalten und revitalisieren zu wollen. Der frühere münsterische Regierungspräsident lud in seiner kurzen Begrüßung die Besucher ein, Mitglied im Förderverein zu werden.

Dann hatten im ehrwürdigen Wappensaaal die Musiker des Leitzinger Bassoon-Quartetts das Wort, die sich sogleich mit der viersätzigen Sinfonia Nr. 7 in d-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy einführten. Mit „Vierfagöttlich“ versprach der Programmzettel nicht zuviel, denn David Petersen, Teodor Naumov, Karl Ventulett und Domink Schulz erwiesen sich als Fagottisten großartige Instumentalisten. Bei ihnen saß exakt jeder auch noch so schwierige Ton. In den Gesichtern zeichnete sich das Höchstmaß an Anspannung und Konzentration der Musiker ab.

Mit dem zweiten Stück zeigte das Quartett, dass es auch in der zeitgenössischen Musik bestens zu Hause ist. als es das Stück „Black“ des amerikanischen Komponisten Marc Mellits umsetzte. Dieses Stück atmet den Geist des Postminimalismus und stellte an die Faggotisten höchste Ansprüche. Ravels „Pavane pour unr infante défunte“ (Schreittanz für ein verstorbenen Kleinkind) zeichnete sich nach dem pulsierenden „Black“ durch eine innere Ruhe von emotionaler Schönheit aus.

Mit zwei Slawischen Tänzen (Nr. 8, Op 46 und Nr. 9, Op. 72) von Antonin Dvorák verabschiedete sich das Quartett beinah tänzelnd, dass mit seinem ungewöhnlichen Namen dem Instrumentenbauer die Ehre erweist. Schulz, das jüngste Mitglied des Quartetts, bewies sich wie bei Mendelssohn-Barholdys Sinfonie als kongenialer Arrangeur für die besondere Ansprüche des Fagotts.

Zur Pause wechselte das Publikum vom Wappensaal in die Schlosskapelle, wo die Zuhörer bis dato den Gitarrenklängen von Tomasz Zwierucha gelauscht hatten, der sich von Piotr Lato auf der Klarinette begleiten ließ. Passend zur Barockkomposition von Antonio Vivaldi und dessen Sonate in F-Dur, RV 52, bevorzugte der international gefragt Gitarrist die Barock-Gitarre, die er auch für die zweite Barockkomposition von Francesco Mancini und seiner Sonata IV in a-Moll nicht aus der handlegte.

Mit dem „Sicilioano“ von Johann Sebastian Bach (BMV 1031) leitete das Duo zu dem Bach Lateinamerkas. Heitor Villa Lobos und seinem „Bachianas Brasilieras N.5“ gekonnt über. Es war ein Genuss, Zawierucha auch bei den Nachfolgestücken von Ravel, Milhaud, Poulenc und Ibert in der Begleitung der Klarientte Latos zu lauschen.

Ein unvergesslicher Abend für die Besucher und die Musiker, die die außerordentliche und ungewöhnliche Nähe zum Publikum und das Ambiente zu schätzen wussten.

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