Heimatverein informiert über Drostengarten
Stadtgeschichte erlebbar machen

Sassenberg -

Den Stadtpark in seiner derzeitigen Erscheinung beschreibt Christian Rath als „verwunschenen Garten im Dornröschenschlaf“. Auf Einladung des Heimatvereins tauschte man sich am Sonntagmorgen im Hotel Börding aus, wie dessen Zukunft aussehen könnte.

Montag, 31.10.2016, 09:10 Uhr

Christian Rath informierte am Sonntagmorgen über den Drostengarten.
Christian Rath informierte am Sonntagmorgen über den Drostengarten. Foto: Irmler

Bedingt durch die Neubaupläne von Prof. Dr. Hubert Korte würden rund 20 Prozent des aktuellen Parks in Parkplätze umgewandelt (WN berichtete). Dass die in die Jahre gekommene ehemalige Gewerbehalle abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt werden soll, sei sehr begrüßenswert, betonte Rath auch am Sonntag. Der Heimatverein formuliere in der Diskussion genau zwei zentrale Forderungen. Man wünsche sich einen attraktiven Garten. „Ich denke, damit wären 99,5 Prozent der Bevölkerung sofort einverstanden.“ Schwierig würde es bei der zweiten Forderung. Der Stadtpark in seiner heutigen Ausdehnung müsse komplett erhalten bleiben, so das Ziel.

Dass im Zuge des Neubaus 21 Parkplätze entstehen sollen, von denen Prof. Korte selbst lediglich deren fünf benötige, lehne der Heimatverein jedoch ab. „Es gibt ausreichend Parkplätze in Sassenberg . Die haben in diesem Park nichts verloren.“ Am alten Friedhof etwa finde man Parkmöglichkeiten vor, der Edeka-Mark verfüge über „einen riesigen Parkplatz“, so Rath weiter. „Und trotzdem bleibt dieses Geschimpfe über fehlende Parkplätze. Man hat in Sassenberg mit dem Vorschlaghammer eine autogerechte Stadt gebaut“, erinnerte Rath an die Politik der 1960er und 70er Jahre.

Ferner gelte es, die Historie des Drostengartens korrekt darzustellen. „Diese Vergangenheit fing nicht erst 1970 an, sondern reicht weitere 300 Jahre zurück.“ Der präsentierte Entwurf sei weder für die Stadt, noch den Drostengarten ein Gewinn. Vor allem die vorgesehenen Sichtachsen sprächen eine deutliche Sprache. „Damit würde der Park zu einem Vorgarten eines Neubaus“, monierte Philipp Hülshörster. „Diese Sichtachse ist ganz bewusst gesetzt worden.“

Der Heimatverein wolle keinen Barockgarten errichten, so Rath. „Ein Barockgarten war von Adeligen angelegt. Da hatten Bürger gar keinen Zutritt – höchstens der Gärtner. Das wollen wir natürlich nicht. Wir wollen Stadtgeschichte erlebbar machen. Machen wir den Drostengarten zu einem einmaligen Erlebnis, nicht zu einem x-beliebigen Park“, so sein Appell. Der Entwurf der Dipl.-Ing. Claudia Blume mit einer Sichtachse zur Hessel sei ein vielversprechender Ansatz gewesen, der jedoch von der Politik mangels finanzieller Mittel verworfen worden sei. „Die Planung von Professor Korte stört uns gar nicht, so lange es sein eigenes Grundstück betrifft.“

Albert Schumacher pflichtete den Ausführungen Raths bei. „Ich bin dagegen, einer Privatperson dieses Gebiet zu geben.“ Die Diskussion um Parkplätze sei typisch für Sassenberg, so der Grünenpolitiker weiter. „In Warendorf wäre man froh, so zentrumsnah parken zu können. Es ist eine Gewohnheitssache der Sassenberger. Der Verkehr sucht sich seinen Weg. Baue ich mehr Straßen und Parkplätze, gibt es auch mehr Verkehr.“ Zudem, so gab Schumacher zu bedenken, sei es Kortes Entscheidung gewesen, das Grundstück zu erwerben. Nun müsse eben so geplant werden, dass das zur Verfügung stehende Areal für Bebauung und Parkflächen ausreiche. „Ich glaube nicht, dass die Stadt in den nächsten 20 Jahren irgendwie 900 000 Euro in diesen Park investieren kann.“ Ähnlich argumentierte Thomas Wolfslau. „Es gibt aktuell attraktivere Städte. Das Leben ist doch viel mehr als nur Märkte und Geschichte. Es geht um Atmosphäre, Flair und Grün. Wir können noch zig Supermärkte bauen, aber mit Oberzentren wie Osnabrück oder Münster können wir ohnehin nicht konkurrieren. Da muss man sich schon fragen, was die Stadt eigentlich will. Wohin will man sich entwickeln? Auf der einen Seite will man bauen, bauen und nochmals bauen, auf der anderen Seite Touristen anlocken? Wir haben überhaupt keinen Leitfaden.“ Bürgermeister Josef Uphoff relativierte die Bedeutung des Parkentwurfs von Korte. „Herr Professor Korte hat nicht den Anspruch, für uns eine Planungsvorlage zu erstellen.“ Auch auf den verbleibenden 80 Prozent des Parks könne der besondere Charakter des Drostengartens hervorgehoben werden.

CDU-Ratsherr Dieter Sökeland bekannte, die Pläne kritisch zu sehen, sich damit jedoch in der klaren Minderheit befinde. In den Fraktionen, so Sökelands Eindruck, sei die Stimmung eine andere. „Eine große Mehrheit wird diesem Projekt positiv gegenüberstehen. Ich sehe es so: Es wird so kommen.“ Diese Einschätzung teilte auch Norbert Westbrink (B90/Grüne). „Warum ist das so? Was bringt das denn der Stadt oder den Bürgern?“, ärgerte sich Wolfslau.

Gleichzeitig richtete Sökeland einen Appell an die Zuhörer. „Es geht nur über Gespräche. Sucht das Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden. Am 17.November tagt der Infrastrukturausschuss. Es sei durchaus möglich, alle Fraktionsvorsitzenden, den Heimatverein und Professor Korte an einen Tisch zu bekommen.

Philipp Hülshörster forderte die Stadt auf, Mut zu zeigen. „Eine eigenständige städtische Planung muss der Ausgangspunkt sein.“ Stattdessen renne man einem Investor nach. Rath formulierte eine Bitte an die Interessierten. „Die Ratsmitglieder sind demokratisch gewählt. Treten Sie ihnen ein wenig auf die Füße und tun Sie denen Ihre Meinung kund.“

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