Vater-Kind-Wochenende
Väter schenken ihren Kindern Zeit

Sassenberg -

Piraten oder Feen? Das ist die Frage, die sich ein kleine Gruppe von Männern alljährlich stellt. Das Vater-Kind-Wochenende des Sassenberger Familienzentrums jährt sich in diesem Jahr zum achten Mal.

Mittwoch, 22.03.2017, 05:03 Uhr

Stadtjugendpfleger Dirk Ackermann (2. v. l.) mit seiner Honorarkraft Laura Blumenthal und Erzieher i.A. Jonas Schwienheer (3 v.R.) mit den anwesenden Vätern.
Stadtjugendpfleger Dirk Ackermann (2. v. l.) mit seiner Honorarkraft Laura Blumenthal und Erzieher i.A. Jonas Schwienheer (3 v.R.) mit den anwesenden Vätern. Foto: privat

Stadtjugendpfleger Dirk Ackermann erinnert sich noch genau: „Ich bin damals mit sechs Vätern gestartet. Zwei davon kamen aus Beelen, damit ich die Sache ins Rollen bringen konnte.“ Heute, acht Jahre später, sieht das Bild anders aus. Als die Listen aus den Kindertageseinrichtungen wieder im Jugendzentrum landeten, staunte der Diplom-Sozialarbeiter nicht schlecht. Insgesamt 27 Väter mit 35 Kindern im Alter von drei bis fünf möchten an diesem besonderen Angebot teilnehmen. „Mir war sofort klar, dass diese enorme Nachfrage organisatorisch und pädagogisch an einem Wochenende nicht zu stemmen ist. Für diese Herausforderung gab es nur eine Lösung: Ein zweites Wochenende musste her!“

Somit bietet das Familienzentrum Sassenberg in diesem Jahr zwei Vater-Kind-Wochenenden an. Das erste startet im Mai und das zweite im Juni. Annette Dellwig, pädagogische Leitung der evangelischen Jugendbildungsstätte in Nordwalde , die jedes Jahr Ziel dieser besonderen Exkursion ist, freute sich. „Acky, das ist doch eine grandiose Entwicklung. Du hast es geschafft. Als Kooperationspartner der Stadt Sassenberg tun wir natürlich alles, um diese Nachfrage zu befriedigen.“

Am vergangenen Donnerstag traf sich ein Teil der Väter aus Sassenberg und Füchtorf im Kindergarten „Wolke 7“, um eine Gruppenteilung vorzunehmen und sich zusammen Gedanken zu den Mottos der beiden Wochenenden zu machen. Die überaus abenteuerlichen Ergebnisse sollen aber an dieser Stelle noch nicht verraten werden.

Aber was steckt hinter diesem Angebot eigentlich? Dirk Ackermann erklärt es: „Das Team des Jugendzentrums und ich bieten lediglich einen lockeren und ansprechenden Rahmen. Beim Vortreffen wird ein Motto für das Wochenende festgelegt. Dadurch erhöht sich die Spannung für die Kinder enorm. Wie ist es da wohl? Welche Verkleidung passt zum Motto? Schnarcht Papa wohl? Die Spannung soll im Vorfeld schon aufgebaut werden. Es gab auch Väter, die schon verkleidet in Nordwalde eintrafen.“

Das eigentliche Ziel dieses Wochenendes ist kurz und präzise auf den Punkt gebracht: Zeit. Die Väter schenken ihren Kindern ein Abenteuer, ein schönes Erlebnis, aber in erster Linie Zeit. Kein Nachbar, der mal kurz um Hilfe bittet. Eben mal die Straße fegen oder das Auto waschen. Nein, die Zeit gehört nur dem Vater und seinem Kind beziehungsweise seinen Kindern. Es ist einfach wunderschön zu beobachten, wie sie abends am Lagerfeuer schmusen, kuscheln und sich eng umschlungen liebe Worte ins Ohr flüstern. Da kann es auch mal ein Stündchen länger werden – Mama ist ja nicht da. Dabei ergeben sich auch Gespräche unter den Vätern, die sonst vielleicht nur den Müttern vorbehalten sind. Es geht um Kinderkrankheiten und Erziehungsfragen. Väter sind entspannt und denken pragmatisch. Hat die Hose des Kindes am rechten Knie einen Fleck, wartet man einfach auf den Fleck am linken Knie – dann passt es wieder. „Ich habe mich viel mit der Rolle des Vaters aus entwicklungspsychologischer Sicht beschäftigt. Diese Rolle wurde lange unterschätzt und vernachlässigt. Gestern noch sagte eine Kollegin im Rathaus zu mir: Ich kann nachmittags auffahren was ich will. Aber einige Dinge gehen nur, wenn Papa abends durch die Tür kommt. Recht hat sie. Wir Väter haben eine neue Rolle für uns entdeckt.“

Es entsteht eine neue Generation Väter, die sich traut auch vor anderen Männern einen Flummi-Tanz am Morgen hinzulegen. Noch eine wichtige Ergänzung: „Es sind natürlich auch Kinder mit ihrem Onkel, dem neuen Freund der Mutter oder einer anderen männlichen Bezugsperson immer herzlich willkommen. Der leibliche Vater ist definitiv kein Muss bei dieser Sache.“

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