Orgelkonzert in St. Johannes
Ein Virtuose mit würdigem Instrument

Sassenberg -

Die Freunde hochklassiger Orgelmusik kamen am Wochenende in der Pfarrkirche St. Johannes Evangelist voll auf ihre Kosten: Dr. Winfried Müller „schenkte“ ihnen auf dem noch relativ neuen Instrument ein beeindruckendes Konzert.

Dienstag, 25.04.2017, 06:04 Uhr

Schon beim Einspielen stellte Organist Dr. Winfried Müller fest, welche guten Klangqualitäten das noch relativ neue In­strument in der Pfarrkirche St. Johannes Evangelist Sassenberg aufweist.
Schon beim Einspielen stellte Organist Dr. Winfried Müller fest, welche guten Klangqualitäten das noch relativ neue In­strument in der Pfarrkirche St. Johannes Evangelist Sassenberg aufweist. Foto: Christoph Schulte im Walde

Orgelkonzerte können sehr ermüdend sein, wenn viele kleine oder mittelgroße Stücke wie ein willkürlich gewebter Flickenteppich sich aneinanderreihen. Diese Gefahr bestand am vergangenen Sonntag beim Konzert in St. Johannes Evangelist indes in keinem Moment. Denn der Gast an der Eule-Orgel Winfried Müller , Kirchenmusiker an St. Joseph in Münster , hatte unter dem Motto „Kleine und große Charakterstücke“ ein Programm zusammengestellt, mit dem er seinem Publikum vor allem den erstaunlichen Reichtum an unterschiedlichen Klangfarben der Orgel wunderbar zu präsentieren wusste!

Eigentlich spricht die „Seele“ des Instruments ja eine deutsch-romantische Sprache und ist deshalb für Musik etwa von Max Reger, Joseph Rheinberger oder Johannes Brahms besonders prädestiniert. Aber diese Orgel kann auch den französisch-barocken Dialekt, wie Winfried Müller in Jean Adam Guilains sechsteiliger Suite überzeugend deutlich machte. Direkt danach mit Dietrich Buxtehudes Präludium und Fuge D-Dur dann ein Ausflug in die norddeutsch-barocke Orgeltradition. Auch Buxtehude bekam unter Müllers Fingern und Füßen eine überraschend authentische Gestalt – und die geradezu „überzeitlichen“ Choralbearbeitungen von Johann Sebastian Bach klingen ohnehin auf jedwedem Typus von Orgel.

Wenn überhaupt Grenzen der Möglichkeiten des In­struments erreicht wurden, dann in Olivier Messiaens „Erscheinung der Ewigen Kirche“, die mit einer Riesen-Orgel und einem Kirchenraum mit mindestens sechs, sieben Sekunden Nachhall-Zeit rechnet. Und dennoch: Dieses imponierende Werk aus der Frühzeit des Pariser Orgelmeisters Messiaen erleben zu können, war schon ein erhebender Augenblick. Zumal die Strahlen der Frühjahrssonne genau in dem Moment den Kirchenraum durchfluteten, als das markige Fortissimo die „Ewige Kirche“ symbolisierte.

Für die stillen, zarten Orgelregister hatte Müller ein besonders „gutes Händchen“. In Louis Viernes sanft schwingendem „Wiegenlied“ etwa oder in Johannes Brahms’ „Es ist ein Ros’ entsprungen“, in dem wirklich jede Note des Chorals Ton für Ton vorkommt, auch wenn Brahms derart mit Schnörkeln arbeitet, dass man die Melodie kaum nachvollziehen kann. Was hier zählt: die Stimmung, die Atmosphäre! Die wusste Müller bestens einzufangen.

Auch in Jehan Alains „Litanies“, den Anrufungen einer verzweifelt gottsuchenden Seele. Entsprechend ruppig geht es in dieser Musik zu. Und die Eule-Orgel ließ an Temperament, an Kraft und Volumen keine Wünsche offen.

Winfried Müller als Improvisator, der „aus dem Stegreif“ Ideen zur Ostersequenz „Victimae paschali laudes“ entwickelte: Dies war das Finale seine Konzertes, orientiert an französischen Vorbildern, virtuos, einfallsreich, stilistisch so abwechslungsreich wie alles, was an diesem fabelhaften Abend zu hören war. Großer Beifall für den Gast aus Münster!

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