Erster Fall des Sassenberg Detektivs
Warum sind da rosa Punkte?

Sassenberg -

Manchmal ist es ein Detail, manchmal allzu Selbstverständliches und plötzlich schießt die Frage durch den Kopf: „Warum?“. Unser Sassenberg Detektiv sucht Antworten auf solche Fragen. Fragen dürfen gerne auch Sie, liebe Leser.

Freitag, 28.07.2017, 06:07 Uhr

Ein Deckel mit rosa Punkt: Warum bloß? – An einem langen Draht versenkt Michael Vorspohl einen frischen Rattenköder im Kanal.
Ein Deckel mit rosa Punkt: Warum bloß? – An einem langen Draht versenkt Michael Vorspohl einen frischen Rattenköder im Kanal. Foto: Ulrike von Brevern

Eines Tages war er plötzlich da, ein rosa Sprühpunkt auf dem Kanaldeckel vorm Haus. Weiter runter die Straße noch einer. Und plötzlich tauchten über die ganze Stadt verteilt farbige Punkte auf. Ausschließlich auf Kanaldeckeln, aber nicht auf allen. Warum bloß?

„Das ist für uns, damit wir wissen wo wir waren“, lacht Michael Vorspohl und drückt auf den Sprühkopf, ehe er sich dem nächsten Deckel zuwendet. „So finden wir alles schneller wieder, schließlich müssen wir bald schon wieder kontrollieren.“

Der freundliche Mann arbeitet für die Firma Angelkort aus Ascheberg und ist Schädlingsbekämpfer. Seit rund zehn Jahren bekämpft das Unternehmen im Auftrag der Stadt regelmäßig die Ratten in der Kanalisation, doch seit letztem Jahr geht alles anders.

Dass Ratten in der Kanalisation leben, ist nicht ungewöhnlich. „Das sind Tunneltiere und wir bieten ihnen durch die Kanalisation künstliche Tunnel“, sagt Thomas Vennhaus , der bei der Stadt für Abwasser und Stadtreinigung zuständig ist. In den Kanälen finden die Nager oft einen reich gedeckten Tisch, erzählt die Chefin des Schädlingsbekämpfungsunternehmens, Angelika Angelkort .

Sie warnt besonders davor, Essensreste durch die Toilette zu spülen. Allerdings fühlten sich die Ratten auch dort wohl, wo Menschen ihnen gekochte Speisen auf dem Kompost servierten, Unterschlupf unter aufgebockten Gartenhäusern verschafften oder auch im Sommer die Vögel noch reichlich mit Futter bedächten.

Besonders problematisch sind nach ihrer Erfahrung alte Kanalisationen, in denen die Nager gerne auch ihre Kinderstuben bauen. „In Neubaugebieten haben wir das weniger.“

Vorspohl öffnet den schweren Kanaldeckel mitten auf der Straße und entfernt den Schmutzfänger. Der Blick reicht mehrere Meter tief bis in einen gemauerten Kanal. Mit einem langen Haken angelt der Fachmann nach einem Draht, an dem der alte Rattenköder befestigt ist. Abgehängt, neuer angehängt, aufgestochen – „damit es für die Ratten gut riecht“ – und wieder ab damit knapp über die Wasseroberfläche. Früher war die Arbeit damit für ein Jahr getan. Jetzt greift die Biozidverordnung mit ihrer Verpflichtung zu „Risikominimierungsmaßnahmen“.

Da die Nager gegen herkömmliche Gifte teilweise Resistenzen gebildet haben, verwendet Angelkorte Biozide der zweiten Generation. „Sie haben die hundert bis tausendfache Wirkung“, erläutert die Chefin. Zwar sind sie nicht neu, aber die Vorschriften haben sich verändert. Schon um nicht erneut Resistenz zu riskieren dürfen diese Stoffe jetzt nur noch mit entsprechender Ausbildung angewendet und nur noch in den seltensten Fällen zur „Dauerbeköderung“ eingesetzt werden.

Darum muss Vospohl nach spätesten vier Wochen noch einmal ran. Er wird prüfen, ob die Köder angefressen sind und bei starkem Befraß nachlegen. Die übrigen entfernt er. Natürlich müssen die neuen dann wieder nach einigen Wochen kontrolliert werden. Teurer werde die Rattenbekämpfung dadurch schon, vermutet er zurecht. Dafür werden die Köder aber nur noch da ausgehängt, wo sie viel bewirken. Etwa die Hälfte aller Kanaldeckel trägt am Ende des ersten Durchlaufs einen bunten Punkt: Hier hängt ein Rattenköder, bedeutet der.

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