Abendansitz
Wo sind bloß die Mücken hin?

Füchtorf -

„Früher mussten wir uns auf dem Hochsitz dick einölen gegen die Mücken“, erzählt Ferdinand Freiherr von Korff seinen Jagdgästen, während einige größere Insekten vor dem Ausguck in der milden Vorabendluft spielen. „Heute ist das leider nicht mehr nötig.“

Samstag, 29.07.2017, 05:07 Uhr

Leise durch den Wald: Jette und Emily mit „ihrem“ Jäger Ferdinand Freiherr von Korff.Perfekt ausgestattet:  Emily späht konzentriert vom Hochsitz aus über die Weiden am Haus Harkotten.
Leise durch den Wald: Jette und Emily mit „ihrem“ Jäger Ferdinand Freiherr von Korff.Perfekt ausgestattet:  Emily späht konzentriert vom Hochsitz aus über die Weiden am Haus Harkotten. Foto: Ulrike von Brevern

Jette und Emily, die bislang die Weide gegenüber mit ihren Ferngläsern nach Wildtieren abgesucht haben, stutzen. „Wieso leider“, entfährt es Jette spontan, denn der knapp Elfjährigen ist die mückenstichfreie Lage ganz recht.

Ferienspieltags-Tradition

Der Abendansitz, den der Hegering Füchtorf in guter Tradition im Rahmen der Ferienspieltage am Donnerstag anbot, war dieses Mal noch stärker nachgefragt als in den Jahren zuvor, erzählte Mitorganisatorin Ulla Pelster . Aber nur 30 Kinder konnten dabei sein. Als Hegeringleiter freute sich von Korff, dass sich wieder so viele Mitglieder bereitgefunden hatten, ein oder zwei Kindern auf dem Ansitz Einblicke in die Zusammenhänge der Natur zu vermitteln.

Wie bei einer richtigen Jagd bliesen die Jagdhornbläser zur Begrüßung ehe sich die jungen Fernrohr-Jäger auf verschiedene Ansitze rund um Füchtorf verteilten. Marten, Noah und Justus etwa verschlug es nach Twillingen. Sie sahen Rehe und Hasen und entdeckten einen Fuchsbau. Marten erspähte mit „seinem“ Jäger sogar einen Bussard.

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Jette und Emily blieben direkt im Harkottener Wald. „Ihr müsst leise sein“, mahnte von Korff, „sonst sehen wir keine Tiere, sondern machen nur einen Waldspaziergang.“ Der lebhaften Jette fiel das nicht leicht, obwohl sie wusste, was sie erwartete, denn sie und ihre Cousine waren schon zum wiederholten Mal dabei. „Es ist so toll, abends in der Wildnis zu sein“, schwärmte sie.

Mücken vermisst

Ein Fischreiher ist das erste Tier, das die beiden Mädchen auf einem Baum im Wald gegenüber entdecken. Danach bleibt es ruhig. Zeit genug für Freiherr von Korff leise zu erklären, warum er die fehlenden Mücken vermisst. Rebhühner etwa seien auf Insekten und Larven als Nahrung für ihre Jungen angewiesen. Aber es fehlten nicht nur Mücken, sondern Insekten insgesamt.

Plötzlich ist es Jette, die eine Bewegung wahrnimmt. Ein Hase zeigt sich auf der Wiese. Die Mädchen fixieren ihn mit ihren Ferngläsern. Doch dann läuft eine Spaziergängerin mit Hund und Handy am Ohr am Hochsitz vorbei. Den Ärger des Gastgebers über Telefone im Wald verstehen die Kinder bald. Die Chance auf Tiere ist zunächst vertan.

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Doch nach gut einer Stunde Ansitz plötzlich weit entfernt das erste Reh, das vom Waldsaum aus auf die Wiese läuft. Der Freiherr versucht mit hohem „Fiepen“ Rehböcke anzulocken. Es ist Blattzeit, Paarungszeit bei den Rehen. Der Ton ahmt den Ruf der Ricke nach. Kurz darauf brechen plötzlich Ricke und Bock aus dem Wald und verschwinden nach wilder Jagd über die Wiese wieder im Dickicht.

Jette und Emily sind beeindruckt. Ganz von alleine sind sie auf dem Rückweg ruhig, halten die Augen offen und lernen nebenbei noch etwas über die Erneuerung des Waldes. Der Ansitz war für sie ein voller Erfolg, so wie für die anderen Kinder auch, die sich zum Abschluss mit ihren Eltern und den Jägern eine Bratwurst am Haus Harkotten schmecken ließen.

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