Unterwegs mit dem Stadtdetektiv
Eine Frage der Höhe

Sassenberg -

Der Stadtdetektiv aus unserer Sommer-Serie „Warum?“ war mal wieder im Einsatz. Diesmal ist er über den imposanten Schrank im Foyer des Rathauses „gestolpert“? Woher kommt das Prachtstück? Und wie hat es seinen Weg in die Stadtverwaltung gefunden? Lesen Sie selbst!

Freitag, 04.08.2017, 06:08 Uhr

Gewährt Einblicke: Bürgermeister Josef Uphoff öffnet die Tür zum prachtvollen Barockschrank. Der Schlüssel zeugt wie der Barockschrank selbst von alter Handwerkskunst.
Gewährt Einblicke: Bürgermeister Josef Uphoff öffnet die Tür zum prachtvollen Barockschrank. Der Schlüssel zeugt wie der Barockschrank selbst von alter Handwerkskunst. Foto: Ulrike von Brevern

Manchmal ist es ein Detail, manchmal allzu Selbstverständliches und plötzlich schießt die Frage durch den Kopf: „Warum?“. Unser Sassenberg-Detektiv sucht Antworten auf solche Fragen. Fragen dürfen gerne auch Sie, liebe Leser!

Er könnte verloren wirken in der Umgebung, die so gar nicht zu ihm passt. Allerdings macht allein seine schiere Größe den Barockschrank, der im Rathaus den Eingang zum Ratssaal bewacht, zu einem echten Blickfang. Aber warum steht ein solches Prachtstück hier?

Der Inhalt des Schrankes rechtfertigt dessen Existenz im Foyer kaum: Büromaterialien, Gastgeschenke, Weihnachtsdeko – Dinge, für die andernorts kein Platz ist. „Der Schrank ist eine Dauerleihgabe der Familie von Ketteler “, hilft Bürgermeister Josef Uphoff auf die Spur, die Richtung Füchtorf führt

„Den kenne ich von Kindertagen an“, gibt Senior Clemens-August Freiherr von Ketteler bei der Frage nach dem Schrank unumwunden zu. Das Prachtstück habe im Treppenhaus des Schlosses auf Harkotten gestanden. Passend zu den blau gestrichenen Wänden, die die Fliegen im Zaum halten sollten, erstrahlte der Schrank damals in Blau-Weiß.

„Er war eigentlich immer im Weg“, erinnert sich Freiherr von Ketteler etwas versonnen. Vermutlich sei er sogar älter als das Schloss und stammte schon aus dem Vorgängerbau, der Burg auf Harkotten. Man habe sich allerdings an ihn gewöhnt, und so überdauerte das Möbel sowohl die Zeit des Schlosses als Altenheim als auch die Vermietung an den Stardesigner Luigi Colani an seinem angestammten Platz direkt oberhalb der Freitreppe.

Als die Familie Sieger das Schloss Ende der 80-er Jahre in Erbpacht übernahm, konnte sie sich sehr gut eine Zukunft ohne Barockschrank vorstellen. Wo aber hin mit dem wertvollen Stück? Kleinere Barockmöbel aus dem Saal hatte der Schlossherr selbst behalten. Aber bei der ansehnlichen Höhe gab es in Sassenberg keinen Raum, in den der Dielenschrank hineingepasst hätte, erinnert sich von Ketteler, damals Ratsherr.

Gar keinen? Doch: Das Foyer des Sitzungstraktes, der 1982 an das alte Amtshaus angebaut worden war, war so gerade hoch genug! Stadtdirektor Schwienheer habe keine Mühe gehabt, die Ratsherren von dem Plan zu überzeugen, die Dauerleihgabe der Familie Ketteler anzunehmen, erinnert sich der damalige Bürgermeister August Budde heute. „Alle Fraktionen waren dafür offen. “ Seither schmückt das eigenwillige Möbel, von der Stadt gründlich restauriert, das Rathaus und zeugt nicht nur von seiner Heimat Harkotten, sondern auch von der einzigartigen Handwerkskunst vergangener Jahrhunderte.

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