Honigernte fällt schlecht aus
„Ich fühle mit den Bienen“

Sassenberg -

Es summt und brummt im Garten von Michael Ruhe. Drei Bienenvölker sind hier fleißig dabei, Nektar zu sammeln und daraus Honig zu produzieren. Natürlich ist es nicht ihre Intention, damit den Frühstückstisch der Menschen zu bereichern, sondern sie wollen damit ihr Volk ernähren.

Samstag, 19.08.2017, 13:08 Uhr

Die markierte Königin ist für das Eierlegen zuständig. Sie lebt zwischen drei und fünf Jahren und wird im Winter von ihren Arbeiterinnen beschützt und warm gehalten.
Die markierte Königin ist für das Eierlegen zuständig. Sie lebt zwischen drei und fünf Jahren und wird im Winter von ihren Arbeiterinnen beschützt und warm gehalten. Foto: Ulrich Lieber

Imker Michael Ruhe weiß das und wählt einen goldenen Mittelweg. „Ich nehme den Bienen nicht alles weg, sondern nur einen Teil. Die Bienen brauchen im Jahr 120 Kilo Futter und 20 Kilo Pollen. Ich ernte durchschnittlich 25 bis 30 Kilo, ich möchte nicht das letzte Gramm aus den Völkern quetschen“, erklärt Ruhe. Als Ausgleich füttert er für den Winter Zuckerwasser.

Doch die Honigernte ist in diesem Jahr deutlich schlechter ausgefallen als normal. Eigentlich liegt sie schon seit ein paar Jahren unter dem Durchschnitt. Warum ist das so? Liegt es am viel diskutierten Insektensterben? Sind die Bienen auch betroffen? Michael Ruhe gibt Entwarnung: „Die Zahl der Bienenvölker ist konstant. Das liegt aber auch daran, dass ein regelrechter Hype um die Biene entstanden ist. Es gibt viele neue Hobbyimker, die zwei oder drei Völker haben.“

Woran liegt es dann, dass die Ernte um rund ein Drittel zurückgegangen ist? „Wir hatten Anfang Mai Nachtfröste und da sind viele Obstblüten verfroren. Teilweise haben sich bei Akazien und Linden keine Blüten gebildet, aber auch der Sommer war sehr durchwachsen“, erklärt Ruhe. Ein weiterer Grund sei die fehlende Blütenvielfalt in den heimischen Gärten. „Es ist ein Problem, dass sich die Leute ihre Gärten mit Steinen zuschütten. Da können die Bienen nichts mehr finden“, bemängelt er.

Der Imker unterscheidet zwischen der Frühjahrs- und der Sommerernte. Die erste Schleuderung – hier werden die vollen Honigwaben mit Hilfe der Fliehkraft geleert – ist im Mai, der milde Rapshonig. Der Sommerhonig wird dann Mitte Juli bis Anfang August geerntet, er ist kräftiger und geschmacksintensiver. Das ist auch an der deutlich dunkleren Farbe zu erkennen. „Der Sommerhonig fällt immer unterschiedlich aus“, erklärt Ruhe.

„Es gibt Berufsimker, die Sortenhonige , wie Akazie-, Heide- und Waldhonig ernten. Sie fahren dazu mit 700 bis 1000 Völkern mehrere Hundert Kilometer im Jahr durchs Land “, berichtet Ruhe. „Der größte Nutzen liegt in der Bestäubung.“ zumal sich die Zahl der anderen Insekten stark verringert hat. Bienen seien nach Schweinen und Rindern das drittwichtigste Nutztier auf der Welt.

Michael Ruhe ist Standimker und besitzt rund 20 Völker. Dabei sei es wichtig, den Standort für die Völker richtig zu wählen. „Bienen sind Sonnenkinder“, weiß Michael Ruhe, aber natürlich sollten sie nicht in der prallen Sonne stehen. Im Frühjahr fliegen Bienen nur kurze Strecken, da das Volk mit circa 10 000 Bienen recht klein ist. Im Sommer, wenn die Völker bis zu 40 000 Bienen beherbergen, wird der Radius deutlich größer. Jetzt im August fliegen sie durchaus auch drei bis vier Kilometer weit, um an den Nektar zu gelangen. Es hängt aber auch von der Temperatur ab.

Der Sassenberger Hobbyimker ist Mitglied im Imkerverein Warendorf und dort bereits seit 25 Jahren Kassierer. Ihm liegt das Tierwohl besonders am Herzen und wer ihn im Umgang mit seinen Bienen sieht, hat daran keine Zweifel. „Ich fühle mit den Bienen“, sagt er. Seine Völker sind genau so ruhig wie er und Ruhe hat kein Problem, sie mit der Hand zu streicheln. Er trägt auch keinen Schutzanzug. „Ich will doch nicht zum Mond fliegen“, schmunzelt er. Dass er trotzdem ab und zu gestochen wird, ist für ihn kein Problem und hängt oft vom Wetter ab. „Das passiert schon mal, aber dann schnipse ich den Stachel weg und gut ist.“ Es sei nämlich ein Fehler, den Stachel mit den Fingern herausziehen zu wollen, denn dann werde erst das Gift ausgedrückt.

Momentan sammeln die Bienen schon Futter für den Winter. Wenn es soweit ist, bildet das Volk eine Art Kugel mit der Königin in der Mitte, die dann immer rund 25 Grad Temperatur hat und den Winter überlebt. Die anderen Arbeitsbienen wechseln ständig ihre Position, so dass jede mal nach außen muss. Mutter Natur hat für alles eine Lösung.

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