Besuch bei der Flüchtlingshilfe
Integration eine große Herausforderung

Sassenberg -

Im Jahr 2015 kürte die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort „Flüchtlinge“ zum Wort des Jahres. Millionen Menschen flohen unter anderem aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien und der Herrschaft des IS. Viele der Geflohenen erreichten über die sogenannte Balkanroute die Bundesrepublik.

Montag, 21.08.2017, 19:08 Uhr

Besuch bei der Flüchtlingshilfe (v. l.): Georg Burholt, Karin Hutsteiner, Ilkay Arici, Pfarrer Michael Prien, Heinz-Josef Krimphoff, Josef Uphoff, Elisabeth Lückewerth, Reinhold Sendker, Dr. Günter Krings, Rudi Völler und Mechthild Helmert.
Besuch bei der Flüchtlingshilfe (v. l.): Georg Burholt, Karin Hutsteiner, Ilkay Arici, Pfarrer Michael Prien, Heinz-Josef Krimphoff, Josef Uphoff, Elisabeth Lückewerth, Reinhold Sendker, Dr. Günter Krings, Rudi Völler und Mechthild Helmert. Foto: Christopher Irmler

In einem großen Kraftakt mussten die Behörden die Unterbringung der Schutzsuchenden organisieren. In den Kommunen engagieren sich seitdem ehrenamtliche Helfer. So auch in Sassenberg und Füchtorf. Doch wie bewerten sie die aktuelle Situation und die Entwicklung der vergangenen beiden Jahre? Wo hakt es und was muss verbessert werden? Diesen Fragen gingen MdB Reinhold Sendker und Dr. Günter Krings , Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium des Innern , am vergangenen Freitag nach. Im evangelischen Gemeindehaus suchten sie das Gespräch mit einigen der Aktiven.

„Erst war es die Versorgung, heute ist es die Integration“, schilderte Elisabeth Lückewerth die Aufgaben der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. Dabei stelle die Integration eine deutlich größere Herausforderung dar. Nun gelte es, weiterhin Sprachkompetenzen zu vermitteln, die schulische und berufliche Bildung zu unterstützen und Perspektiven zu bieten. Nicht alles laufe reibungslos; lange Wartezeiten und bürokratische Hürden erschwerten die Zusammenarbeit.

Es sei für alle Beteiligten belastend, wenn beispielsweise Arbeitswillige auf nötige Formulare warten müssten und in der Zwischenzeit keiner Tätigkeit nachgehen dürften. Auch die Begleitung und weitere Betreuung von Jugendlichen könne verbessert werden.

Doch trotz noch vorhandener Probleme, so betonte Lückewerth, denke kein Aktiver daran, das Engagement einzustellen. „Wir sind froh, dass Deutschland so handelt wie es handelt.“ Dr. Krings lobte die über 50 ehrenamtlichen Helfer. „Wir können uns freuen, dass wir auf Seiten der Bevölkerung eine derart große Bereitschaft haben.“ Zwar gebe der Bund viel Geld, doch werde die Hauptlast vor Ort getragen, so Krings.

Mechthild Helmert nannte Familienzusammenführungen als ein Dauerthema. Die Wartezeit bis zum Termin in der Botschaft sei in der Theorie überschaubar, in der Realität jedoch deutlich länger. Ein Beispiel in puncto Arbeitsmarkt verdeutlichte die mitunter verfahrene Situation, der sich alle Beteiligten stellen müssten. Ohne entsprechende Papiere sei etwa der Erwerb eines Pkw- oder Lkw-Führerscheines nicht möglich; eine Lehre unter diesen Umständen kaum denkbar. „Man hängt dann sieben Monate oder ein Jahr in der Luft und kann nichts tun.“ Eine Ursache seien auch die unterschiedlichen Zuständigkeiten mehrerer Behörden.

Bürgermeister Josef Uphoff äußerte den Wunsch nach weiteren Schnittstellen und größerer personeller Unterstützung. „Die Verzahnung muss noch passgenauer werden.“ Dies gelte insbesondere für die Betreuung junger und unbegleiteter Flüchtlinge. Sendker und Krings versprachen, die im Verlauf des halbstündigen Gesprächs gewonnenen Eindrücke und Vorschläge weitergeben und prüfen zu wollen.

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