Diamanthochzeit im Hause Schmidt
Die Liebe trotzte selbst wilden Ochsen

Sassenberg -

Seit 60 Jahren führen sie eine erfüllte Ehe: Maria und Wilhelm Schmidt feiern heute ihre Diamanthochzeit.

Samstag, 11.11.2017, 08:11 Uhr

An vorherige Hochzeitsjubiläen erinnern sich Maria und Wilhelm Schmidt noch gern. Sie hoffen, dass das Fest zur Diamantenen Hochzeit im Kreise von Familie und Freunden heute genauso schöne Momente für sie bereit hält.
An vorherige Hochzeitsjubiläen erinnern sich Maria und Wilhelm Schmidt noch gern. Sie hoffen, dass das Fest zur Diamantenen Hochzeit im Kreise von Familie und Freunden heute genauso schöne Momente für sie bereit hält. Foto: Ines-Bianca Hartmeyer

Anfangs waren ihm die Ochsen reichlich unheimlich: Als Wilhelm Schmidt nach einer jahrelangen Odyssee im Zuge der Kriegswirren 1955 in das sibirische Dorf Karatal kam und direkt zur Arbeit in den Stall geschickt wurde, nahm der gelernte Dreher vor den Tieren mit den furchterregenden Hörnern erst einmal Reißaus. Es sollte allerdings nicht lange dauern, bis er seinen ungewohnten Pflichten gern nachkam: Denn schon bald entdeckte er im Kälberstall nebenan ein Mädchen, das ihm ausnehmend gut gefiel. Es sollte eine große Liebe werden, die inzwischen seit 60 Jahren andauert . . .

Wilhelm und Maria Schmidt feiern heute ihre Diamanthochzeit. Aus der glücklichen Ehe sind nicht nur fünf Kinder, sondern inzwischen auch 20 Enkel und neun Urenkel hervorgegangen. Dass die beiden Sassenberger heute ihren Lebensabend beim Puzzlespiel und bei der Gartenarbeit genießen können, ist nicht selbstverständlich. Denn sie wurden in einer Zeit geboren, in der die geschichtlichen Ereignisse sich überschlugen.

Die Jubilarin kam ein Jahr vor Ausbruch des Krieges, im September 1938, im sibirischen Karatal zur Welt. Wie damals üblich, dauerte die Schulzeit nur wenige Jahre und ging dann nahtlos ins Arbeitsleben in der örtlichen Landwirtschaft über – dort, wo sie später auch den einzigen Mann kennen lernen sollte, der Gnade vor den Augen ihrer strengen Mutter fand.

Dem standen aber vorerst noch verschlungene Pfade bevor. 1935 im ukrainischen Hierschau geboren, musste Wilhelm Schmidt als Achtjähriger vor dem Hintergrund des Krieges mit seiner Familie die Heimat verlassen. Der Weg führte ihn und seine Angehörigen über Polen in die Nähe von Leipzig. Dort blieb die Familie bis Ende des Krieges – glaubte dann aber den Versprechungen der Besatzer, in die alte Heimat zurückkehren zu dürfen. Das stellte sich als Trugschluss heraus. Die Schmidts strandeten statt dessen in Borowski im Herzen Russlands, wo dringend Arbeiter für die neue Papierfabrik gesucht wurden. Zwar fand sein Vater schnell heraus, dass sein Bruder inzwischen in der tausende von Kilometern entfernten Region Altai lebte. Allerdings sollte es zehn lange Jahre dauern, bis die Familie auch die Erlaubnis erhielt, dorthin zu ziehen – und Wilhelm Schmidt endlich im Ochsenstall auf seine zukünftige Frau traf.

„Ich habe meinen Freund gefragt, ob dieses Mädchen schon besetzt ist“, erinnert er sich mit einem verschmitzten Schmunzeln. Das war sie nicht. Doch Maria war anfangs nicht vollends überzeugt. Erst als auch ihre Mutter keine Einwände hatte, gewann der junge Bursche ihr Herz. Im November 1957 machten sich die Hochzeitsrufer auf den Weg und luden das ganze Dorf zu dem feierlichen Ereignis ein.

Drei Söhne und zwei Töchter kamen zwischen 1958 und 1978 auf die Welt. Im November 1989 dann ein weiterer Paukenschlag im Leben des Ehepaares: Mit ihren Kindern und inzwischen auch schon den ersten Enkeln siedelten Wilhelm und Maria Schmidt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Deutschland um. „Mit 38 Personen!“, erzählen die Jubilare.

Doch die Familienmitglieder wurden schnell heimisch, fanden Arbeit und nach Zwischenstationen in Hoetmar und Everswinkel ein neues Zuhause in Sassenberg. In ihrem behaglichen Haus an der Kolping­straße freuen sich die Eheleute immer, wenn die Kinder und Kindeskinder zu Besuch kommen – auch wenn es eine Tochter inzwischen nach Kanada zog.

Heute – nach 60 Ehejahren – kommt einmal wieder eine große Runde zusammen, wenn die Jubilare ihren Ehrentag im Kreise von Familie und Freunden in Ostbevern feiern. Dann fragt ja vielleicht auch der eine oder andere nach dem Rezept für eine so lange erfüllte Ehe? „Wir haben uns einfach so sehr aneinander gewöhnt“, erzählt Maria Schmidt lachend.

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