Sternsinger in Sassenberg unterwegs
Beim ersten Mal ist vieles anderes

Sassenberg -

Beim ersten Mal muss sich Thilo noch auf das verlassen, was ihm die bunt gewandeten Sternsinger-Kollegen diktieren: „20*C+M+B+18“ schreibt er sorgfältig an die noch jungfräuliche Backsteinwand. Den Segensspruch der Sternsinger, den er am Ende des Tages wohl auswendig können wird.

Samstag, 06.01.2018, 07:01 Uhr

Rund 60 Sternsinger zogen gestern nach dem Gottesdienst los, um für Kinder in Not zu sammeln.
Rund 60 Sternsinger zogen gestern nach dem Gottesdienst los, um für Kinder in Not zu sammeln. Foto: Ulrike von Brevern

Rund 60 Jungen und Mädchen starteten am Freitagmorgen zur diesjährigen Sternsingeraktion unter dem Motto „Gemeinsam gegen Kinderarbeit“. Für viele war es das erste Mal, ebenso wie für den Organisator, den neuen Pastoralreferenten Johannes Lohre .

Natürlich ist es für Lohre nicht das erste Sternsingen. „Als Kind habe ich das selbst gemacht und später die Sternsinger begleitet“, lächelt er entspannt, während um ihn herum im Pfarrheim die morgendliche Routine wie am Schnürchen abläuft. „Es war ein gutes Gefühl, Gleichaltrigen helfen zu können“, erinnert er sich. Dennoch gehören die Süßigkeiten, die den Kindern neben dem Geld für die Sammelbüchsen zugesteckt wurden, zu seinen lebendigsten Erinnerungen.

Mit solch leckeren Gedanken ist er nicht alleine. August Budde , der schon kurz nach dem Krieg, durch die Füchtorfer Nachbarschaft zog, erinnert sich am liebsten an die Äpfel und Plätzchen, die es gelegentlich zur mildtätigen Spende dazugab. Norbert Ruhe, der gerade Mattes und dessen Freund Mika einkleidet, berichtet lachend von fast strategischer Planung der Routen zu seiner aktiven Zeit. „Wir wussten genau, wo wir mal sitzen konnten, wo es was zu trinken gab oder wer viel Süßes verteilte.“

Lohre hat sich im Vorfeld viel Mühe gegeben, den inhaltlichen Aspekt der Aktion zu betonen. In verschiedenen Schulstunden hat er Videofilme gezeigt und mit den Kindern über die Probleme von Kinderarbeit gesprochen. „Es gibt wunderbares Material von der zentralen Aktionsstelle“, freut er sich. Dazu gehört auch Praktisches wie die schokoladenbraunen Sammeltaschen mit dem leuchtenden Stern darauf, in denen die Gruppen alles Notwendige verstauen können, oder die roten Sammlerausweise. Beides hat Lohre neu eingeführt.

„Total schön“, lobt Marlies Krassort während sie die Taschen bewundert, „da ist alles fertig gepackt.“ Seit zehn Jahren begleitet sie ihre Kinder zum Ankleiden ins Pfarrheim. „Super organisiert“, ist ihr Kommentar zu Lohres erstem Mal. Dass es nach vielen Jahren wieder ein Vortreffen gegeben hat, bei dem die Gruppen festgezurrt wurden, findet sie prima: „Da gibt es hinterher in der Kirche kein Chaos“, sagt sie. Für Jonas, Henning, Mattes und Leon war noch wichtiger, seitdem zu wissen, dass sie die Sternsingertage gemeinsam verbringen würden.

„Ich bin gerade sehr glücklich, dass alles so gut funktioniert hat“, bekennt Lohre als sich im Pfarrheim der Tisch mit den Taschen kurz vor Beginn des Entsendungsgottesdienstes plangemäß geleert hat. Dabei vergisst er auch den Dank an die knapp 40 Unterstützer vom Begleiter bis zur Küchenfee nicht. In diesem Jahr sind besonders viele Eltern aktiv.

Nachdem der Segen ordnungsgemäß angeschrieben ist, packt Thilo die im Gottesdienst geweihte Kreide zurück in die Sternsingertasche. Die Sammeldose ist gleich beim ersten Mal gut befüllt worden. Am nächsten Haus klappt es dann vielleicht auch mit den Süßigkeiten.

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