Neue Taufschale in der evangelischen Kirche in Sassenberg
Ohne einen Cent Kirchensteuer

Sassenberg -

Jonas Petermann wird in ein wenig in die Geschichte der evangelischen Gemeinde eingehen. Der zwei Monate alte Knirps war der erste Täufling, der am Sonntag mit Wasser aus der neuen Taufschale der evangelischen Gemeinde getauft wurde.

Mittwoch, 10.01.2018, 05:01 Uhr

Einweihung mit Täufling: Die Eltern Kai und Lena Petermann mit dem kleinen Jonas, den Paten Sebastian Düpmeier und Anke Petermann sowie Pfarrer Michael Prien.
Einweihung mit Täufling: Die Eltern Kai und Lena Petermann mit dem kleinen Jonas, den Paten Sebastian Düpmeier und Anke Petermann sowie Pfarrer Michael Prien. Foto: Ulrike von Brevern

„Ich fand die Idee total schön“, erinnert sich Mutter Lena und streichelt ihrem müden Junior über die Wange. Anfang Dezember hatte die Gemeinde mit einem Aufruf im Gemeindebrief nach einem Täufling gesucht, mit dem die neue, aus Spenden finanzierte Taufschale im Rahmen eines Festgottesdienstes in Dienst gestellt werden konnte.

Pfarrer Michael Prien erinnerte in seiner Festansprache noch einmal an die Empörung, nachdem die alte Taufschale in der Adventszeit 2016 aus der zu dieser Zeit traditionell offenen Kirche gestohlen worden war. Von der Schale fehlt wie von den Tätern gut ein Jahr später noch immer jede Spur, berichtete Prien im Gespräch. Allerdings gebe es offenbar durchaus einen Markt für solche sakrale Gegenstände. „Mir selber wurde auf einem Flohmarkt eine ganze Taufstele angeboten“, erzählte er.

Die allerdings wollte die Gemeinde gar nicht. „Die Taufe ist eine heilige Handlung und ein Sakrament der einen Kirche“, begründete Prien im Festgottesdienst den durchaus kostspieligen Entschluss, eine neue Taufschale anfertigen zu lassen. 3600 Euro musste die Gemeinde für das Meisterstück aufbringen. Bis dahin hatte eine einfache Glasschale, vorrübergehend als Ersatz gedient.

Der Seniorchef einer Pforzheimer Werkstatt machte es sich nach einigem Suchen schließlich zur Aufgabe, die Vorgaben der Gemeinde zu erfüllen: Die Schale sollte in den vorhandenen Taufstock passen und mit der Kanne für das Taufwasser harmonieren. Entstanden ist eine schlichte, rundherum vergoldete Schale, die ihrer Vorgängerin ähnelt, allerdings ohne Inschrift auf dem breiten Rand. Der gewölbte Boden des Wasserbeckens, dessen Mitte eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes ziert, passt exakt zum Fuß der Taufkanne.

„Es ist kein Euro Kirchensteuer in diese Schale geflossen“, betonte Prien die Eigenleistung der Gemeinde. Es sei eine Taufschale „von der Gemeinde für die Gemeinde“. Die gemeindeeigene Stiftung „Der Gute Hirte“ hatte um Spenden gebeten und dabei unter anderem angeregt, die Anzahl der Jahre, die seit der eigenen Taufe vergangen sind, in Euro zu spenden. Dem scheine mancher gefolgt zu sein, freute sich Prien und wertete das gute Spendenergebnis als erfreuliches Zeichen dafür, dass „eine wertige Taufschale den Menschen durchaus etwas wert ist“.

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