Soziales Projekt
Aus Abfall wird Bildung

Sassenberg -

Das erste Paket ist weg. 15 Kilo an leergeschriebenen Kugelschreibern, aufgemalten Filzstiften oder ausgedienten Schreib-Lernstiften hat Agnes Böckenholt bereits für das ökumenische Weltgebetstags-Projekt „Stifte machen Mädchen stark“ von Füchtorf aus auf die Reise geschickt.

Freitag, 23.03.2018, 15:03 Uhr

Die KFD-Vorstandsfrauen Claudia Langkamp, Rita Elbin, Mechthild Fusenig und Annette Schumacher mit den selbstgebastelten Sammeleimern. Auf dem Etikett steht, was hinein darf – vor allem Kugelschreiber, Filzstifte und Korrekturmittel. Klebe-, Bunt- oder Bleistifte nicht!. .
Die KFD-Vorstandsfrauen Claudia Langkamp, Rita Elbin, Mechthild Fusenig und Annette Schumacher mit den selbstgebastelten Sammeleimern. Auf dem Etikett steht, was hinein darf – vor allem Kugelschreiber, Filzstifte und Korrekturmittel. Klebe-, Bunt- oder Bleistifte nicht!. . Foto: Ulrike von Brevern

Bis zu den Ellenbogen konnte die Füchtorfer KFD-Sprecherin ihre Arme in dem Meer leerer Stifte baden, die die Frauen seit Oktober im ganzen Ort gesammelt haben. Acht weitere Kilo warten noch auf Zuwachs und der wird sicher kommen, denn nun sammelt auch die KFD in Sassenberg.

„15 Kilo Mindestgewicht für ein Paket schienen mir unvorstellbar viel“, erinnert sich Agnes Böckenholt und zeigte sich überrascht, wie schnell das Etappenziel übertroffen war. Die leeren Stifte verwandeln sich in Bildungschancen für syrische Mädchen in einem Flüchtlingscamp im Libanon. Angestoßen vom Internationalen Weltgebetstag der Frauen verbindet das originelle Projekt, das bis Oktober läuft, Ressourcenschutz mit wirksamer Hilfe.

Der Libanon, fast halb so groß wie Hessen, hat bei einer Einwohnerzahl von vier Millionen Menschen binnen weniger Jahre mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Entsprechend schwierig ist die Lage für traumatisierte Kinder. Mit dem Projekt „Beit el-Nour“ werden vorwiegend Mädchen unterstützt, die sowohl Schulunterricht als auch sozialpädagogische Betreuung erhalten und sich so Zukunftsperspektiven eröffnen können.

450 leere Stifte reichen schon für das Schulmaterial, rechnen die Organisatoren vor. Die Schreibgeräte werden gereinigt, geschreddert und eingeschmolzen, um als Rohstoff wiederverwendet werden zu können. Pro Schreibgerät zahlt das eingebundene Recyclingunternehmen einen Cent an das Projekt.

Seit dem Weltgebetstag Anfang März beteiligt sich nun auch die Sassenberger KFD mit schicken selbstgebastelten Sammelbehältern an der ökumenischen Aktion. Im Edeka-Markt steht so ein Eimer, genauso wie in den beiden Kirchen, dem Pfarrheim, der Volksbank und dem Rathaus.

Aber auch die Grundschulen und ein Kindergarten beteiligen sich. Wer noch einen Sammelbehälter aufstellen möchte, kann sich gerne beim KFD-Vorstandsteam melden.

In Füchtorf hat Agnes Böckenholt die Erfahrung gemacht, dass ihre schlichten Sammelkartons die Spenden zum Teil kaum fassen konnten. „Die Leute haben gleich tütenweise Stifte mitgebracht“, erzählt sie, und das entspricht durchaus der Idee. Auch an anderer Stelle, zum Beispiel im Büro, kann vorgesammelt werden. Annette Schumacher von der Sassenberger KFD hat so bereits eine Sammelstelle an die Loburg in Ostbevern ausgelagert.

„Es ist erstaunlich, wie einfach es ist, mit etwas, das man nicht mehr braucht, Gutes zu tun, und wie simpel man vorgehen kann, um Materialien wiederzuverwenden“, sagt der evangelische Pastor Michael Prien anerkennend, in dessen Gemeindehaus ebenfalls seit Oktober ein Sammelbehälter steht.

Ein Selbstläufer ist die Idee allerdings dennoch nicht. Einige weniger genutzt Stiftkartons zeigten in den vergangen Monaten, dass selbst bei einer so einfachen Idee persönliches Engagement unerlässlich ist.

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