Thomas Schmitz spielt auf der Eule-Orgel
Bravouröser Gesamteindruck

Sassenberg -

Zeitgleich zum Auftaktmatch der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball WM in Russland spielte Münsters Domorganist Thomas Schmitz am Sonntag das Eröffnungskonzert zur Festwoche „10 Jahre Eule-Orgel“ in der Pfarrkirche St. Johannes Evangelist. Man mag es fast nicht glauben: Von Einsamkeit war dort jedenfalls keine Spur.

Dienstag, 19.06.2018, 13:00 Uhr

Thomas Schmitz erwies sich als Virtuose auf der Eule-Orgel und hinterließ bei den Zuhörern einen bravourösen Gesamteindruck.
Thomas Schmitz erwies sich als Virtuose auf der Eule-Orgel und hinterließ bei den Zuhörern einen bravourösen Gesamteindruck. Foto: Ulrich Coppel

Schmitz begann mit der 4. Orgelsymphonie des Franzosen Charles-Marie Widor . Typisch romantisch, bisweilen fast ein bisschen an Mendelssohn erinnernd, wechselten sich in den einzelnen Sätzen komplexe kontrapunktische Elemente (Fugue) mit komplizierten homophonen Modulationen (etwa im Finale) ab. Hätte Widor das „Andante Cantabile“ seiner Symphonie nicht im 4/4 sondern im 6/8 Takt geschrieben, dann wäre dies eine wunderschöne Barcarole. Schmitz gab mit zurückhaltender Dynamik und wiegendem Rhythmus diesem Satz einen zugleich leicht bewegten, jedoch innerlich ruhenden, fast schlummernden Einschlag. Sehr schön!

Herbert Howells „Psalm Prelude op.32,1.“ war das verbindende, klassisch-moderne Stück zum folgenden zweiten Schwerpunktwerk des Konzertes. Howell verwandte darin konservativ-romantische Techniken, die Schmitz souverän durchmaß.

Flor Peeters „Lied-Symphonie op. 66“ ist beste Programmmusik über episodenhafte Reiseeindrücke von der Überfahrt nach Amerika, sowie verschiedenen Landschaftsbildern in den USA einerseits. Andererseits zugleich eine Hommage an die Schöpfung und den Schöpfer, der dahinter steckt. Entsprechend demütig interpretierte Schmitz die Sätze „Lied to the ocean“, oder Lied to the desert“. Nie erlag Schmitz spektakulären Verlockungen der Eule-Orgel, sondern gab dem gesamten Rahmen eine fast kammermusikalische Note. Nur ganz punktuell dann jedoch sehr gezielt, krachten mächtige Akkorde in schäumende Klangwogen oder flirrende Flöten-Fata-Morganas. Ansonsten erschien kompositionsbedingt vieles gezielt im Ungefähren. Dies jedoch ganz im Gegenteil zum von Schmitz hinterlassenen bravourösem Gesamteindruck. Die Festwoche bietet noch weitere Konzerte.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5831649?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F130%2F
Nachrichten-Ticker