Restaurierungsarbeiten auf Harkotten
Schätze unter Farbschichten

Füchtorf -

Als Handwerker 2013 bei Arbeiten an einer abgehängten Decke auf mehr als 200 Jahre alte Wandmalereien stießen, löste das eine beispiellose Schatzsuche im Herrenhaus von Korff aus. Bald stand fest: In zahlreichen Räumen war der Hofmaler Philipp Ferdinand Ludwig Bartscher am Werke gewesen. Seit Jahren werden die Wandbilder in liebevoller Kleinarbeit restauriert. Derzeit ist die Eingangshalle an der Reihe

Samstag, 15.09.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 15.09.2018, 06:00 Uhr
Inzwischen gilt Herrenhaus von Korff als „Nationales Denkmal“. Die Deutsche Denkmalschutzstiftung unterstützt die Restaurierungsarbeiten, die im Augenblick in der Hand von Eva Möllenkamp liegen. Das kleine Foto, auf dem Fragmente von Laute und Posaune zu erkennen sind, zeigt, was für eine Sisyphosarbeit das ist.
Inzwischen gilt Herrenhaus von Korff als „Nationales Denkmal“. Die Deutsche Denkmalschutzstiftung unterstützt die Restaurierungsarbeiten, die im Augenblick in der Hand von Eva Möllenkamp liegen. Das kleine Foto, auf dem Fragmente von Laute und Posaune zu erkennen sind, zeigt, was für eine Sisyphosarbeit das ist. Foto: Ines-Bianca Hartmeyer

Ihr wichtigstes Handwerkszeug sind Skalpell und Stirnlupe. Darüber hinaus braucht Diplom-Restauratorin Eva Möllenkamp vor allem eins: Geduld.

„Wir haben hier insgesamt sieben Farbschichten“, erklärt sie in der imposanten Eingangshalle von Schloss Harkotten, die sich derzeit in eine Baustelle verwandelt hat. Scheinbar mühelos scheint sich die Expertin zwischen den grauen, grünen und weißen Farbspuren zurechtzufinden. „Der Originalrahmen war grau“, zeigt sie auf eine Stelle an der Wand. „Später hat man das Grau durch ein Grün ersetzt.“ Dann änderte sich die Mode – und es kamen komplette Überstriche. Was es besonders schwierig macht: Haben die Handwerker vergangener Zeiten noch mit leimgebundenen, wasserlöslichen Farben gearbeitet, bestehen die letzten beiden Schichten aus Dispersionsfarbe. „Die muss man tatsächlich mühsam abbeizen“, erläutert Möllenkamp.

Auch wenn ihre Tätigkeit eines Sisyphus‘ würdig wäre – Möllenkamp liebt diese Arbeit. Es sind die unter den Schichten verborgenen Schätze aus vergangener Zeit, die sie antreiben. Seit Handwerker 2013 zufällig bei Renovierungsarbeiten erste Zeugnisse aus der Hand des Hofmalers Philipp Ferdinand Ludwig Bartscher gefunden haben, bringt jeder Raum Neues und Erstaunliches zum Vorschein. „Wir haben zwar im Schlossarchiv neben den Bauplänen von Architekt Adolph von Vagedes auch Aufzeichnungen zu den Wandgemälden gefunden – aber wir erleben dann doch immer wieder einen Aha-Effekt“, hat die Nordkirchenerin festgestellt.

So zum Beispiel in der Eingangshalle: Dass die Motive links und rechts des Durchgangs zum Treppenhaus den schönen Künsten gewidmet sein sollen, wussten Möllenkamp und ihre Auftraggeberin Myriam Freifrau von Korff schon vor Beginn der Arbeiten. Dann aber tatsächlich Laute und Posaune freizulegen: „Das war ein spannender Moment“, bestätigt Eva Möllenkamp.

Nach dem Freilegen kommt die vorsichtige Retusche. „Hierbei geht es im Wesentlichen darum, die Fehlstellen so geschickt zu schließen, dass die noch vorhandenen Fragmente bestmöglich in den Vordergrund rücken“, demonstriert Möllenkamp anhand der hauchzarten Strichelung, die sie gerade mit Gouache-Farbe bei einem der Rahmenelemente aufbringt.

Eine besondere Überraschung barg die Wand rechts der Eingangstür. Hier hatte der Künstler, der bislang vor allem mit dem Schloss Corvey in Verbindung gebracht wurde, vor mehr als 200 Jahren die perfekte Illusion einer Marmorwand geschaffen. „Das war damals definitiv die günstigere Variante zu einem Transport des kostspieligen Materials aus Italien“, erklärt von Korff den Griff in die Trickkiste. So wurden auch aus den mächtigen Holzsäulen in der Eingangshalle mit Hilfe von geschickten Pinselstrichen im Handumdrehen kostbar wirkende Marmorsäulen.

Nachdem das „Gelbe Kabinett“ und der „Blaue Salon“ bereits wieder eine Zeitreise ins beginnende 19. Jahrhundert erlauben und auch die Eingangshalle große Fortschritte macht, blickt Myriam Freifrau von Korff zuversichtlich auf Ende 2019. Dann nämlich sollen die Räumlichkeiten im Erdgeschoss soweit aufgearbeitet sein, dass Eigentümer und Förderverein hier ihr Ausstellungskonzept umsetzen können. Schließlich ist Herrenhaus von Korff inzwischen „Nationales Denkmal“ und lockt als solches immer mehr interessiertes wie fachkundiges Publikum an.

Und wer weiß: Vielleicht kommt ja bis dahin noch die eine oder andere weitere Überraschung zum Vorschein . . .

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