Fertig geschälte Kartoffeln vom Bauern
Heinz Osthoff ist mehr als Landwirt

Sassenberg -

Die Ernte auf dem Acker an der Steinkamps Heide ist eine staubige Angelegenheit. Reihe für Reihe hebt der Schar am vorderen Ende des Kartoffelroders die kompletten Kartoffeldämme in den Bauch der Maschine. Unten fällt Erde heraus, oben steht Heinz Osthoff mit drei Helfern am Sortierband und sucht Steine und Pflanzenreste zwischen den Erdäpfeln weg. „Besser, der Dreck bleibt auf dem Acker“, schmunzelt der Landwirt. Zufrieden ist er mit der Ausbeute, die da in diesem Jahr vom Acker kommt, allerdings keineswegs.

Freitag, 12.10.2018, 13:00 Uhr
Die Ernte ist eingefahren. Jan und Heinz Osthoff vor den schier endlosen Kartoffelkisten, die sich im Kühlraum der Scheune bis unter die Decke stapeln.
Die Ernte ist eingefahren. Jan und Heinz Osthoff vor den schier endlosen Kartoffelkisten, die sich im Kühlraum der Scheune bis unter die Decke stapeln. Foto: Ulrike von Brevern

Sein Betrieb in Gröblingen lebt von Rinderhaltung und Kartoffeln. Bis 2008 waren auch noch Schweine dabei, aber das hat sich nicht mehr gelohnt. „Wir waren zu klein“, begründet Osthoff den Entschluss, den Hof umzustrukturieren. Die Anbaufläche für Kartoffeln hat der Landwirt auf mehr als acht Hektar gut vervierfacht.

Das allein sichert das Auskommen für die drei Generationen auf dem Hof allerdings nicht. Seit 2002 haben sich die Osthoffs in einer kleinen Erzeugergemeinschaft unter dem Label „Münsterlandknolle“ ein weiteres Standbein geschaffen. Ihre Marktnische als Direktvermarkter: geschälte Kartoffeln. Seit 2014 betreibt die Gemeinschaft, deren aktiver Geschäftsführer Heinz Osthoff ist, einen eigenen Schälbetrieb.

Kartoffelanbau ist teuer, schon weil das Pflanzgut teuer ist, erzählt der Landwirt. Da muss der Verkaufspreis stimmen. Man könne gleich vom Acker weg verkaufen, gibt Junior Jan zu, der auf einem deutlich größeren Kartoffelbetrieb lernt. Doch egal ob die Knollen dann an die Industrie oder den Großhändler gehen: „Du kriegst den Preis, den die Dir sagen.“ Mitzureden sei da nicht.

Darum lagern die Osthoffs ihre per Hand sortierte Ernte ein und verkaufen sie direkt an Endkunden. 250 Tonnen Kartoffeln passen in Holzkisten meterhoch gestapelt in die Scheunen. Ab März werden sie gekühlt.

Die Idee mit dem Schälbetrieb geht bis in die neunziger Jahre zurück, als der Osthoff vom Hof aus mit einem Topfschäler kleinere Kunden wie das heimische Altenheim versorgte. Ab 2002 ließ die „Münsterlandknolle“ dann für den wachsenden Kundenstamm in der neuen Schälerei der Freckenhorster Werkstätten schälen. Die integrative Idee haben die Landwirte 2014 vom Hof Lohmann mitgenommen und sind nun auch mit ihrem eigenen Schälbetrieb LWL-anerkanntes Integrationsunternehmen.

Seither muss sich Osthoff nicht nur um rund 20 Teilzeitkräfte kümmern, sondern unter anderem auch um die Geheimnisse von Vakuumbeuteln. Darin werden die empfindlichen Knollen - wahlweise als Viertel, Scheiben, Wedges oder Raspel – verpackt. Nur wenn es die richtigen Beutel sind, kann komplett auf Zusätze verzichtet werden. Von der Qualität der Knollen können sich unter anderem die Studenten in Münsters Mensen überzeugen.

„Man hat in den letzten Jahren viel gelernt“, sagt Heinz Osthoff über seinen Zweit-Job als Geschäftsführer. Trotz beständig steigender Umsätze des Gemeinschaftsunternehmens klingt dabei allerdings weniger Begeisterung mit, als vielleicht zu erwarten. „Ich bin lieber Landwirt!“, betont der Senior ausdrücklich.

Seinem Sohn Jan geht es ähnlich, und bei allem Stolz auf die gefüllte Kartoffelscheune möchte er auch auf das andere Standbein des Hofes auf gar keinen Fall verzichten. Schon, weil es riskant sein könnte: In diesem Jahr haben die Osthoffs wegen der Trockenheit bis zu 50 Prozent weniger Kartoffeln geerntet als im Rekordjahr 2017. Jetzt gilt es, sie wenigstens möglichst teuer zu verkaufen, um das Hofeinkommen für dieses Jahr zu sichern.

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