Die Geschichte der Familie Schücking
Die Stärke im Kopf

Das Haus Schücking ist eines der Wahrzeichen der Stadt Sassenberg. Es wurde von Kanzler Christoph Bernhard Schücking im Jahr 1754 erbaut. In über 250 Jahren haben mehrere Generationen der Familie hier gelebt, und dabei auch die Geschichte der Stadt mitgeprägt. Aber die Ursprünge der Familie reichen noch viel weiter zurück. Nachfahre Prosper Schücking, geboren 1954, und Bruder der heutigen Bewohnerin Heffa Schücking, erweist sich hier als wandelndes Geschichtslexikon. Mit seiner Hilfe wird die Geschichte der Familie und des Hauses lebendig. In einer mehrteiligen Serie stellen die Westfälischen Nachrichten diese spannende Geschichte vor.   Von Ulrich Lieber

Freitag, 12.10.2018, 16:22 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 16:22 Uhr
In lateinischer Schrift steht über dem Wappen „robur in capite“ was so viel bedeutet, wie die „Stärke im Kopf“. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Familie zwar nicht über Macht und Geld verfügt, aber dafür klüger ist.
In lateinischer Schrift steht über dem Wappen „robur in capite“ was so viel bedeutet, wie die „Stärke im Kopf“. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Familie zwar nicht über Macht und Geld verfügt, aber dafür klüger ist. Foto: Ulrich Lieber

Die Familie Schücking, die noch heute das Haus Schücking in Sassenberg bewohnt, stammt ursprünglich aus Coesfeld. „Das ist eine besondere Leistung, man hat es in 700 Jahren geschafft, von Coesfeld bis nach Sassenberg zu kommen“, schmunzelt Prosper Schücking, der heute in Berlin lebt. Im Jahr 1400 wanderte Werner Raesfeld, genannt Schücking, nach Coesfeld ein. Raesfeld liegt in der Nähe, und es gab die Grafen von Raesfeld sowie einige Höfe und Bauernfamilien mit dem Namen Schücking. „Es war wohl so, dass ein Graf von Raesfeld mit einer Bauerstochter Schücking einen Sohn hatte. Das war ein nichtehelicher Sohn, aber wo passte er hin? Der Sohn ist nicht adelig, aber auch nicht bürgerlich, und in der Zeit des Mittelalters war es üblich, dass die Väter die Verantwortung übernahmen und die Kinder mit Geld und Bildung ausstatteten“, berichtet Schücking. Dieser Sohn ist dann in die Stadt Coesfeld gegangen und hat dort eine Bürgerstochter mit dem Namen Schücking geheiratet, also eine Verwandte. Von ihr hat er dann den Namen übernommen, deshalb heißt er Werner Raesfeld, genannt Schücking. Die Familie hat von Anfang an einen Patrizier-Status gehabt und damit zu den führenden Leuten in der Stadt gehört - zu den Kaufleuten. „Coesfeld war damals eine relativ bedeutende Hansestadt, und seinen hohen Rang sieht man daran, dass sein erstgeborener Sohn Johannes Mönch geworden ist und dann 1431 Rektor der Universität zu Köln. Es gab damals nur eine Handvoll Universitäten in Deutschland, darum ist das schon eine ungeheure Leistung.“

Die heutige Familie Schücking stammt von seinem Bruder ab, der in Coesfeld geblieben ist. Die Familie ist über Jahrhunderte als Kaufleute aktiv und hat sehr weit reichende Verbindungen. Vor der Reformation ist die Gegend mit den Niederlanden ein einheitlicher Sprach- und Religionsraum, so dass auch dorthin viel Handel getrieben wird. „Mit der Reformation wurde es schwieriger, und das Münsterland ist größtenteils evangelisch geworden.“ Die gesamte Familie Schücking ist evangelisch und wandert bei der Rekatholisierung Ende des 16. Jahrhunderts aus, bis auf einen gehen alle in die Niederlande. Das lässt sich auch heute noch an den Namen im Amsterdamer Telefonbuch feststellen, denn dort gibt es Skückings und ähnliche Variationen des Namens. „Es blieb nur Wessel Schücking in Deutschland, der in das damals evangelische Dortmund gegangen ist.“

Um nach Coesfeld zurückzukommen, nimmt Wessel Schücking die katholische Religion wieder an und lässt sich in Coesfeld als Kaufmann nieder. Doch nun beginnt der 30-jährige Krieg, der auch die Lebensgrundlage der Kaufleute zerstört, denn es ist kaum noch möglich, in den Kriegsgebieten als Kaufmann tätig zu sein. „Sein Sohn Adrian zieht dann nach Münster, lebt als Kaufmann mit einem Haus am Roggenmarkt, das heute auch noch steht und dient sich dem Bischof von Münster an.“ Der Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen errichtet einen relativ absolutistischen Staat nach dem Vorbild der Franzosen, so dass sich auch die Schückings neu orientieren müssen. Adrian Schücking beliefert um 1660 den Fürstbischof mit Holz, mit Waffen und mit Menschen und wird 1672 zum Oberkriegskommissar ernannt. „Wir können davon ausgehen, dass dabei ein Teil bei ihm selbst geblieben ist. Das heißt, er ist unendlich reich geworden“, sagt Prosper Schücking. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet Adrian eine 16-jährige Adelige, er selbst ist bereits 56. Mit ihr hat er dann noch einen Sohn. „Wir stammen sowohl von dem einen Sohn aus erster Ehe, Engelbert Schücking, als auch seinem Bruder aus der zweiten Ehe ab.“ Während Engelbert ebenfalls Oberkriegskommissar wird, studiert der jüngere Bruder Nikolaus Jura und heiratet in Münster eine wohlhabende Bürgerstochter. Die Familie gehört nun zu einer von sieben Beamtenfamilien im Münsterland, die sich untereinander mehr oder weniger die Pfründe aufteilen. „Die Familie hatte sich immer als Bürgertum aufgefasst und deshalb wählten sie auch das Wappen im 16. Jahrhundert, als sie noch Kaufleute waren, und sie wählten ein springendes Einhorn auf grünem Grund.“ In lateinischer Schrift steht über dem Wappen „robur in capite“ was so viel bedeutet, wie die „Stärke im Kopf“. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Familie zwar nicht über Macht und Geld verfügt, aber dafür klüger ist. „Das war gegen den Adel gerichtet“, sagt Prosper Schücking. Es zeige auch die Hinwendung zur Bildung.

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